Über uns

Informationen über das Projekt

Faire und nachhaltige Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften aus Nordafrika für Deutschland

THAMM Plus ist ein Projekt, das die faire und nachhaltige Gewinnung von Auszubildenden und Fachkräften aus Ägypten, Marokko und Tunesien unterstützt. Es ist das Folgeprojekt von THAMM. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt und durch die Europäische Union kofinanziert. Das Akronym THAMM steht für den englischen Projekttitel "Towards a Holistic Approach to Labour Migration Governance and Labour Mobility in North Africa". Der deutsche Titel lautet „Unterstützung regulärer Arbeitsmigration und -mobilität zwischen Nordafrika und Europa“.

Im Rahmen des Projekts kooperieren die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) bei den Aktivitäten rund um die Auswahl und Vermittlung der Bewerberinnen und Bewerber an Arbeitgeber in Deutschland. Dabei arbeiten die GIZ und die BA eng mit den zuständigen staatlichen Institutionen in den Herkunftsländern zusammen. Die GIZ und die ZAV verfügen über langjährige Expertise bei der gemeinsamen Umsetzung von Projekten zur Gewinnung von Arbeitskräften. Im Rahmen des Pilotprojekts THAMM haben sie von 2019 bis 2023 sowohl Fachkräfte als auch Ausbildungsinteressierte aus Ägypten, Marokko und Tunesien rekrutiert und vermittelt. Daneben bestehen weitere Kooperationsprojekte zwischen beiden Organisationen.

Hintergrund

Während die nordafrikanischen Kooperationsländer Ägypten, Marokko und Tunesien mit ökonomischen Herausforderungen wie einer strukturell schwachen Wirtschaft und Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, ist die Debatte über fehlende Fachkräfte in Deutschland längst zum Dauerbrenner geworden. In Deutschland suchen viele Arbeitgeber händeringend nach qualifiziertem Personal. So sind laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln fast 400 Berufe von einem Fachkräfteengpass betroffen. Ohne die Gewinnung von Arbeitskräften aus dem Ausland wird sich diese Herausforderung mittel- und langfristig kaum bewältigen lassen. Die BA hat hierzu ihre Bedarfsanalyse für die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland erstellt. Da der Fachkräftemangel in Deutschland bereits in der Phase der beruflichen Ausbildung beginnt, liegt auch hier einer der Schwerpunkte von THAMM Plus.

Im Gegensatz zum Fachkräftemangel in Deutschland verfügen junge Menschen in Nordafrika nur über eingeschränkte Beschäftigungsperspektiven. Hier setzt das Projekt mit einem ganzheitlichen Migrationsansatz für Arbeit und Ausbildung an.

Konzeption des Projektes

Das Projekt THAMM Plus zielt auf die nachhaltige Verankerung von entwicklungs- und bedarfsorientierter Arbeitsmigration zwischen Nordafrika und Europa ab. Um dies zu erreichen, verbessert THAMM Plus das Angebot an beschäftigungsfördernden Maßnahmen für migrationsinteressierte Personen, so dass diese sowohl im Herkunftsland als auch international bessere Chancen auf eine gute Beschäftigung haben. Durch fachliche Weiterqualifizierungen, Sprachkurse und Soft Skill-Trainings mit Fokus auf interkulturelle Verständigung werden die Migrationschancen auf individueller Ebene gestärkt. Die Maßnahmen werden gemeinsam mit staatlichen Partnern in den Herkunftsländern und deutschen Partnern entwickelt. Langfristig sollen Ausbildungsinhalte in ausgewählte nationale Ausbildungsprogramme integriert werden. Darüber hinaus werden Mechanismen zur Kompetenzfeststellung entwickelt, damit sich Migrationsinteressierte adäquat präsentieren und Arbeitgeber einen vertieften Einblick in die Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber bekommen.

Zudem baut THAMM Plus Partnerschaften zwischen Schlüsselakteuren in den Herkunftsländern und in Deutschland aus und ermöglicht so die Vernetzung zum Beispiel zwischen Berufsschulen, Arbeitsagenturen, Kammern und Initiativen von Bundesländern und Regionen. Durch gemeinsame Aktivitäten wie Jobmessen, Studienreisen und Workshops werden die Partnerschaften mit Leben gefüllt und schaffen Rahmenbedingungen, um Arbeitsmigration nachhaltig zu verankern.

Ein weiterer Fokus ist die Stärkung der institutionellen Kapazitäten der Arbeitsverwaltungen und anderer Partner vor Ort, sodass diese Mobilitätsprogramme schrittweise eigenständig durchführen können. Beispielsweise unterstützt THAMM Plus bei der Digitalisierung der Prozesse und beim Aufbau eines Integrationsnetzwerks. Hierbei knüpft es an das Vorgängervorhaben THAMM an, im Rahmen dessen Standardverfahren für Arbeitsmigration für relevante Ministerien und Arbeitsagenturen in Ägypten, Marokko und Tunesien entwickelt und pilothaft Auszubildende und Fachkräfte an Unternehmen in Deutschland vermittelt wurden. Die entwickelten Standards sollen im Rahmen von THAMM Plus an die neuen Regelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes angepasst werden.

Ausgehend von den beschriebenen Maßnahmen werden Programmteilnehmende in eine Ausbildung oder Beschäftigung als Fachkraft in Deutschland vermittelt. Um dabei die Entwicklungspotenziale zu hebeln, gestaltet THAMM Plus Migration so, dass alle davon profitieren (Triple-Win-Effekt).

  • positiv:Die Auszubildenden und Fachkräfte profitieren von neuen beruflichen Perspektiven, neuen Sprachkenntnissen, Qualifizierungsmaßnahmen und einer guten Ausbildung.
  • positiv:Dem Aufnahmeland Deutschland gelingt es, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und Arbeitgeber in Deutschland profitieren direkt von der Fachkräftegewinnung.
  • positiv:Die Herkunftsländer können ihrer Bevölkerung neue Jobperspektiven anbieten und profitieren von Rücküberweisungen der Auszubildenden und Fachkräfte sowie von deren neuen Kompetenzen und Erfahrungen.

Sicherer und transparenter Projektablauf

Kooperationsvereinbarungen zwischen der GIZ und den lokalen Partnerinstitutionen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen nationalen Arbeitsverwaltung und Ministerien, BA und GIZ sichern hohe Qualitätsstandards und garantieren eine nachhaltige Form der Fachkräftegewinnung. Über die verbindliche Festlegung von Mindestgehältern bzw. Ausbildungsvergütungen wird sichergestellt, dass die vermittelten Auszubildenden und Fachkräfte fair entlohnt werden und dabei ihren deutschen Kolleginnen und Kollegen gleichgestellt sind.

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Menüpunkt "Was leistet das Projekt".

GIZ und BA: Starke Partnerschaft

Gemeinsam bringen die GIZ und die BA ihre komplementäre Expertise und Kernkompetenz in das Projekt ein.

Über die Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die größte öffentliche Arbeitsverwaltung in Europa und hat den gesetzlichen Auftrag, den Ausgleich am deutschen Arbeitsmarkt zu fördern. Dazu tragen mehrere Organisationseinheiten der BA bei, indem sie auch internationale Arbeitsmärkte einbeziehen: Als besondere Dienststelle der BA ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) unter anderem für die gezielte Information, Beratung und Vermittlung von Fachkräften und Auszubildenden aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland verantwortlich. Die Arbeitgeberservices (AGS) der Arbeitsagenturen bieten Arbeitgebern auch internationale Rekrutierungsmöglichkeiten an. Die Zentrale Servicestelle Berufsanerkennung (ZSBA) innerhalb der ZAV bietet ergänzend eine Lotsenfunktion im komplexen Anerkennungsverfahren für Fachkräfte an. Die Einheiten der Arbeitsmarktzulassung (AMZ) prüfen im Visumsprozess die Rechtmäßigkeit und Vergleichbarkeit der Arbeitsbedingungen. Die Service-Angebote der BA gehen dabei sowohl den Arbeitgebern wie den Arbeitnehmenden gegenüber in hohem Maße auf die speziellen Bedürfnisse bestimmter Berufe, Branchen und Länder ein. Die BA ist flächendeckend mit Standorten in ganz Deutschland vertreten.

Über die GIZ

Als Dienstleisterin der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und internationale Bildungsarbeit engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) weltweit für eine lebenswerte Zukunft. Gemeinsam mit ihren Auftraggebern und Partnern entwickelt und plant die GIZ Ideen für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen und setzt sie mit ihnen um. Die GIZ arbeitet an wirksamen und effizienten Lösungen, die Menschen Perspektiven bieten und deren Lebensbedingungen dauerhaft verbessern. Dabei ist die Agenda 2030 der übergeordnete Rahmen, an dem die GIZ ihre Arbeit ausrichtet.