15.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Jahresbilanz 2020

♦ Mehr Stellenzugänge als 2019
♦ Mehr arbeitslose Menschen im Landkreis Zwickau
♦ Weniger sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
♦ Kurzarbeitergeld trägt weiterhin zur Entlastung bei
 

Diese Entwicklung verzeichnet die Jahresbilanz 2020 der Zwickauer Arbeitsagentur für den Landkreis Zwickau.

Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 2020:                            8.038

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2020:                         4,9 Prozent

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand 30.06.2020)  123.543

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren im Landkreis Zwickau insgesamt 8.038 Menschen arbeitslos gemeldet, 638 Personen oder 8,6 Prozent mehr als im Jahr 2019.

Dabei ist zu beachten, dass der gesamte Anstieg der Arbeitslosenzahl auf die Entwicklung im Rechtskreis SGB III zurückzuführen ist. Während die Arbeitslosigkeit in der Zwickauer Arbeitsagentur im Jahresdurchschnitt um 27,3 Prozent angestiegen ist, hat sie sich im Jobcenter Zwickau um 2,7 Prozent verringert.

Im Rechtskreis des SGB III waren durchschnittlich 3.555 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 762 mehr als 2019. Betroffen waren dabei alle Perrsonengruppen. Im Rechtskreis des SGB II waren durchschnittlich 4.484 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, 124 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang ist bei fast allen Personengruppen, außer bei Männern und Langzeitarbeitslosen, zu verzeichnen.

Eine negative Entwicklung ist bei den Langzeitarbeitslosen zu verzeichnen. Im Jahresdurchschnitt waren in beiden Rechtskreisen 2.446 Frauen und Männer länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich die Zahl um 250 bzw. 11,4 Prozent.

Die Wirtschaft in der Region ist in den vergangenen Jahren gewachsen und krisenresistenter geworden. Die Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber war 2020 weiterhin hoch. Da die Unternehmerlandschaft breit gefächert ist, gab es nahezu für jeden Berufs- oder Ausbildungswunsch Angebote. So wurden im Jahresverlauf 6.285 Arbeitsstellen von Arbeitgebern gemeldet, das sind 70 mehr als im Jahr zuvor.

„Der wirtschaftliche Strukturwandel in der Region wird durch die aktuellen Transformationsprozesse der Automobil- und Zulieferindustrie getrieben. Die Digitalisierung und Transformation in der Automobilindustrie schreitet voran und verlangt von den betreffenden Firmen sowie deren Mitarbeitenden unter anderem viel Flexibilität, Qualifizierungsbereitschaft und Engagement. Die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Region steht in einer hohen Abhängigkeit dieser Branche. Der Landkreis Zwickau ist insbesondere durch den Umstieg auf Elektromobilität in der Automobilbranche stark vom Strukturwandel und der Digitalisierung/Automatisierung geprägt. Viele Unternehmen und deren Beschäftigte bewältigen in diesem Zusammenhang massive Transformationsprozesse. Gleichzeitig werden in den kommenden Jahren dem Arbeitsmarkt viele Fachkräfte demografiebedingt entzogen, so dass Ersatzbedarfe erwartet werden. Dadurch können ebenfalls Transformationsprozesse entstehen. Die Herausforderung besteht darin, diese aktiv zu begleiten und positiv im Sinne einer Beschhäftigungssicherung zu beeinflussen. Der Fokus liegt dabei auf dem Thema Qualifizierung”, erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Zwickau, Andreas Fleischer und versichert: “Wir sind immer als Partner für die Menschen und Betriebe in der Region da und unterstützen sie schnell und zuverlässig“.

Ende Juni 2020 (letzter Stichtag) belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Landkreis Zwickau auf 123.543 Personen, das sind 1.919 weniger
als im Vorjahresmonat.

„Mit einem derartigen Jahr und den außergewöhnlichen Herausforderungen im beruflichen, gesellschaftlichen sowie privaten Bereich konnte vor 12 Monaten niemand von uns rechnen. Die erste Welle der Pandemie, verbunden mit der Stagnation des Welthandels, den Lieferschwierigkeiten in der Automobilindustrie und den steigenden Anzeigen auf Kurzarbeit, hat uns in der Zwickauer Arbeitsagentur viel abverlangt. Innerhalb kürzester Zeit haben wir uns neu aufgestellt und eine Vielzahl von Mitarbeitenden für die Leistungsgewährung qualifiziert. Dies umfasst natürlich die Leistungen Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld. Aber auch im Jobcenter Zwickau war ein Anstieg von Leistungen zur Grundsicherung zu bewältigen. Die Folgen für den Arbeitsmarkt durch den erneuten Lockdown können erst in den kommenden Monaten eingeschätzt werden, auch abhängig davon, wie lange die verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie notwendig sind. Bereits seit Beginn der zweiten Pandemiewelle verzeichnen wir erneut eine Zunahme an Anzeigen auf Kurzarbeit“, erklärt Andreas Fleischer, „Für Prognosen ist es jedoch zu früh. Der Pandemieverlauf ist ungewiss und bleibt insbesondere im Kontext des Gesundheitsschutzes für alle eine ständige Aufgabe. Die nächsten Wochen stellen Unternehmen sowie Beschäftigte weiterhin vor große Herausforderungen“.

Kurzarbeit sichert seit Beginn der Pandemie Tausende von Arbeitsplätzen.

Im ersten Lockdown erreichten die Kurzarbeiterzahlen einen neuen historischen Höchststand seit Januar 2009. Die Kurzarbeiterquote bei konjunkturellem Kurzar-
beitergeld (KUG) lag im April bei 27,2 Prozent.

Im Agenturbezirk Zwickau haben im April 2.842 Unternehmen mit insgesamt 33.974 Mitarbeitenden Kurzarbeitergeld erhalten. Das sind 66,5% mehr Betriebe und 76,0% mehr Personen im Vergleich zum Vormonat.

Dabei betraf die Kurzarbeit deutlich mehr Männer (Männer 66,1 Prozent; Frauen 33,9 Prozent).

Die TOP 3 der von realisierter Kurzarbeit betroffenen Wirtschaftsabteilungen nach Anzahl der Personen im Monat April 2020 waren »Herstellung von Kraftwagen u. -teilen« (12.539 Personen / 31 Betriebe), »Maschinenbau« (2.111 Personen / 45 Betriebe) und »Herstellung von Metallerzeugnissen« (1.836 Personen / 70 Betriebe).

Während sich in den anderen Agenturbezirken Sachsens die Quote im Monat Mai verringerte, war der Landkreis Zwickau mit einem Wert von 21,7 Prozent an der Spitze im Freistaat.

Erläuterung Kurzarbeiterquote

Die Kurzarbeiterquote berechnet sich als Verhältnis aus der Zahl der Personen in Kurzarbeit bezogen auf die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Beschäftigungsstatistik. Die Quote gibt das relative Ausmaß und die Bedeutung der Kurzarbeit an. Im Gegensatz zur Beschäftigungsstatistik dürfen laut Gesetz beim Kurzarbeitergeld jedoch auch einzelne Betriebsabteilungen für sich oder den Gesamtbetrieb agieren, daraus entstehen im Vergleich zur Beschäftigungsstatistik auf tiefen Ebenen erhebliche regionale und branchenspezifische Verzerrungen. Aus diesem Grund ist die Verfügbarkeit der Quote stark eingeschränkt.

Hochgerechnete Daten für den Landkreis Zwickau ergeben im August 2020 - 1.084 Betriebe und 10.618 Personen in Kurzarbeit.

Daten über realisierte Kurzarbeit werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Statistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist.

Aufgrund der Gültigkeitsdauer der Anzeigen von 12 Monaten kann die realisierte Kurzarbeit die angezeigte Kurzarbeit übersteigen.

Erläuterung realisierte Kurzarbeit
Daten über realisierte Kurzarbeit werden mit einer Wartezeit von fünf Monaten veröffentlicht, da hiermit eine sichere Statistik auf vollzähliger Basis mit hoher Datenqualität gewährleistet ist. Die Inanspruchnahme von konjunkturell bedingter Kurzarbeit (§ 96 SGB III) ist ein wichtiger Frühindikator für die künftige konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. Um möglichst zeitnah Zahlenmaterial zur Verfügung stellen zu können, werden am aktuellen Rand Hochrechnungen auf Basis der vorläufigen Daten mit einer Wartezeit von ein bis vier Monaten in Abhängigkeit von der regionalen Gliederungstiefe vorgenommen, wobei ein fortlaufendes System mit stufenweise weiter aufgegliederten Daten zum Einsatz kommt.