03.05.2022 | Presseinfo Nr. 11

Der Arbeitsmarkt im April

„Der regionale Arbeitsmarkt hat sich auch im April trotz der durch den Ukrainekrieg ausgelösten Unsicherheiten als sehr widerstandsfähig erwiesen“, fast Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit Würzburg, die aktuelle Entwicklung zusammen. Im Berichtsmonat April waren im Agenturbezirk Würzburg, der neben der Stadt und dem Landkreis Würzburg noch die Landkreise Kitzingen und Main-Spessart umfasst, 6.310 Personen arbeitslos gemeldet. Das waren 230 weniger als im März und 2.230 weniger als vor einem Jahr (-26,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 2,1 Prozent und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte. Trotz der günstigen Entwicklung schränkt Beil jedoch auch ein: „Erstmals seit Juni 2019 können die drei Landkreise des Agenturbezirks zwar wieder Arbeitslosenquoten unter 2 Prozent vorweisen, jedoch kann sich der heimische Arbeitsmarkt nicht gänzlich der eingetrübten Stimmung entziehen und die Dynamik hat sich zuletzt etwas abgeschwächt: Die Zu- und Abgänge an arbeitslosen Personen sowie die Stellenentwicklung deuten darauf hin, dass die Betriebe zwar am vorhandenen Personal festhalten, bei Neueinstellungen im Moment aber etwas vorsichtiger agieren.“       
 

Weniger Zu- und Abgänge als vor einem Jahr  

Im April haben sich insgesamt 2.010 Personen arbeitslos gemeldet – genau zehn Prozent weniger als vor einem Jahr. Mit 2.220 haben im Gegenzug 21 Prozent weniger ihre Arbeitslosigkeit beendet als im April 2021. Von den neu Gemeldeten waren 880 zuletzt erwerbstätig. Das war ein Rückgang um 150 oder 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im gleichen Vergleichszeitraum verringerten sich die Abgänge in Erwerbstätigkeit um 350
(-27,2 Prozent) auf 950 Personen.

Unterbeschäftigung ebenfalls rückläufig

Personen, die am Erhebungsstichtag an Qualifizierungen teilnehmen oder beispielsweise kurzfristig erkrankt sind, gelten gemäß gesetzlicher Definition nicht als arbeitslos und werden daher nicht in der Arbeitslosenstatistik ausgewiesen. Diese nicht berücksichtigten Personen werden jedoch gemeinsam mit den registrierten Arbeitslosen in der Unterbeschäftigungsstatistik abgebildet. Im April waren im Agenturbezirk (ohne die Berücksichtigung von Kurzarbeit) 8.920 Frauen und Männer unterbeschäftigt. Das waren 2.240 oder 20,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Unterbeschäftigungsquote betrug 3,0 Prozent (April 2021: 3,7 Prozent). Der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung lag bei 70,8 Prozent.    

Entwicklung Kurzarbeit

Auswertungen zum Umfang der realisierten Kurzarbeit liegen bis einschließlich Dezember 2021 vor. Nach dieser Hochrechnung haben im Agenturbezirk 4.160 Beschäftigte in 670 Betrieben Kurzarbeit in Anspruch genommen. Im November waren es 3.400 Beschäftigte in 500 Betrieben. Der Anteil der Kurzarbeiter an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Kurzarbeiterquote) lag im Dezember bei 1,9 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte höher als im November. Im März 2022 sind neue 46 Anzeigen für 630 Beschäftigte eingegangen. Das waren 40 weniger als im Februar. 

Rückgang bei allen betrachteten Personengruppen

Im Vorjahresvergleich waren bei allen Personengruppen rückläufige Arbeitslosenzahlen zu beobachten. Der Bestand von Ausländern verringerte sich um 30,9 Prozent auf 1.470. Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen unter 25 Jahre sank um 27,6 Prozent auf 500, die Langzeitarbeitslosigkeit um 24,9 Prozent auf 1.630 und die der Älteren (55+) um 19,4 Prozent auf 1.920. Bei den Schwerbehinderten war ein Rückgang um 13,3 Prozent auf 710 zu beobachten.  

Nahezu jeder dritte Arbeitslose zählt zu den Älteren, jeder vierte ist seit mindestens einem Jahr ohne Beschäftigung oder hat eine ausländische Staatsangehörigkeit.     

Arbeitskräftenachfrage weiterhin hoch

Im April wurden von den Betrieben 1.240 freie Stellen gemeldet. Das waren 50 oder
3,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Stellenpool wuchs in den zurückliegenden zwölf Monaten zwar um 2.150 oder rund 41 Prozent auf 7.390 Jobangebote, jedoch flachte der Zuwachs gegenüber dem Vormonat um sieben Prozentpunkte ab. Für rund 56 Prozent der offenen Stellen wurden Fachkräfte gesucht. Das Anforderungsniveau „Helfer“ lag rund einem Viertel der Angebote zugrunde. Zusätzliches Personal wurde vor allem für die Bereiche Lager und Verkauf, Büro und Sekretariat sowie in der Erziehung gesucht.  

Beschäftigung bleibt stabil

Am Stichtag 30. September 2021 waren im Agenturbezirk 219.420 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 2.330 oder 1,1 Prozent. Rund ein Drittel übten ihre Beschäftigung in Teilzeit aus, etwas mehr als jeder Zehnte hatte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Der Helferanteil an allen Beschäftigten betrug rund 16 Prozent. Beschäftigungsrückgänge waren in den Bereichen Verkehr und Lagerei sowie bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und im Gastgewerbe zu verzeichnen. Beschäftigungszuwächse gab es dagegen in wirtschaftsnahen Dienstleistungen, im Handel, der öffentlichen Verwaltung und im Bereich Information und Kommunikation.   

Regionale Entwicklung  

Erstmals seit Juni 2019 erreichten alle drei Landkreise des Agenturbezirks wieder gemeinsame Arbeitslosenquoten unter zwei Prozent. Die günstigste Quote konnte der Landkreis Main-Spessart mit 1,6 Prozent vorweisen (1.180 Arbeitslose), gefolgt vom Landkreis Würzburg mit 1,8 Prozent (1.715 Arbeitslose) und dem Landkreis Kitzingen mit 1,9 Prozent (1.030 Arbeitslose). Auch die Stadt Würzburg belegte mit 3,2 Prozent (2.390 Arbeitslose) im bayernweiten Städtevergleich einen vorderen Platz und verzeichnete mit einem Quotenrückgang um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr sogar die größte Veränderung.  Main-Spessart verbesserte sich um 0,8, Kitzingen um 0,7 und Würzburg um 0,5 Prozentpunkte. 

Entwicklung in den Rechtskreisen

In den Agenturen für Arbeit Würzburg, Kitzingen und Lohr wurden im April 3.580 arbeitslose Menschen betreut. Die vier Jobcenter des Agenturbezirks waren Ansprechpartner für 2.740 Personen. Gegenüber März hat sich der Bestand in der Arbeitslosenversicherung um 210 oder 5,5 Prozent verringert. In der Grundsicherung fiel der Rückgang um 20 Personen oder 0,5 Prozent dagegen geringer aus. Im Vorjahresverglich ist die Arbeitslosigkeit in den Arbeitsagenturen um ein knappes Drittel (-1.630 Personen) gesunken, in den Jobcentern um knapp 18 Prozent (-590 Personen).    

Ausbildungsmarkt: Deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage

Von Oktober 2021 bis April 2022 meldeten sich 2.230 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das waren 110 oder 4,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden 3.810 Ausbildungsstellen gemeldet. Ein Plus von 380 oder 10,9 Prozent.

Aktuell stehen den rund 2.170 noch unbesetzten Ausbildungsstellen 1.070 ausbildungsuchende Jugendliche gegenüber. Rein rechnerisch kann damit jeder Unversorgte aus zwei Angeboten wählen. Da der Ausbildungsmarkt in den kommenden Monaten noch stark in Bewegung ist, wird es bei der aktuellen Momentaufnahme jedoch noch zu deutlichen Verschiebungen kommen.