05.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Arbeitsmarkt 2020 in den Kreisen Wesel und Kleve unter Einfluss der Pandemie

• Arbeitslosigkeit höher als im Vorjahr
• Kurzarbeit entlastete den Arbeitsmarkt und hielt Arbeitnehmer in Beschäftigung
• Deutlich weniger Stellenmeldungen
• Thema Fachkräftebedarf bleibt aktuell
• Vorsichtig optimistische Aussichten für den Arbeitsmarkt 2021

Im Arbeitsagenturbezirk Wesel, der die Kreise Wesel und Kleve umfasst, lag die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2020 bei 25.244 Personen. Das sind 2.142 Personen oder 9,3 Prozent mehr als 2019. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 6,1 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des Vorjahres.

„Die Corona-Virus-Pandemie hat den Arbeitsmarkt in den Kreisen Wesel und Kleve 2020 stark unter Druck gesetzt. Mit den wirtschaftlichen Einschränkungen kam es im Frühjahr zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Als tragfähig und unverzichtbar hat sich die Kurzarbeit erwiesen, die allein im April gut 35.000 Arbeitsplätze im Agenturbezirk gesichert hat. So konnten die Arbeitgeber Fachkräfte im Unternehmen halten. Zusammen mit den Nothilfen für die Unternehmen hat dies dazu beigetragen, einen noch stärkeren Einbruch am Arbeitsmarkt zu verhindern. So lag die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt jetzt höher als 2018 bis 2019, aber niedriger als in den Jahren zuvor. Stark nachgelassen hat allerdings die Nachfrage nach Arbeitskräften. Insgesamt wurden uns gut ein Drittel weniger Stellen gemeldet als im letzten Jahr. In den letzten Monaten hat sich diese Situation in kleinen Schritten verbessert, aber bis zum Niveau des Vorjahres wird es noch dauern. Zwar bietet der Arbeitsmarkt auch in der Krise Chancen, aber für Arbeitsuchende ist es momentan nicht einfach. Wir unterstützen durch Beratung auf verschiedenen Wegen, unter anderem per Video, durch Vermittlungsvorschläge und natürlich Weiterbildungsangebote“, so Barbara Ossyra, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wesel. Sie betont: „In den zurückliegenden Monaten war die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Partnern am Arbeitsmarkt sehr hilfreich, um den Herausforderungen gemeinsam zu begegnen. Dafür möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken.“

Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote war stark rückläufig. Von Januar bis Dezember wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Wesel und des Jobcenters Kreis Wesel 12.022 Stellen gemeldet. Das sind 6.689 Stellen oder 35,7 Prozent weniger als 2019. Der durchschnittliche Stellenbestand lag bei 6.109 Stellen und damit um 2.336 Stellen oder 27,7 Prozent niedriger als 2019.

Die Kurzarbeit als wichtigstes Instrument zur Beschäftigungssicherung wurde stark in Anspruch genommen. In der Spitze haben im April 35.171 Menschen in 4.852 Betrieben verkürzt gearbeitet. Damit war fast jeder 7. Beschäftigte in den Kreisen Wesel und Kleve von Kurzarbeit betroffen. In den folgenden Monaten ging die realisierte Kurzarbeit zurück. Aktuellen Hochrechnungen zufolge haben im Agenturbezirk im August 14.398 Personen und 2.083 Betriebe verkürzt gearbeitet, während es im Juli 17.600 Personen und 2.395 Betriebe waren).

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus ab März wurde der Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gebremst, aber nicht gestoppt. Zum Stichtag 30.06.2020 (aktuell verfügbare Daten) waren in den Kreisen Wesel und Kleve insgesamt 243.231 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 2.268 Personen oder 0,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Ausblick: „Für 2021 besteht grundsätzlich die Aussicht, dass die Konjunktur wieder anzieht und der Arbeitsmarkt sich weiter erholt. Mit den begonnenen Impfungen besteht darüber hinaus die Hoffnung, dass das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben bei aller Vorsicht schrittweise wieder in Gang kommt. Ein Thema, das uns bereits vor der Pandemie beschäftigt hat, wird auch in Zukunft aktuell bleiben: Weiterbildung ist aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken. Zum einen hat sich gezeigt, dass Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss besonders von den Entlassungen im Zuge der Pandemie betroffen waren. Darüber hinaus wurde die Digitalisierung am Arbeitsmarkt in den vergangenen Monaten beschleunigt. Hier müssen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Laufenden bleiben. Wir setzen daher künftig stärker auf die Berufsberatung im Erwerbsleben und unterstützen als Lotse bei der beruflichen Weiterentwicklung. Ebenso sollten Unternehmen ihre Beschäftigten kontinuierlich fortbilden. Qualifizierung ist übrigens auch während der Kurzarbeit möglich. Das Thema Fachkräftebedarf bleibt aktuell, daher sollte man jetzt schon an die Zeit nach der Pandemie denken“, so die Agenturleiterin.

Der Arbeitsmarkt im Kreis Wesel im Jahr 2020

Im Kreis Wesel waren im Jahresdurchschnitt 16.099 Personen gemeldet. Das sind 1.588 Personen oder 10,9 Prozent mehr als 2019. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 6,6 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des Vorjahres.

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III, Agentur für Arbeit) waren im Jahresdurchschnitt 5.591 Personen gemeldet, 1.254 oder 28,9 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Grundsicherung (SGB II, Jobcenter Kreis Wesel) waren im Jahresdurchschnitt 10.508 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 334 Personen oder 3,3 Prozent mehr als 2019.

Der Arbeitsmarkt ist durch kontinuierliche Bewegung gekennzeichnet. Insgesamt 32.162 Personen meldeten sich bei der Agentur für Arbeit Wesel und dem Jobcenter Kreis Wesel im Jahresverlauf arbeitslos. Davon kamen 11.816 aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 538 Personen oder 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug meldeten sich von Januar bis Dezember 30.089 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, davon 8.989 Personen in eine Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Dies waren 378 Personen oder 4,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gegenüber dem Vorjahr gab es deutlich weniger Stellenangebote. Von Januar bis Dezember wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Wesel und des Jobcenters Kreis Wesel 7.544 Stellen neu gemeldet. Das sind 5.269 Stellen oder 41,1 Prozent weniger als 2019. Die meisten Stellen wurden im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, im Dienstleistungsbereich, im Verarbeitenden Gewerbe sowie in der Arbeitnehmerüberlassung gemeldet. 4.722 Stellen (Anteil 63%) richteten sich an Fachkräfte, 1.682 Stellen an Helfer (22%), 536 Stellen an Spezialisten (7%) und 604 (8%) an Experten. Der durchschnittliche monatliche Stellenbestand lag bei 3.278 Stellen und damit um 1.929 Stellen oder 37,0 Prozent niedriger als 2019.

Kurzarbeit zur Beschäftigungssicherung wurde im Kreis Wesel stark genutzt. In der Spitze haben im April 20.187 Menschen in 2.887 Betrieben verkürzt gearbeitet. Damit war knapp jeder 7. Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. In den folgenden Monaten ging die realisierte Kurzarbeit aktuellen Hochrechnungen zufolge zurück. So haben im Kreis Wesel im Juli 10.275 Personen und 1.464 Betriebe verkürzt gearbeitet, während es im Juni 12.313 Personen und 1.786 Betriebe waren).

Ende Juni 2020 waren im Kreis Wesel 139.330 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1.070 Personen oder 0,8 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Barbara Ossyra zur Entwicklung im Kreis Wesel: „Die Auswirkungen der Pandemie waren am Arbeitsmarkt im Kreis Wesel nicht zu übersehen. Die durchschnittliche Arbeitslosigkeit liegt über dem Niveau der letzten beiden Jahre, ist aber von den hohen Werten früherer Jahre entfernt. Besonders schwierig war die Situation im Handel, darunter auch im Handel mit Kfz, im Gastgewerbe, in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Dienstleistungssektor. Entsprechend niedrig war der Bedarf an neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, was an den rückläufigen Stellenmeldungen ablesbar war. Dennoch konnten 2020 insgesamt rund 9.000 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden und eine Tätigkeit am 1. Arbeitsmarkt aufnehmen.“

Der Arbeitsmarkt im Kreis Kleve im Jahr 2020

Im Kreis Kleve waren im Jahresdurchschnitt 9.145 Personen gemeldet. Das sind 554 Personen oder 6,4 Prozent mehr als 2019. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 5,5 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt des Vorjahres.

In der Arbeitslosenversicherung (SGB III, Agentur für Arbeit) waren im Jahresdurchschnitt 3.922 Personen gemeldet, 898 oder 29,7 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Grundsicherung (SGB II, Jobcenter Kreis Kleve) waren im Jahresdurchschnitt 5.224 Personen arbeitslos gemeldet, das sind 344 Personen oder 6,2 Prozent weniger als 2019.

Der Arbeitsmarkt war kontinuierlich in Bewegung. Insgesamt 18.726 Personen meldeten sich bei der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Kreis Kleve im Jahresverlauf arbeitslos. Davon kamen 8.364 aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Das sind 694 Personen oder 9,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug meldeten sich von Januar bis Dezember 17.440 Personen aus der Arbeitslosigkeit ab, davon 6.323 Personen in eine Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt. Dies waren 195 Personen oder 3,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Zahl der Stellenangebote ging zurück. Von Januar bis Dezember wurden dem Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Kleve 4.478 Stellen gemeldet. Das sind 1.420 Stellen oder 24,1 Prozent weniger als 2019. Die meisten Stellen wurden im Gesundheits- und Sozialwesen, im Handel, im Verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe sowie in der Arbeitnehmerüberlassung, gemeldet. 2.748 Stellen (Anteil 62%) richteten sich an Fachkräfte, 934 Stellen an Helfer (21%), 374 Stellen an Spezialisten (8%) und 422 (9%) an Experten. Der durchschnittliche monatliche Stellenbestand lag bei 2.831 Stellen und damit um 408 Stellen oder 12,6 Prozent niedriger als 2019.

Das Instrument der Kurzarbeit wurde im Kreis Kleve stark genutzt, um Beschäftigung zu sichern. In der Spitze haben im April 14.984 Menschen in 1.965 Betrieben verkürzt gearbeitet. Damit war ungefähr jeder 7. Beschäftigte von Kurzarbeit betroffen. In den folgenden Monaten ging die realisierte Kurzarbeit aktuellen Hochrechnungen zufolge zurück. So haben im Kreis Kleve im Juli 7.325 Personen und 931 Betriebe verkürzt gearbeitet, während es im Juni 9.538 Personen und 1.203 Betriebe waren).

Weiterhin positiv entwickelte sich die Beschäftigung im Kreis Kleve. Ende Juni 2020 waren 103.901 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 1.198 Personen oder 1,2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Barbara Ossyra bilanziert: „Nach mehreren Jahren mit einer guten Entwicklung ist die Arbeitslosigkeit im Kreis Kleve 2020 gestiegen. Einen stärkeren Anstieg verhinderte die Kurzarbeit, die Unternehmen stark in Anspruch genommen haben. Besonders betroffen waren der Einzelhandel, das Verarbeitende Gewerbe, Gastronomie, Reisebüros und weitere Dienstleister. Dennoch entwickelte sich die Nachfrage nach Arbeitskräften unter dem Strich vergleichsweise positiv und wir konnten stabile Stellenmeldungen verzeichnen. Wie in den Vorjahren richteten sich die gemeldeten Stellen zumeist an Bewerber mit abgeschlossener Ausbildung. Der Bedarf an Fachkräften bestand in abgeschwächter Form auch während der Pandemie und wird danach tendenziell zunehmen. Kontinuierliche Weiterbildung von Arbeitsuchenden wie Beschäftigten wird daher unsere Aufgabe bleiben.“