29.07.2022 | Presseinfo Nr. 51

Arbeitslosigkeit steigt saisonal bedingt

Der Arbeitsmarkt im Juli

Im Juli waren im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm 7 619 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 134 Personen oder 1,8 Prozent mehr als vor vier Wochen. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 1 152 oder 13,1 Prozent weniger. So stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote bei 2,8 Prozent. „Vor den Sommerferien steigt die Arbeitslosigkeit üblicherweise an“, sagt Nicole Schwab, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Ulm. „Viele junge Menschen beenden Schule oder Ausbildung, suchen eine Anschlussbeschäftigung und melden sich vorübergehend arbeitslos.“ Hinsichtlich geflüchteter Menschen aus der Ukraine berichtet Schwab, dass vor Arbeitsvermittlung zunächst der Besuch von Sprach- oder Integrationskursen im Vordergrund stehe.
Am regionalen Stellenmarkt zeigte sich auch im Juli eine große Personalnachfrage. Mit über 6 000 Arbeitsangeboten gab es in einem Juli bislang nur im Jahr 2018 mehr offene Stellen. Dass die Stellenneumeldungen rückläufig sind, sieht die Geschäftsführerin saisonal begründet. „Für viele Betriebe beginnt die Ferienzeit, die Personalsuche wird für gewöhnlich zurückgefahren.“ Insgesamt sieht Schwab den Stellenmarkt in einem Spannungsverhältnis zwischen hohen Fach- und Arbeitskräftebedarfen und wirtschaftlichen sowie politischen Unwägbarkeiten. „Welche Folgen die derzeitigen Rahmenbedingen auf die Einstellungsbereitschaft haben könnte, wird sich nach der Urlaubszeit zeigen“, merkt Schwab an.

Arbeitslosigkeit
In der Arbeitslosenversicherung (Arbeitsagentur) waren 3 894 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Das waren 161 oder 4,3 Prozent mehr als im Juni und 1 094 oder 21,9 Prozent weniger als im Vorjahr. In der Grundsicherung (Jobcenter) sank die Arbeitslosigkeit zum Vormonat auf 3 725 Menschen, 27 Personen oder 0,7 Prozent weniger als im Juni. Zum Vorjahr waren es 58 Frauen und Männer oder 1,5 Prozent weniger.
Bei den jungen Menschen unter 25-Jährigen nahm die Arbeitslosigkeit am stärksten zu. Im Juli waren 815 junge Erwachsene arbeitslos, 113 Personen oder 16,1 Prozent mehr als im Juni. „Erfahrungsgemäß ist die Zunahme der Jugendarbeitslosigkeit in den Sommermonaten eine vorübergehende Erscheinung“, weiß Nicole Schwab. Entsprechend kletterte die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen um 0,3 auf 2,3 Prozent. Vor einem Jahr lag diese Quote mit 977 arbeitslosen jungen Erwachsenen bei 2,7 Prozent.

Fluchtmigration aus der Ukraine
Seit dem 1. Juni 2022 haben geflüchtete Menschen aus der Ukraine Anspruch auf Leistungen nach dem Zweiten bzw. Zwölften Sozialgesetzbuch (SGB II bzw. SGB XII) und werden durch die regionalen Jobcenter betreut. Im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm sind das die Jobcenter Ulm, Alb-Donau und Biberach. Dort waren im Juli 1 777 (plus 276 zum Vormonat) erwerbsfähige Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit gemeldet. Davon waren 1 059 Menschen (plus 120 zum Vor-monat) arbeitsuchend und 634 (minus 6 zum Vormonat) arbeitslos. „Nach erfolgreichem Übergang in die Jobcenter, besuchen Geflüchtete aus der Ukraine in der Regel zunächst einen Sprachkurs. Während dieser Zeit gelten sie als arbeitsuchend“, erklärt die Geschäftsführerin. 84 Personen konnten persönlich noch keinen Termin wahrnehmen.

Ausbildungsmarkt
Am regionalen Ausbildungsmarkt ist die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe weiter hoch. Im Juli waren noch 1 776 Ausbildungsstellen unbesetzt, das waren 28,2 Prozent oder 391 Lehrstellen mehr als zur selben Zeit im Vorjahr. „Die duale Ausbildung ist ein wichtiger Hebel der Fachkräftesicherung und bietet eine hervorragende Grundlage für den Einstieg in die berufliche Karriere“, sagt Schwab und fügt an: „Und selten waren die Aussichten auf eine betriebliche Ausbildung besser als jetzt.“ Für eine entspannte Ferienzeit empfiehlt die Geschäftsführerin, den Ausbildungsvertrag schnellstmöglich unter Dach und Fach zu bringen.

Stellenmarkt
Die Zahl aller gemeldeten offenen Arbeitsstellen stieg im Juli auf 6 076 Arbeitsangebote an. Das waren 190 Stellen oder 3,2 Prozent mehr als im Juni und 876 oder 16,8 Prozent mehr als im Juli vor einem Jahr. Die meisten offenen Stellen gab es neben den Personaldienstleistungen im Verarbeitenden Gewerbe, im Bereich freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen, im Handel und im Gesundheits- und Sozialwesen. Auch im Bau- und im Gastgewerbe waren viele Stellen vakant. „Sollten für eine Einstellung erforderliche Qualifikationen fehlen, dann vor Absage unbedingt bei der Arbeitsagentur anfragen“, empfiehlt Nicole Schwab. „In Punkto Qualifizierung und Weiterbildung können wir sowohl beratend wie auch finanziell unterstützen. Das gilt für Arbeitslose und für Beschäftigte.“
Regionale Arbeitgeber meldeten 1 351 Stellenangebote neu und somit 64 oder 4,5 Prozent weniger als im Juni. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 342 oder 20,2 Prozent weniger Stellenzugänge. Mehr Stellen als im Vormonat meldeten vor allem die Personaldienstleistungen, Öffentliche Verwaltungen und der Bereich sonstiger Dienstleistungen.

Kurzarbeit
Für den Juli liegen vorläufige Daten bis zum 25. des Monats vor. Demnach zeigten in diesem Zeitraum 20 Betriebe für bis zu 212 Beschäftigte Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit Ulm an. Im Juni waren es Anzeigen von 18 Betrieben für bis zu 376 Beschäftigte. Während bei Neu-Anzeigen vermehrt Lieferengpässe und Materialknappheit als Grund angegeben werden, begründeten Betriebe Verlängerungsanzeigen zumeist mit Aus- und Nachwirkungen der Pandemie.
Für den Monat Januar liegen nunmehr finale Zahlen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit vor. Im Ulmer Agenturbezirk rechneten 570 Betriebe für 4 471 Beschäftigte Kurzarbeitergeld ab. Hinsichtlich der Anzahl an Personen, für die Kurzarbeit abgerechnet wurde, sind für den November folgende Branchen besonders hervorzuheben: Das Gastgewerbe (989 Beschäftigte, 170 Betriebe); die Metall- und Elektroindustrie (935 Beschäftigte, 35 Betriebe); der Handel (717 Beschäftigte, 100 Be-triebe) und der Bereich sonstige Dienstleistungen und private Haushalte (381 Beschäftigte, 62 Betriebe).

Der Agenturbezirk im Landesvergleich

Die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Ulm nahm um 1,8 Prozent zu. So stieg die Arbeitslosenquote zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 Pro-zent. Unter den Agenturbezirken in Baden-Württemberg war Ulm erneut der Bezirk mit der niedrigsten Quote im Land. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 2,8 Prozent. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg lag mit 3,6 Prozent 0,1 Prozentpunkte über dem Vormonatswert. Zum Vorjahr waren es 0,2 Prozentpunkte weniger. Die Arbeitslosigkeit im Land nahm um 3,6 Prozent zu.

Zu den Kreisen im Agenturbezirk
Biberach. Im Landkreis Biberach stieg die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent. Im Jahr zuvor lag die Quote bei 2,4 Prozent. Mit 2 421 Frauen und Männern waren 125 oder 5,4 Prozent mehr Menschen arbeitslos als vor vier Wochen. Die Agentur für Arbeit in Biberach betreute 1 405 Menschen (plus 90), das Jobcenter des Landkreises Biberach betreute 1 016 Frauen und Männer (plus 35).

Alb-Donau-Kreis. 2 635 Menschen waren im Landkreis Alb-Donau arbeitslos und über die Agentur für Arbeit (1 445, plus 48) oder das Jobcenter (1 190, plus 24) auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Das waren 72 Menschen oder 2,8 Prozent mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent. Vor einem Jahr lag die Quote bei 2,6 Prozent.

Ulm. Im Stadtgebiet Ulm waren 2 563 arbeitslose Menschen über die Arbeitsagentur (1 044, plus 23) und das Jobcenter (1 519, minus 86) auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle. Die Arbeitslosigkeit nahm zum Vormonat um 63 Personen oder um 2,4 Prozent ab. Entsprechend sank die Arbeitslosenquote auf 3,5 Prozent, 0,1 Prozentpunkte weniger als im Juni und 0,3 Prozentpunkte weniger als im letzten Jahr.