29.10.2020 | Presseinfo Nr. 50

Ausbildungsmarkt 2019/2020

„Das Berufsberatungsjahr 2019/2020 war kein einfaches – weder für Schülerinnen und Schüler, noch für Eltern, Lehrer oder unsere Beraterinnen und Berater. Der Ausbruch der Pandemie im März 2020 sorgte für ein außergewöhnliches Jahr in der Berufsberatung“, so Dr. Petra Bratzke, Chefin der Weißenfelser Arbeitsagentur.
 
„Im Berichtsjahr 2019/2020 waren 539 Jugendliche am Beratungsangebot der Berufsberatung und somit an einer beruflichen Ausbildung interessiert (347 Männer und 192 Frauen). Das sind fast 30 Prozent weniger als im Berufsberatungsjahr 2018/2019. Die Zahl spiegelt einerseits die geringere Zahl an Schulabgängern wieder, andererseits aber auch die eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten zu Jugendlichen durch die Berufsberatung mit Blick auf die Pandemie“, so Dr. Petra Bratzke ergänzend.

Der Anteil der Bewerber unter 20 Jahre ist im aktuellen Berichtsjahr auf 80 Prozent gestiegen. Im Berichtsjahr zuvor, also 2017/2018 waren es 77 Prozent. Ein positives Zeichen, dass sich gerade unter 20-Jährige frühzeitig für eine Berufsausbildung entscheiden.

Von den 539 bei der Berufsberatung gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern haben 132 bzw. 24,5 Prozent einen Hauptschulabschluss und 298 bzw. 55,3 Prozent einen Realschulabschluss und damit beste Voraussetzungen für das duale Ausbildungssystem. 75 der 539 Bewerberinnen bzw. Bewerber verfügen über Fachhochschul- oder Hochschulreife. Mit Blick auf das vorherige Berichtsjahr ist der Anteil der Haupt- und Realschüler gestiegen (aktuell 79,78 Prozent, im Vorjahr 78,39 Prozent) was den Umkehrschluss zulässt, dass mit einem (Fach-)Abitur das Interesse an dualer Ausbildung gegenüber einem Studium weiterhin sinkt.

Die Zahl der ausländischen Bewerber ist gesunken. Im Berichtsjahr 2019/2020 waren 28 Bewerberinnen und Bewerber Ausländer. Im letzten Berichtsjahr hatten 33 in der Berufsberatung gemeldete Jugendliche eine Behinderung.


„Von den 539 Jugendlichen konnten bis auf vier junge Frauen und acht Männer alle versorgt werden. Mit diesen zwölf Jugendlichen werden wir nun besonders eng in Verbindung stehen und alternative Angebote unterbreiten – keiner fällt durch unsere Hände“, so Dr. Bratzke.

Der Ausbildungsvertrag ist nicht bei jedem der 539 Bewerber das Ziel. Die Berufsorientierung zeigt eine Reihe an möglichen Alternativen auf. So entschlossen sich 15 Jungen und Mädchen für gemeinnützige oder soziale Dienste. 60,3 Prozent nehmen eine Berufsausbildung auf bzw. 2,6 Prozent davon eine Erwerbstätigkeit.


Und was wollen Jugendliche werden?

Die positiven Entwicklungen des Arbeitsmarktes haben auch Einfluss auf die Berufswünsche der Nachwuchskräfte. Erkennbar wird dies bei der Betrachtung der TOP 10 Ausbildungsberufe der 539 Bewerber um eine Ausbildungsstelle:

  • Kaufmann/-frau - Büromanagement 37
  • Kraftfahrzeugmechatroniker/in – PKW-Technik 29
  • Verkäufer/in 29
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel 25
  • Fachlagerist/in 24
  • Verwaltungsfachangestellte/r.- Kommunalverwaltung 21
  • Industriemechaniker/in 20
  • Tischler/in 12
  • Koch/Köchin 12
  • Zerspanungsmechaniker/in 10

Bei den Wünschen der jungen Männer lagen dabei der Kraftfahrzeugmechatroniker –
PKW-Technik gefolgt vom Fachlagerist und Industriemechaniker an erster Stelle. Bei den jungen Frauen waren es auch im letzten Berichtsjahr die Kauffrau – Büromanagement, gefolgt von der Verkäuferin und der Kauffrau im Einzelhandel.


144 Berufsausbildungsstellen ohne Nachwuchskraft

Die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen seit Anfang des Berichtsjahres im September 2019 waren kaum rückläufig. Ein positives Zeichen seitens der Unternehmen, denn Nachwuchskräfte sind gefragt, nicht nur aufgrund des Fachkräftebedarfs, sondern auch, um Traditionen in Unternehmen fortzusetzen.

Im Berichtsjahr 2018/2019 meldeten die regionalen Unternehmen 888 Berufsausbildungsstellen, 0,7 Prozent weniger als im Berichtsjahr davor. Rechnerisch standen also jedem Jugendlichen 1,65 Berufsausbildungsstellen zur Verfügung – ein bewerberfreundlicher Trend, welcher trotzdem so manchen Unternehmen Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist doch damit auch das Buhlen um die Bewerber noch wichtiger geworden.

Dr. Bratzke dazu: „Die Unternehmen sind kompromissbereiter geworden, auch mit dem Hintergrund, dass man sich heutzutage die Bewerber zweimal anschaut und dann erst entscheidet.“


Die meisten Berufsausbildungsstellen meldeten Unternehmen für folgende Berufe (TOP 5):
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel 53
  • Verkäufer/in 44
  • Industriemechaniker/in 37
  • Kaufmann/-frau - Büromanagement 36
  • Fachkraft - Lebensmitteltechnik 34

Für folgende Berufe sind die noch am meisten freien Stellen zu verzeichnen:
  • Fachkraft - Lebensmitteltechnik 16
  • Fachkraft - Lagerlogistik 1
  • Fleischer/in 9
  • Maschinen- und Anlagenführer/in (ohne Angaben des Schwerpunktes) 7
  • Hotelfachmann/-frau 7