23.07.2021 | Presseinfo Nr. 1

Mediziner*innen aus Mexiko und Jordanien für Kliniken in Rheinland-Pfalz

Einerseits fehlt es Kliniken an Personal. Andererseits suchen im Ausland viele gut qualifizierte Medizinerinnen und Mediziner verzweifelt Assistenzarztstellen für ihre weitere Ausbildung oder finden keine ausbildungsadäquate Beschäftigung. Das Programm der Bundesagentur für Arbeit „Specialized!“ führt Kliniken in Deutschland und Humanmedizinerinnen und -mediziner aus ausgewählten Partnerländern zusammen. Auch in Rheinland-Pfalz ist Specialized! gestartet. Im ersten Schritt werden weitere Krankenhäuser und Kliniken gesucht, die am Programm teilnehmen und gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte aus Mexiko und Jordanien beschäftigen wollen. Das Programm der Bundesagentur für Arbeit "Specialized!" wird in Kooperation mit dem IQ Netzwerk Rheinland-Pfalz und ProfeS Gesellschaft für Bildung und Kommunikation durchgeführt. 
 

In mittlerweile acht Bundesländern bietet die Bundesagentur für Arbeit das Programm „Specialized!“ an. Ziel ist es, auf den Fachkräftemangel im Bereich der Humanmedizin zu reagieren und Vakanzen mit gut ausgebildeten mexikanischen und jordanischen Medizinerinnen und Medizinern zu besetzen, die in Deutschland beruflich langfristige Perspektiven suchen. Krankenhäuser und Kliniken müssen bereit sein, die Ärztinnen und Ärzte in der Qualifizierungsphase zu unterstützen, sie während des Anerkennungsverfahrens mit einer Berufserlaubnis zu beschäftigen und ihnen anschließend nach der Approbation eine Weiterbildungsstelle anzubieten. Erste Kliniken in Rheinland-Pfalz nehmen bereits teil und loben den Projektansatz. „Wir schätzen die enge Zusammenarbeit sowie die sehr gute Beratung und Begleitung mit allen Beteiligten“, sagt beispielsweise Dr. Wolfgang Schell, Stiftungsvorstand des Sankt Vincentius Krankenhauses Speyer. „Gerade der Start des Programms bis zur ersten Vermittlung lief zügig und reibungslos.“

Die Bundesagentur für Arbeit koordiniert das Programm, übernimmt die Bewerberansprache und -auswahl in den Partnerländern und schlägt den teilnehmenden Kliniken und Krankenhäusern geeignete Kandidatinnen und Kandidaten vor.

Partner bei der Umsetzung des Projekts in Rheinland-Pfalz ist das IQ Netzwerk mit dessen Projektträger ProfeS in der Südpfalz. Sobald die Medizinerinnen und Mediziner in Jordanien und Mexiko einen Vertrag mit einer Einrichtung in Deutschland abgeschlossen haben, tritt ProfeS mit ihnen in Kontakt: Aufgabe ist es, neben der Begleitung des Berufsanerkennungsverfahrens, ihre Deutschkenntnisse noch im Heimatland zu erfassen und auf dem Niveau B2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen zu verfestigen, das Mindestvoraussetzung für die Teilnahme am Programm „Specialized!“ ist. Die Bundesagentur für Arbeit begleitet die Ärztinnen und Ärzte währenddessen bei den Formalitäten zur Visumvergabe und der Arbeitserlaubnis.

Sobald sie dann in Deutschland sind und einige Stunden pro Woche in der Klinik arbeiten, unterstützt sie ProfeS in der Qualifizierungsphase, pädagogisch, sprachlich und anschließend auch fachlich: Der sechsmonatige Berufssprachkurs mit Zielniveau C1 wird durch das BAMF gefördert und macht sie fit für die Fachsprachenprüfung, die sie bestehen müssen, um eine Berufserlaubnis zu erhalten. Wird ihnen diese erteilt, steht die nächste Etappe ihrer Qualifizierung an: Fachdozierende von ProfeS vermitteln den Teilnehmenden im dreimonatigen „Vorbereitungskurs auf die Kenntnisprüfung“, welcher in Teilzeit und als Blended Learning-Angebot durchgeführt wird, umfangreiches medizinisches Wissen. Das Bestehen der Kenntnisprüfung, die sie voraussichtlich ab Oktober 2022 absolvieren, ist Voraussetzung für die Approbation und volle Anerkennung ihres ausländischen Abschlusses. Anschließend können sie als approbierte Assistenzärztinnen und -ärzte arbeiten und sich in der gesuchten Fachrichtung zu Fachärzten weiterbilden.

Über das Programm „Specialized!“

Als Reaktion auf den vor allem im ländlichen Raum bestehenden Fachkräftemangel im Bereich der Humanmedizin wurde 2017 das Programm „Specialized!“ von der Bundesagentur für Arbeit (BA) initiiert. Die Ärztinnen und Ärzte werden nach Absprachen mit den jeweiligen Herkunftsländern rekrutiert. Voraussetzung ist, dass in diesen Ländern gemäß den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO kein kritischer Mangel an medizinischem Personal sowie ein öffentliches Interesse an der Zusammenarbeit besteht.

Umgesetzt wird das Programm durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit, unterstützt durch das Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ). Interessierte Kliniken und Krankenhäuser können sich an den Arbeitgeber-Service ihrer örtlichen Agentur für Arbeit wenden oder direkt an: ZAV.Specialized@arbeitsagentur.de

Weitere Informationen: www.arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/specialized 

Über das IQ Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz

Das IQ Netzwerk Rheinland-Pfalz ist eines von insgesamt 16 Landesnetzwerken im bundesweiten Förderprogramm “Integration durch Qualifizierung (IQ)”. Es verfolgt das Ziel einen nachhaltigen Beitrag zur Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten zu leisten. Umgesetzt werden die Ziele auf Länderebene durch Projektpartner und ihre Teilprojekte in vier Handlungsschwerpunkten: Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung, Qualifizierung im Kontext des Anerkennungsgesetzes, Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Regionale Fachkräftenetzwerke – Einwanderung. Die Projektpartner sind teils regional, teils überregional aktiv. Die Gesamtkoordination des IQ Netzwerks Rheinland-Pfalz liegt beim ism Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V.

ProfeS Gesellschaft für Bildung und Kommunikation mbH ist ein privater Bildungsträger mit Standorten in Germersheim und Landau. ProfeS ist spezialisiert auf Dienstleistungen im Bereich Erwachsenenbildung und kümmert sich um Aus- und Weiterbildung, Einzelcoaching, Firmenschulungen und die Durchführung von Sprachkursen zur gesellschaftlichen und beruflichen Integration. Auftraggeber sind u.a. die Bundesagentur für Arbeit, Jobcenter, das BAMF und weitere öffentliche Institutionen sowie Unternehmen.