28.10.2021 | Presseinfo Nr. 49

Ausbildungsmarkt erholt sich langsam von der Pandemie

  • Mehr Ausbildungsverträge als im Vorjahr – aber noch unter Vor-Corona-Niveau
  • Sinkende Bewerberzahlen und steigende Ausbildungsstellen
  • Noch gute Chancen für Ausbildungssuchende

Im zurückliegenden Ausbildungsjahr wurden im Oldenburger Münsterland wieder mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Nach dem Vorjahr mit erheblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf vielen Branchen und Unternehmen, hat sich der Ausbildungsmarkt zum Teil wieder erholt. Die Nachfrage der Betriebe nach passendem Nachwuchs stieg an. Die Zahl der Ausbildungsbewerber sank jedoch weiter.

Trotz gestiegener Ausbildungsverträge ist das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht. Die Aussichten sind jedoch gut. „Der Fachkräftebedarf ist und bleibt hoch im Oldenburger Münsterland. Die duale Berufsausbildung ist ein stabiles Fundament für einen guten Start in das Berufsleben. Sie ermöglicht den Einstieg in die Praxis und bietet in unserer Region die Chance auf eine sichere Beschäftigung nach dem Abschluss. Danach bieten sich viele Aufstiegsmöglichkeiten, von der fachlichen Weiterbildung bis hin zum Studium“, ist das gemeinsame Resümee zum zurückliegenden Ausbildungsjahr von Tina Heliosch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Vechta, Ludger Wester, stellvertretender Leiter Bildung der Oldenburgischen IHK, Dennis Makselon, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg und Sandra Sommer, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vechta.


Agentur für Arbeit Vechta

Weniger Ausbildungssuchende und mehr Ausbildungsstellen

Im vergangenen Berichtsjahr, welches von Anfang Oktober 2020 bis Ende September 2021 reichte, meldeten die Betriebe dem gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und der Jobcenter 3.249 Ausbildungsstellen zur Vermittlung. Das waren 64 bzw. 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr, allerdings 217 bzw. 6,3 Prozent weniger als 2019. Im gleichen Zeitraum suchten 1.910 Bewerber/innen mit Hilfe der Berufsberatung einen Ausbildungsplatz, 230 bzw. 10,7 Prozent weniger als im Vorjahr und 585 bzw. 23,4 Prozent weniger als 2019.

„Während die Betriebe wieder verstärkt nach Nachwuchs suchen, wirkte sich in 2021 die Corona-Pandemie bremsend auf die Berufsorientierung und Ausbildungssuche junger Menschen aus“, sagt Tina Heliosch, Leiterin der Agentur für Arbeit Vechta.

Zum Abschluss des Ausbildungsjahres am 30. September 2021 waren noch 320 Ausbildungsstellen unbesetzt und 49 Bewerber/innen unversorgt, 39 Ausbildungsstellen und 25 Bewerber/innen weniger als im Vorjahr. In 2019 blieben 170 Ausbildungsstellen unbesetzt und 24 Suchende unversorgt.

„Der Trend der sinkenden Ausbildungsbewerberzahlen in der Region setzt sich fort. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war es für Unternehmen und Ausbildungsplatzsuchende noch herausfordernder zueinander zu finden. Schließlich waren Praktika in den Betrieben und Berufsorientierung in den Schulen nur sehr eingeschränkt möglich“, erläutert Tina Heliosch, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Vechta.

Diese Einschränkungen sind jetzt vorbei. Daher sieht die Agentur-Chefin auch jetzt noch Chancen für aktuell Ausbildungssuchende: „Viele Unternehmen sind noch auf der Suche. Es lohnt sich also auch jetzt noch bei den Betrieben und bei der Berufsberatung nachzufragen. Und wenn es in diesem Jahr nicht mehr mit dem gewünschten Ausbildungsplatz klappt, dann vielleicht im nächsten Jahr.“


Oldenburgische IHK

Positive Entwicklung – aber noch unter Vor-Corona-Niveau

Der Ausbildungsmarkt hat sich im Bereich der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) zwar positiv entwickelt, ist aber noch weit entfernt vom Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019. Die IHK hat bis Ende September dieses Jahres 3846 neue Ausbildungsverträge registriert. Im Vergleich zu September 2019 sind das 448 Verträge (oder 10,4 Prozent) weniger.

Immerhin:  Zu 2020 ergibt sich ein Plus von 1,4 Prozent. Bei den gewerblich-technischen Berufen registrierte die IHK einen Rückgang von 3,7 Prozent, bei den kaufmännischen ein Plus von 4,1 Prozent. Die Branchen haben sich dabei sehr unterschiedlich entwickelt: Handel (plus 3,7 Prozent), Gastronomie (plus 5,6 Prozent) und Elektrotechnik (plus 3,3 Prozent) legten zu; bei den Metallberufen (minus 6,8 Prozent) und beim Beruf Industriekaufmann/frau (minus 4,2 Prozent) gab es Rückgänge.

Das Oldenburger Münsterland engagiert sich nach wie vor stark in der Ausbildung. Mehr als ein Drittel der jungen Fachkräfte der IHK-Region werden dort ausgebildet. Im Vergleich zu 2020 verzeichnet die IHK im Landkreis Vechta ein Plus von 3 Prozent. Der Landkreis Cloppenburg bewegt sich auf dem Vorjahresniveau.

"Durch die fehlende Berufsorientierung und ausgefallener Praktika ist die duale Ausbildung nicht im Fokus von Eltern und Schulabgängern“, erläutert Ludger Wester, stellv. Leiter des Bereiches Bildung bei der IHK. "Die Ausbildung ist ein hervorragender Einstieg in die berufliche Karriere. Viele Unternehmen bieten den jungen Fachkräften nach der Ausbildung berufliche Weiterbildungen oder Unterstützung beim Studium an. Das Oldenburger Münsterland bietet vielseitige Karriereperspektiven, vor und nach der Ausbildung."


Kreishandwerkerschaft Cloppenburg

Starke Ausbildungsbereitschaft der Betriebe trotz Pandemie

Trotz den Folgen der Pandemie war im Handwerk stets klar: wir wollen weiter ausbilden. Diese Bemühungen spiegeln sich in den aktuellen Zahlen des Ausbildungsmarktes wieder. Die Corona-Pandemie hat nicht nur gezeigt, wie krisensicher und systemrelevant das Handwerk insbesondere auch für unsere Region ist, sondern auch, dass die Nachwuchsgewinnung elementar und von großer Bedeutung ist.

„Dass die Auswirkungen der Pandemie auch das Handwerk getroffen haben, ist nicht zu leugnen. Wir sind stolz darauf, dass für die Handwerksunternehmen des Cloppenburger Handwerks dennoch nie in Frage stand, ob die Ausbildungsbereitschaft zurückgezogen wird. Uns ist bewusst: wir brauchen junge Nachwuchskräfte“, erklärt Geschäftsführer Dennis Makselon.

Zum Stichtag 30.09.2021 kann die Kreishandwerkerschaft Cloppenburg insgesamt 542 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge verzeichnen. Dies ist ein Plus von rund zwei Prozent zum Vorjahr 2020 (530 abgeschlossene Ausbildungsverträge). Auf Kammerebene betrachtet, wurden insgesamt über 2.600 neue Lehrverträge abgeschlossen. Dies entspricht dem Vorjahrsniveau aus 2020. Zum Jahr 2019 wurde ein Minus von rund 9 Prozent verzeichnet (2862 abgeschlossene Ausbildungsverträge).

Besonders positiv in diesem Jahr fallen die Ausbildungsberufe Dachdecker, Straßenbauer, Kfz-Mechatroniker, Tischler und Fleischer auf. Einen Rückgang an neuen Ausbildungsverträgen verzeichnen aktuell die Berufe Zimmerer, Maler und Lackierer, Fahrzeuglackierer, Metallbauer, Feinwerkmechaniker und Anlagenmechaniker.

Der Bereich der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg bleibt auch in diesem Jahr der ausbildungsstärkste Landkreis im Kammerbezirk. Durch den Wandel werden heute Tradition und Innovation im modernen Handwerk vereint. Dies zeigt sich besonders in der laufenden Weiterentwicklung der Ausbildungsberufe. In diesem Jahr wurden u. a. die Elektroberufe, der Friseur- und der Malerberuf neu geordnet.

Den Ausbildungsplatzsuchenden sowie Ausbildungsbetrieben steht die Passgenaue Vermittlung der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg zur Verfügung, um den Einstieg in die berufliche Zukunft anzupacken.


Kreishandwerkerschaft Vechta

Viele Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden

„Die Anzahl der Ausbildungsverträge im Handwerk des Landkreises Vechta ist nur noch leicht unter Corona-Vorzeiten-Niveau. Die Nachfrage nach Auszubildenden im Handwerk ist jedoch weiterhin hoch. Viele der freien Ausbildungsplätze konnten nicht besetzt werden“, sagt Sandra Sommer, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vechta.

Bislang sind im Handwerk des Landkreises Vechta 319 Auszubildende zum 01.08.2021 ins 1. Lehrjahr gestartet. Im Vergleich zu den Vorjahren 2019 (307 Azubis, +3,9 Prozent) und 2020 (314 Azubis, +1,6 Prozent) gab es einen geringen Ausbildungszuwachs. Anders sah es in der Gesamtzahl der Auszubildenden über alle Lehrjahre aus. Hier gab es 2021 einen Rückgang zu den Vorjahren. Im Vergleich zu 2019 gab es ein Minus von 6 Prozent, im Vergleich zu 2020 von -2,5 Prozent. Hintergrund sind die vermehrten Ausbildungsabbrüche aufgrund der Corona-Lage.

Zum Ausbildungsstart 2021 wurden im Handwerk des Landkreises Vechta wieder fast so viele Auszubildende eingestellt wie im Jahr 2019. Die KFZ-Betriebe, die im Jahr 2020 stark vom Lockdown betroffen waren, stellen jetzt wieder vermehrt ein. Hier gibt es ein Plus von 13 Ausbildungsverträgen (+24 Prozent) im Vergleich zum Jahr 2020. Bei den Friseuren hat sich die Lage auch entspannt. Es konnte zwei Ausbildungsplätze mehr besetzt werden.

Weniger optimistisch sieht es in den Ausbildungsberufen Maler und Lackierer sowie Feinwerkmechaniker aus. Im Gegensatz zu 2020 sind im Maler- und Lackiererhandwerk acht und im Feinwerkmechaniker-Handwerk zehn Ausbildungsplätze weniger besetzt worden. Die Ausbildungsbereitschaft der verschiedenen Handwerksbetriebe im Landkreis Vechta ist da, aber es fehlt an potenziellen Bewerbungen.

Weiterhin werden in fast allen Gewerken noch Auszubildende gesucht. Ausbildungsinteressierte können sich gerne bei der Kreishandwerkerschaft Vechta melden.

(Von links): Tina Heliosch (Agentur für Arbeit Vechta), Sandra Sommer (Kreishandwerkerschaft Vechta), Ludger Wester (Oldenburgische IHK) und Dennis Makselon (Kreishandwerkerschaft Cloppenburg) zogen gemeinsam Bilanz für das Ausbildungsjahr 2020/2021.

© Agentur für Arbeit Vechta


Kontakt

Pressesprecher Frank Halbsguth