29.01.2021 | Presseinfo Nr. 3

Saisonale Effekte zum Jahresauftakt

Der Arbeitsmarkt im Januar

Die Arbeitslosenquote im Ulmer Agenturbezirk nahm im Januar um 0,3 Prozentpunkte zu und lag bei 3,5 Prozent, zum Vorjahr waren das 0,8 Prozentpunkte mehr. Die Zahl der arbeitslosen Menschen stieg auf 10 808, das sind 869 oder 8,7 Prozent mehr als im Dezember. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt der Aufwuchs prozentual etwas geringer aus. „Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit ist im Januar üblich. Saisonale Effekte wie vorübergehende Freistellungen in witterungsabhängigen Branchen oder zum Jahreswechsel endende Arbeitsverträge sind Gründe dafür. Der zweite Lockdown hat sich nicht wesentlich auf die Arbeitslosenzahlen ausgewirkt", berichtet Mathias Auch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ulm. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Arbeitslosigkeit vor allem pandemiebedingt um 32,3 Prozent.

Am Stellenmarkt flaute die Personalnachfrage weiter ab. Regionale Arbeitgeber meldeten mit 733 neuen Stellenangeboten 217 weniger als im Dezember. Der Stellenbestand sank auf 3 436 offene Stellen. Die Zahl der Anzeigen auf Kurzarbeit belief sich im Januar auf 359 für bis zu 3 441 Beschäftigte. Im Dezember waren es 485 Betriebe die für bis zu 5 178 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten. „Trotz der momentanen Schwierigkeiten sind Betriebe gut beraten, weiterhin auszubilden, denn Themen wie demografischer Wandel und Fachkräfteengpässe sind allenfalls in den Hintergrund gerückt", unterstreicht Auch. Finanzielle Unterstützung leistet die Ausbildungsprämie, die Betriebe bei der Agentur für Arbeit beantragen können.

Arbeitslosigkeit

Nach Rechtskreisen betrachtet waren in der Arbeitslosenversicherung (Arbeitsagentur) 7 234 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das sind 669 oder 10,2 Prozent mehr als im Dezember und 2 349 oder 48,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. In der Grundsicherung (Jobcenter) nahm die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 200 Personen um 5,9 Prozent zu. Im Vorjahresvergleich waren es 290 Frauen und Männer oder 8,8 Prozent mehr.

Mit Blick auf die Personengruppen stieg die Arbeitslosigkeit insbesondere bei langzeitarbeitslosen Menschen. Insgesamt waren 2 350 Frauen und Männer länger als zwölf Monate arbeitslos, 206 mehr als vor vier Wochen und 846 mehr als im Vorjahr.

Ausbildungsmarkt

Corona und die Folgen erschweren die Situation am Ausbildungsmarkt sowohl für Ausbildungsbetriebe als auch für Schulabsolventen. Manch ein Betrieb macht sich zur Zeit Gedanken, in diesem Jahr das Ausbildungsniveau zu reduzieren oder ganz auf Ausbildung zu verzichten. Auch der Berufswahlprozess wird durch die Pandemie beeinträchtigt. Betriebe können Praktika wenn überhaupt meist nur eingeschränkt anbieten. Gleichzeitig findet Berufsberatung und -orientierung nicht wie gewohnt oder nur eingeschränkt in den Schulen und bei Veranstaltungen statt. An die Schulabsolventen gerichtet sagt Auch: „Das ist kein einfaches Jahr für den Berufseinstieg, aber wir sind gerade auch jetzt für Berufsberatung und Ausbildungsstellenvermittlung da – telefonisch, online oder per Videokonferenz." Zudem können Jugendliche die Online-Angebote der Bundesagentur für Arbeit nutzen.

Stellenmarkt

Die Kräftenachfrage auf Basis der gemeldeten Arbeitsstellen bleibt weiter signifikant unter Vorjahresniveau. Der Stellenbestand im Bezirk lag mit 3 436 Arbeitsangeboten um 217 Offerten unter dem Vormonatswert. Das entspricht einem Rückgang um 5,9 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Bestand um 823 Stellen oder 19,3 Prozent kräftig und nahezu über alle Wirtschaftsabschnitte hinweg. Prozentual verzeichnen insbesondere das Gastgewerbe mit minus 48,8 Prozent, der Einzelhandel mit minus 50,0 Prozent und der Bereich Verkehr und Lagerei mit minus 38,5 Prozent den deutlichsten Rückgang. Auch im Verarbeitenden Gewerbe (minus 13,7 Prozent) und bei der Arbeitnehmerüberlassung (minus 13,8 Prozent) ist der Bestand zum Vorjahr rückläufig. Ein Plus verzeichneten das Gesundheits- und Sozialwesen (plus 2,6 Prozent) und das Bauwesen (plus 3,6 Prozent).
Regionale Arbeitgeber meldeten mit 733 neuen Stellenangeboten 217 oder 22,8 Prozent weniger als im Dezember. Beispielsweise war im Bauwesen der Rückgang aufgrund des Wintereinbruches mit minus 61,4 Prozent besonders kräftig. Zum Vorjahr wurden insgesamt 182 neue Stellen oder 19,9 Prozent weniger gemeldet.

Kurzarbeit

Vorläufige Daten für den Januar liegen bis zum 25. des Monats vor; demnach zeigten in diesem Zeitraum 359 Betriebe für bis zu 3 441 Beschäftigte Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Ulm an.

Für den Monat Juli liegen nunmehr finale Zahlen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit vor. Im Ulmer Agenturbezirk rechneten 2 074 Betriebe für 28 392 Beschäftigte Kurzarbeitergeld ab. Hinsichtlich der Anzahl an Personen für die Kurzarbeit abgerechnet wurde, sind für den Juli folgende Branchen besonders hervorzuheben: Die Metall- und Elektroindustrie (16 291 Beschäftigte, 299 Betriebe); der Handel (2 759 Beschäftigte, 377 Betriebe); das Gastgewerbe (1 629 Beschäftigte, 287 Betriebe) und die Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben (901 Beschäftigte, 201 Betriebe). Für die Monate August und September liegen statistische Hochrechnungen zur realisierten Kurzarbeit vor. Demnach haben im August 1 652 Betriebe für 19 973 Beschäftigte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit Ulm abgerechnet. Im September waren es 1 521 Betriebe für 18 357 Beschäftigte.

Der Agenturbezirk im Landesvergleich

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm stieg die Arbeitslosigkeit um 8,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote kletterte zum Vormonat um 0,3 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Unter den Agenturbezirken in Baden-Württemberg ist das der niedrigste Wert. Im Vorjahr lag die Quote bei 2,7 Prozent. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Land stieg ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent. Zum Vorjahr sind das 1,0 Prozentpunkte mehr. Die Arbeitslosigkeit im Land wuchs um 7,2 Prozent.

Zu den Kreisen im Agenturbezirk

Biberach. Im Landkreis Biberach stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Das ist die niedrigste Quote unter den Kreisen in Baden-Württemberg und weiterhin die einzige im Land unter der Drei-Prozent-Marke. Zum Vorjahr sind das 0,7 Prozentpunkte mehr. Mit 3 529 Frauen und Männern waren 281 oder 8,7 Prozent mehr Menschen arbeitslos als vor vier Wochen. Die Agentur für Arbeit in Biberach betreute 2 481 Menschen (plus 253). Das Jobcenter des Landkreises Biberach betreute 1 048 Frauen und Männer (plus 28).

Vorläufige Daten über Anzeigen zur Kurzarbeit im Januar liegen bis zum 25. des Monats vor. In diesem Zeitraum zeigten im Landkreis Biberach 155 Betriebe für bis zu 2 088 Beschäftigte Kurzarbeit an. Im Dezember waren es 154 Betriebe die für bis zu 1 711 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten.

Alb-Donau-Kreis. 3 912 Menschen waren arbeitslos und über die Agentur für Arbeit (2 727) oder das Jobcenter (1 185) auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Das sind 325 oder 9,1 Prozent mehr Menschen als im Dezember. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. „In Baden-Württemberg ist die Quote nur im Landkreis Biberach niedriger", stellt Mathias Auch fest.

Vorläufige Daten über Anzeigen zur Kurzarbeit im Januar liegen bis zum 25. des Monats vor. In diesem Zeitraum zeigten im Alb-Donau-Kreis 92 Betriebe für bis zu 458 Beschäftigte Kurzarbeit an. Im Dezember waren es 149 Betriebe die für bis zu 1 504 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten.

Ulm. Im Stadtgebiet Ulm waren 3 367 arbeitslose Menschen über die Arbeitsagentur (2 026) und das Jobcenter (1 341) auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Somit nahm die Arbeitslosigkeit zum Vormonat um 263 Personen oder um 8,5 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,6 Prozent, das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als vor vier Wochen und 1,0 mehr als vor einem Jahr. Unter den neun Stadtkreisen im Land lag die Ulmer Quote als einzige unter der Fünf-Prozent-Marke.

Vorläufige Daten über Anzeigen zur Kurzarbeit im Januar liegen bis zum 25. des Monats vor. In diesem Zeitraum zeigten im Stadtkreis Ulm 112 Betriebe für bis zu 895 Beschäftigte Kurzarbeit an. Im Dezember waren es 182 Betriebe die für bis zu 1 963 Beschäftigte Kurzarbeit anzeigten.