04.11.2020 | Presseinfo Nr. 47

Ausbildungsmarkt-Bilanz 2019/2020

Durch Corona verschiebt sich der Bewerbungsprozess nach hinten – noch gibt es viele Möglichkeiten am Ausbildungsmarkt

„Die Pandemie hatte auch Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt. Schulen waren zeitweise geschlossen, wir konnten nicht mehr persönlich beraten, Messen und Orientierungsveranstaltungen sind ausgefallen. Hinzu kam eine gewisse Unsicherheit bei Unternehmen, die teilweise zu Verzögerungen im Auswahlprozess geführt haben", erklärt Thomas Würdinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weiden.

Rund 1.300 Bewerber treffen auf knapp 2.300 Ausbildungsstellen

Durch den Lock down im Frühjahr hat sich der diesjährige Bewerbungsprozess am Ausbildungsmarkt um ungefähr acht Wochen nach hinten verschoben. Daher ist die diesjährige Ausbildungsbilanz erstmals auch nach dem offiziellen Ende des Ausbildungsjahres – 1. Oktober bis 30.September des Folgejahres - vorläufig.

Insgesamt wurden der Agentur für Arbeit Weiden von Oktober 2019 bis Ende September dieses Jahres 2.335 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren 74 Stellen bzw. 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Bewerber für eine Ausbildungsstelle um 75 bzw. 5,4 Prozent auf 1.302 Personen. Das Verhältnis zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern gestaltete sich noch günstiger als im Vorjahr für die Bewerber. Auf einen gemeldeten Bewerber kamen statistisch gesehen 1,79 Stellen.

Wie schon in den letzten Jahren gibt es auch im Ausbildungsjahr 2019/20 deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber, bilanziert die Agentur für Arbeit Weiden. In dem Ausbildungsjahr waren bei der Arbeitsagentur insgesamt 1.302 junge Menschen als Bewerber gemeldet. 75 weniger als im letzten Jahr.

Die IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim verzeichnet für die Nördliche Oberpfalz im Oktober 2020 einen durchschnittlichen Rückgang an neuen Ausbildungsverträgen von 11,97 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Nachholeffekte sind jedoch bereits wirksam. Im August 2020 lag der Rückgang gegenüber dem Vorjahr noch bei minus 15,92 Prozent", sagt Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung bei der IHK.

Ursächlich hierfür sind neben der Corona-Pandemie vor allem zwei Entwicklungen. Zum einen stehen dem Ausbildungsmarkt durch den demographischen Wandel weniger Jugendliche zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Zum anderen hält die Tendenz hin zur Akademisierung an. Nach wie vor entscheiden sich zunehmend mehr Jugendliche für ein Studium, anstatt einen Ausbildungsberuf zu ergreifen. „Die Ausbildungskampagne ‚Elternstolz‘ eine Gemeinschaftsaktion der bayerischen IHKs, HWKs und des Bayerischen Wirtschaftsministeriums fokussiert sich beispielsweise auf die Erziehungsberechtigten als entscheidende Ratgeber, wenn es um die Berufswahl geht. Darüber sollen mehr Schulabgänger für eine berufliche Ausbildung begeistert werden", betont Kohl.

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bei der Handwerkskammer wider. So wurden bis Ende September von den Handwerksbetrieben in der Nordoberpfalz 535 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – dies entspricht einem Rückgang von 5,48 Prozent. Die Ausbildungsbereitschaft der Handwerksbetriebe war ungebrochen hoch, viele freie Stellen konnten nicht besetzt werden. „Für das nächste Ausbildungsjahr ist es ganz entscheidend, dass der beruflichen Orientierung der Schulabgänger höchste Priorität eingeräumt wird. Das Handwerk bietet hervorragend Perspektiven und qualifizierte Fachkräfte werden nach wie vor dringend benötigt", meint Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz.

Nicht alle Jugendlichen, die als Bewerber bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind, haben mittlerweile einen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Ein Teil der Jugendlichen hat sich für einen alternativen beruflichen Weg entschieden. Teils wiederholten Jugendliche, die als Bewerber für den diesjährigen Ausbildungsbeginn gemeldet waren, die letzte Jahrgangsstufe, um im nächsten Jahr mit besseren Noten eine Ausbildung anzutreten oder sie besuchen eine weiterführende Schule.

Um den Fachkräfteengpässen in vielen Branchen zu begegnen und vorausschauend das eigene Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, zeigten die Unternehmen ein großes Engagement bei der Personalgewinnung.

Das bestätigt auch Kohl von der IHK: „Die Ausbildungsbetriebe in der Region geben trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen ihr Bestes, um die Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte sicherzustellen. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den eigenen Reihen sind das beste Mittel gegen den anhaltenden Fachkräftemangel."

Das Angebot an gemeldeten Stellen ist erneut gewachsen, wenn auch nur geringfügig um 74 Stellen. Die aus Bewerbersicht verbesserte Situation am Ausbildungsmarkt sowie der Einsatz von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sorgten dafür, dass mit zwölf als unversorgt geltenden Jugendlichen für nahezu alle Bewerber ein passendes Angebot gefunden werden konnte.

Durch die Verschiebung im Frühjahr geht der Ausbildungsmarkt in die Verlängerung. „Die Kammern tragen Ausbildungsverhältnisse noch bis in den Januar nächsten Jahres ein und wir haben noch jede Menge freie Stellen, es gibt also noch viele Möglichkeiten für beide Seiten. Ich möchte an die jungen Menschen appellieren, diese Chancen zu nutzen. Unsere Berufsberatung hilft bei der Orientierung und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, mittlerweile auch über Videokommunikationen. Darüber hinaus haben wir eine direkte Hotline zur Berufsberatung der Agentur für Arbeit Weiden unter der 0961/409-2530 eingerichtet, so dass Anrufe direkt bei den zuständigen Beratern/innen ankommen.", so Würdinger.

Zahlreiche Jugendliche nahmen Angebote der Agentur für Arbeit an

Den Jugendlichen, die aus individuellen Gründen keinen Ausbildungsvertrag abschließen konnten, bietet die Agentur für Arbeit verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an. 128 Jugendliche können ab Herbst in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) eintreten. Die Maßnahme enthält Praktikumsphasen und zielt darauf ab, Jugendlichen möglichst noch in diesem Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ein Großteil der Jugendlichen nach oder bereits während dieses Lehrgangs den erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben schafft.

Für besonders benachteiligte Jugendliche besteht die Möglichkeit der Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE). Hier können insgesamt fünfzehn Jugendliche eine von der Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung antreten. Ziel ist die Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis nach dem ersten Ausbildungsjahr.

Ebenfalls steht eine Einstiegsqualifizierung auch im kommenden Jahr zur Verfügung. Im vergangenen Jahr nahmen 36 junge Menschen an einer Einstiegsqualifizierung teil. Die Betriebe vermitteln im Rahmen eines Langzeitpraktikums vorwiegend praktische Kenntnisse, sodass in der Regel im Folgejahr die Aufnahme einer Ausbildung möglich ist.

Unterstützungsangebote enden nicht mit dem Beginn der Ausbildung

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) stellen eine effektive Unterstützung dar, wenn das Erreichen des Ausbildungsziels gefährdet ist oder Probleme auftreten. Die Agentur für Arbeit organisiert bei Bedarf für die Teilnehmer kostenlose Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis. Flankierend kann zudem eine sozialpädagogische Betreuung in Anspruch genommen werden. Die Arbeitsagentur stellt 284 Plätze für abH-Maßnahmen zur Verfügung.

Durch die abH-Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass Jugendliche ihre Ausbildung nicht aufgrund von Problemen abbrechen, die mit Hilfe überwunden werden können. Die Präventionsstrategie hat sich bewährt und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Agentur für Arbeit Weiden. Rund 80 bis 90 Prozent der geförderten Jugendlichen schaffen erfahrungsgemäß die Abschlussprüfung und werden später zu gefragten Fachkräften.

Das Instrument Assistierte Ausbildung (AsA), steht im Agenturbezirk Weiden für zwölf Jugendliche zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Auszubildende, die während ihrer Lehrzeit auf besonders große Herausforderungen treffen und bei denen die ausbildungsbegleitenden Hilfen nicht ausreichen, um einen Abschluss der Ausbildung zu ermöglichen. Darüber hinaus stehen 70 Teilnehmerplätze bei den Berufseinstiegsbegleitern (BerEB) zur Verfügung, die die Jugendlichen auf dem Weg zum erfolgreichen Schulabschluß bis hinein in die Ausbildung unterstützen.