29.07.2022 | Presseinfo Nr. 35

Der Arbeitsmarkt im Bezirk der Agentur für Arbeit Tirschenreuth im Juli 2022

Stabiler Arbeitsmarkt in der Region Tirschenreuth trotz Weltkrisen

Ansteigende Covid-Erkrankungen, anhaltende Lieferengpässe, Krieg in Osteuropa, steigende Preise und dazu auch noch heiße Temperaturen. Im Landkreis Tirschenreuth präsentiert sich der Arbeitsmarkt weiterhin unbeeindruckt und in guter Verfassung. Die Arbeitslosenquote lag im Juli unverändert bei 3,6 Prozent. So waren insgesamt 1.450 Männer und Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen, 292 Personen mehr als vor einem Jahr. Ungebrochen hoch war die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen in der Region.

Der Leiter der Agentur für Arbeit Tirschenreuth, Thomas Franz, zieht ein positives Fazit zu den aktuellen Zahlen: „Die anhaltend starke Konjunktur bewirkt weiterhin eine hohe Arbeitskräftenachfrage. Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen liegt mit 1.090 Stellen über dem Niveau des Vorjahresmonats. Allein im Monat Juli wurden 132 neue Arbeitsstellen gemeldet. Dies spiegelt sich auch in der hohen Zahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen wider (27.855 im Dezember 2021).

Er zieht ein positives Fazit zu den aktuellen Zahlen:

„Der aus der Überführung der ukrainischen Geflüchteten in die Grundsicherung resultierende statistische Effekt eines Anstiegs der Arbeitslosigkeit ist jetzt sichtbar geworden. Zudem melden sich wie jedes Jahr besonders viele Jugendliche im Juli arbeitslos, weil sie nach der Ausbildung nicht übernommen werden, daher ist die Anzahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat leicht angestiegen. Ich erwarte aber, dass sich die meisten dieser Jugendlichen in den nächsten Wochen, spätestens im September wegen Arbeitsaufnahme oder einem weiteren Schulbesuch bzw. Studium abmelden.“

Im Landkreis Tirschenreuth waren insgesamt 1.450 Männer und Frauen von Arbeitslosigkeit betroffen, 292 Personen mehr als vor einem Jahr und lediglich 39 mehr als im Juni 2022. 690 Männer und 760 Frauen sind arbeitslos gemeldet.

Ein Blick auf die Personengruppen zeigt, dass 155 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos waren. Bei den älteren Arbeitnehmern über 55 Jahre zählte die Arbeitsagentur 492 von Arbeitslosigkeit betroffene Personen.

Die Zahl der ausländischen Erwerbslosen betrug 535, was ein deutlicher Anstieg zum Vorjahresmonat von 384 Personen war. Seit Juni können ukrainische Geflüchtete Grundsicherungsleistungen („Hartz 4“) bei den Jobcentern beantragen. Für den Agenturbezirk Tirschenreuth berichtet Thomas Franz, Leiter der Agentur für Arbeit Tirschenreuth: „Betrachtet man die Arbeitslosenversicherung und die Grundsicherung („Hartz 4“) getrennt, ergibt sich ein Absinken der gemeldeten Arbeitslosen um 79  Personen oder 12,6 Prozent im SGBIII. In der Grundsicherung dagegen gibt es einen deutlichen Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 371 Personen oder 69,6 Prozent.“

Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten im Monat Juli 74 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, der Zugang aus Erwerbstätigkeit lag bei 93 Personen.

Blick auf die Rechtskreise

Seit Einführung der Hartz-IV-Reformen werden arbeitslose Menschen mit Anspruch an die Arbeitslosenversicherung von der Agentur für Arbeit und hilfebedürftige Arbeitslose von den Jobcentern betreut. 546 Personen sind bei der Agentur für Arbeit Tirschenreuth erwerblos gemeldet. Das Jobcenter Tirschenreuth unterstützt im Juli 904 arbeitslose Männer und Frauen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bestand an arbeitslos gemeldeten Menschen im Bereich SGBII um fast 70 Prozent.

Personalnachfrage auf Rekordniveau

Mittlerweile branchenübergreifend ist der bestehende Fachkräfteengpass spürbar. Von den seit Jahresbeginn gemeldeten Arbeitsstellen (1.021) sind allein im Monat Juli 132 neu von den Arbeitgebern gemeldet worden. Damit sind freie Stellen zusehends schwieriger zu besetzen. „Der Fachkräftemangel ist sichtbarer denn je. Die Arbeitgeber müssen verstärkt alternative Wege gehen, ihre Lücken zu schließen und für uns als Arbeitsverwaltung gilt es, alle Arbeitskräftepotenziale wie Berufsrückkehrer aus Erziehungs- oder Pflegezeiten, benachteiligte Jugendliche, ausländisches Potenzial usw. zu erschließen.“, so Franz weiter. Die Unternehmen in der Region bieten Arbeitsplätze vor allem in Produktions- und Fertigungsberufen (509 Stellen) und in der Branche Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (172 Stellen) an. Gefragt ist auch der Bereich Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (117 Stellen).

Endspurt am Ausbildungsstellenmarkt

Gute Chancen auf dem Ausbildungsstellenmarkt bieten sich derzeit den 57 noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern. Im Juli sind 336 Lehrstellen unbesetzt. „Mit einer soliden Ausbildung ist man bestens gewappnet, um den wachsenden Anforderungen am Arbeitsmarkt gerecht zu werden. Neue Technologien, die zunehmende Digitalisierung, aber auch die demografische Entwicklung beeinflussen gravierend die Situation am Arbeitsmarkt“, so Franz. „Mit verschiedensten Informationsangeboten bieten wir jungen Menschen einen Einblick und bereiten sie gezielt auf den Start in das Berufsleben vor. Jugendliche, die noch unentschlossen sind, wie es nach der Schule weitergeht, sollten das Beratungsangebot der Berufsberatung nutzen. Für ein individuelles Beratungsgespräch können unter der kostenfreien Rufnummer 0 800 4 5555 00 Termine bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur vereinbart werden.“

Kindergeldanspruch bis zum Beginn der Ausbildung oder Studium

Bei der Familienkasse sollten sich Eltern nur dann melden, wenn ihr Kind die Schule beendet und sich der Beginn der Ausbildung oder des Studiums über den September bzw. Oktober hinaus verzögert. „In einer Übergangszeit von vier Monaten zwischen Schulabschluss und Ausbildungs- bzw. Studienbeginn wird Kindergeld weitergezahlt. Eine Arbeitslosmeldung für die Zwischenzeit ist nicht erforderlich!“, so Geschäftsstellenleiter Franz. Offene Fragen können unter der gebührenfreien Servicenummer 0800 4 5555 30 mit der Familienkasse geklärt werden.

Entgelte Tirschenreuth

Das Bruttomonatsentgelt von Beschäftigten (Median) ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen und lag 2021 in Tirschenreuth bei 3.181 Euro. Das geht aus einer Auswertung der neuen Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit hervor. In die Entgeltstatistik fließen die Bruttolöhne der Vollzeit-Beschäftigten ein. Teilzeit-Beschäftigte und Selbstständige sind nicht enthalten. Die Auswertung beruht auf dem Median, nicht auf dem Durchschnitt. Für die Region gilt, Akademiker verdienen mehr als Arbeitnehmer mit betrieblicher Ausbildung und Arbeitnehmer ohne Ausbildung: 5.080 Euro für Akademiker, 3.213 Euro bei betrieblicher Ausbildung, 2.534 Euro für Ungelernte. Mit dem Alter steigt das mittlere Bruttoentgelt, bei von unter 25jährigen von 2.717 Euro über 3.232 Euro bei den 25 bis 55jährigen bis auf 3.353 Euro bei den 55 bis 65jährigen.

Weitere Infos zu den Entgelten in einzelnen Berufen liefert der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit unter https://entgeltatlas.arbeitsagentur.de.