21.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Bilanz 2020 – Ausblick 2021

Der regionale Arbeitsmarkt

Bilanz 2020. „2020 war mit Blick auf den regionalen Arbeitsmarkt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein wirklich anstrengendes und schwieriges Jahr. Trotz allem zeigte sich der Arbeitsmarkt gemessen an den gravierenden ökonomischen Auswirkungen der Pandemie erstaunlich robust. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 3,2 Prozent. Zuletzt war die Jahresarbeitslosenquote 2016 mit 3,1 Prozent über der Drei-Prozent-Marke. Nichtsdestotrotz hat Corona den Arbeitsmarkt erschüttert, wenngleich schon vor der Pandemie konjunkturelle Eintrübungen erkennbar waren. Fakt ist, dass das Krisenüberbrückungsinstrument Kurzarbeit einen weitaus massiveren Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert hat“, bilanziert Mathias Auch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ulm.

Ausblick 2021. Mathias Auch sieht neben der Pandemie weitere wesentliche Herausforderungen am Arbeitsmarkt. „Themen wie der demografische Wandel, Transformationsprozesse, Strukturwandel und Fachkräftesicherung sind nicht verschwunden, sondern allenfalls in den Hintergrund gerückt. Arbeitsagentur und Jobcenter werden weiterhin viel in Beratung, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose und Beschäftigte investieren“, sagt Mathias Auch. „Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich mit Qualifizierung und Weiterbildung zu beschäftigen, insbesondere auch während der Zeit der Kurzarbeit.“ Weiter geht der Agenturleiter geht davon aus, dass der regionale Arbeitsmarkt in 2021 weiter unter dem Einfluss der Pandemie stehen wird, rechnet aber bei nachlassenden Einschränkungen mit einer zunehmenden Erholung.

Arbeitsmarkt 2020 - Rückblick

Arbeitslosigkeit und Quote

Die Auswirkung des Corona-Schocks auf die Arbeitslosigkeit zeigt sich deutlich. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit stieg zum Vorjahr um 2 545 Personen oder um 34,8% auf 9 858 Frauen und Männer.
Die Arbeitslosenquote lag im Jahresmittel 2020 bei 3,2 Prozent und war, wie auch im Vorjahr, der niedrigste Wert unter den 19 Agenturbezirken in Baden-Württemberg.

Personengruppen

Mit Blick auf die Struktur zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit über alle Personengruppenhinweg gestiegen ist. Insgesamt sind Männer mit einem Anstieg um 42,1 Prozent zum Vorjahr mehr betroffen als Frauen (plus 25,9 Prozent). Bei den Jüngeren ist die Arbeitslosigkeit um 40,9 Prozent, bei den Älteren um 26,8 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit bei den langzeitarbeitslosen Menschen stieg in 2020 mit 22,8 Prozent zum Vorjahr zwar relativ gering, jedoch seit Krisenbeginn im März um 46,8 Prozent deutlich.

Stellenmarkt

Der Bestand an offenen Arbeitsstellen lag im Jahresschnitt bei 3 860 Offerten. Das waren 1 820 oder 32,0% weniger als im Vorjahr. „Die Arbeitskräftenachfrage flaute bereits vor der Pandemie ab und im Corona-Jahr nochmals ausgeprägt“, sagt Mathias Auch. Bereits 2018 auf 2019 war ein Rückgang beim Stellenbestand um 10,2% zu verzeichnen. Im zurückliegenden Jahr war der Rückgang der Stellenbestände über nahezu alle Wirtschaftsabschnitte zu erkennen. Anteilig sind insbesondere das Verarbeitende Gewerbe (minus 40,0 Prozent zum Vorjahr), der Bereich Verkehr und Lager (minus 39,4 Prozent), der Handel (minus 39,2 Prozent), der Bereich Information und Kommunikation (minus 35,5 Prozent), die Arbeitnehmerüberlassung (minus 33,8 Prozent) und das Gastgewerbe mit minus 32,6 Prozent zu nennen.

Kurzarbeit

„Dass es nicht zu einem massiveren Anstieg der Arbeitslosigkeit kam, ist ganz wesentlich dem Instrument Kurzarbeit zu verdanken“, betont der Ulmer Agenturleiter. Der Krisenbeginn hatte im Frühjahr 2020 eine historisch hohe Nachfrage nach Kurzarbeit zur Folge. Allein im April zeigten 3 862 Betriebe für 63 987 Angestellte Kurzarbeit an. Tatsächlich rechneten in diesem Monat beispielslose 3 511 Betriebe für insgesamt 57.839 Beschäftigte Kurzarbeit ab, so dass knapp ein Viertel aller Beschäftigten in Kurzarbeit war.

Hinsichtlich der Anzahl an Personen für die Kurzarbeit realisiert wurde, sind in 2020 für den Zeitraum von März bis Juni im Schnitt folgende Branchen besonders hervorzuheben: Das Verarbeitende Gewerbe (18.616 Beschäftigte, 382 Betriebe); der Handel (5.158 Beschäftigte, 510 Betriebe) und das Gastgewerbe (2.862 Beschäftigte, 504 Betriebe).