29.01.2021 | Presseinfo Nr. 4

Der Arbeitsmarkt im Januar 2021

Anstieg der Arbeitslosen um 717 auf 8.510 (Vorjahr 7.563)
♦ Arbeitslosenquote steigt auf 5,2 Prozent (Vormonat 4,8 Prozent)
♦ Anzahl der langzeitarbeitslosen Menschen hat sich erhöht

Überblick

Zum Jahresbeginn ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Zwickau gestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich um 717 Personen gegenüber dem Vormonat erhöht. Im Vorjahreszeitraum war ein Anstieg um 628 zu verzeichnen. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im Januar 5,2%; vor einem Jahr lag diese bei 4,6%.

Insbesondere die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im Vorjahresvergleich angestiegen. Waren im Januar 2020 noch 2.057 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos, so sind es jetzt 3.144 Menschen.

„Im Januar steigt die Arbeitslosigkeit regelmäßig saisonal bedingt an. Die Gründe für den Anstieg liegen oft im gewählten Kündigungstermin zum Quartals- und Jahresende. Außerdem ist die Dynamik am Arbeitsmarkt erfahrungsgemäß im Winter geringer als im Frühjahr“, kommentiert Andreas Fleischer, Chef der Zwickauer Arbeitsagentur, die aktuellen Arbeitsmarktzahlen, „Hinzu kommen die Auswirkungen der Pandemie. Unser Arbeitsmarkt wird auch weiterhin auf eine harte Probe gestellt. Die Herausforderungen, welche zahlreiche Unternehmen im Landkreis Zwickau bewältigen müssen, sind enorm. Nach wie vor sichert Kurzarbeit in erheblichem Umfang viele Arbeitsplätze. Im Kalendermonat Dezember 2020 wurden von 615 Betrieben bzw. Betriebszweigen 5.211
Personen zur Kurzarbeit angezeigt. Im Vergleich zum Vormonat sind das 260 Anzeigen mehr sowie 3.236 Personen in Anzeigen mehr. Der Anstieg zeigt uns aber auch, dass die Arbeitgeber das Instrument Kurzarbeit intensiv nutzen, um Kündigungen zu vermeiden und ihre Mitarbeitenden zu halten“.

„Sorgen bereiten uns jedoch die seit Monaten andauernden Schulschließungen für Schüler*innen, die 2022 und 2023 die Schule beenden“ so Andreas Fleischer weiter, „In den letzten Jahren konnten wir frühzeitig die Jugendlichen durch flächendeckende Präsenz an allen Schulen mit berufsorientie-
renden Veranstaltungen, Sprechzeiten und individueller Beratung vor Ort erreichen. Da dies seit Monaten nicht mehr persönlich möglich ist, bieten wir zusätzlich zur telefonischen und Online-Kommunikation auch Beratungen via Video an.Die neue Dienstleistung sollten unsere jungen Menschen
noch mehr nutzen“.

Den Schulabgängern 2021 empfiehlt Andreas Fleischer: „Wenn noch Unsicherheiten bei der Berufswahl bestehen, ist
der sofortige Kontakt zur Berufsberatung ratsam. Wir unterstützen bei der Vermittlung von derzeit über 1000 freien Ausbildungsstellen, stellen den Kontakt zum Ausbildungsbetrieb her oder suchen gemeinsam nach Alternativen. Der Übergang zwischen Schule und Erwerbsleben ist entscheidend für den beruflichen Lebensweg. Niemand darf uns dabei verloren gehen“.

Die frühzeitige, intensive Beratung unterstützt junge Menschen dabei, den passenden Ausbildungsplatz bzw. das geeignete Studium zu finden, Abbrüche zu vermeiden und das Fundament für eine stabile Erwerbsbiographie zu legen.

Arbeitslosigkeit in den beiden Rechtskreisen

Der Anstieg der Arbeitslosigkeit betrifft beide Rechtskreise – den zahlenmäßig höheren verzeichnet im Januar die Arbeitsagentur. 426 Frauen und Männer mehr als im Dezember waren im ersten Monat des Jahres arbeitslos (+12,7 Prozent). Im Jobcenter Zwickau nahm die Arbeitslosigkeit um 291 Personen bzw. 6,5 Prozent zu.

Im Rechtskreis des SGB III waren damit im Januar 3.769 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 541 mehr als im Januar 2020 und im Rechtskreis SGB II 4.741 Arbeitslose, 406 mehr als im Vorjahr.

Zugänge in und Abgänge aus Arbeitslosigkeit

Zur Jahreszeit passt, dass sich deutlich mehr Personen aus dem Job heraus arbeitslos melden mussten als wieder in Erwerbstätigkeit gehen konnten. Im Januar wurden 956 Zugänge aus und 410 Abgänge in Erwerbstätigkeit erfasst.

Insgesamt ist die Fluktuation wie immer hoch, den 1.745 Zugängen stehen 1.022 Abgänge gegenüber.

Jugendarbeitslosigkeit

Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist im Januar um 41 auf 643 gestiegen. Der Anteil der Jugendlichen an allen Arbeitslosen im Agenturbezirk beträgt 7,6 Prozent. Im Januar 2020 waren 47 Jugendliche mehr arbeitslos.

Langzeitarbeitslosigkeit

Im Agenturbezirk Zwickau sind derzeit 3.144 Arbeitslose länger als ein Jahr auf Jobsuche. Das entspricht einem Anteil von 36,9 Prozent an allen Arbeitslosen im Agenturbezirk. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Langzeitarbeitslosigkeit um 6,6 Prozent an. Im Vergleich zum Vorjahr sind aktuell
1.087 Langzeitarbeitslose mehr gemeldet. Der pandemiebedingte Rückgang bei Einstellungen in Unternehmen führt zu einer längeren Verweildauer in Arbeitslosigkeit..

Stellenangebote

2.276 Stellen – 170 weniger als im Dezember – waren im Januar im Agenturbezirk registriert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat standen 140 Stellen mehr für die Vermittlung zur Verfügung.

Durch den gemeinsamen Arbeitgeberservice wurden im Januar 423 sozialversicherungspflichtige Stellen neu aufgenommen. Das waren 17 weniger als im Vorjahr.

Den Großteil der Stellen meldeten erneut Zeitarbeitsfirmen, das verarbeitende Gewerbe, der Handel, Firmen zur Instandhaltung sowie Reparatur von Kraftfahrzeugen und das Gesundheits- und Sozialwesen.

Blick in die Geschäftsstellen

In den Geschäftsstellenbezirken der Zwickauer Arbeitsagetur stellt sich die Arbeitslosigkeit folgendermaßen dar: Die Arbeitslosenquote beträgt in Hohenstein-Ernstthal 4,9 Prozent, in der Hauptagentur Zwickau 5,0 Prozent, in Glauchau 5,4 Prozent und in Werdau 5,9 Prozent.
 

Unterbeschäftigung

Im Januar haben nach ersten Hochrechnungen rund 2.500 Personen aus dem Landkreis Zwickau an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, wie Weiterbildung, Praktika in Betrieben oder Beschäftigung in Arbeitsgelegenheiten teilgenommen.

Insgesamt belief sich die Unterbeschäftigung – die Summe aus Arbeitslosen und Teilnehmern in Maßnahmen – auf über 11.000. Damit liegt der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung bei 76,8 Prozent. Bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – analog der Arbeitslosenquote – liegt die vorläufige Unterbeschäftigungsquote für Januar bei 6,7 Prozent (Vorjahr: 663 %).

Kurzarbeit

Anzeigen zur Kurzarbeit

Der Höchststand an abgegebenen Anzeigen seit Januar 2009 war mit 2.137 Anzeigen im Monat April 2020. Im Kalendermonat Dezember 2020 wurden von 615 Betrieben bzw. Betriebszweigen 5.211 Personen zur Kurzarbeit angezeigt. Das sind 260 Anzeigen mehr und 3.236 Personen in Anzeigen mehr im Vergleich zum Vormonat.

Realisierte Kurzarbeit

Im Kalendermonat Juli 2020 - Daten liegen mit 5 Monaten Wartezeit vor - haben 1.292 Betriebe bzw. Betriebszweige und 12.034 Personen Kurzarbeitergeld erhalten. Das sind 22,4% weniger Betriebe und 25,1% weniger Personen im Vergleich zum Vormonat. Der Höchststand an Kurzarbeiternseit Januar 2009 war mit 33.974 Personen im April 2020. Die Kurzarbeiterquote - beträgt im Juli 2020 9,7%. Im Vormonat betrug sie in Deutschland 13,4%, in Sachsen 11,1% und in Zwickau 13,0%.

Hochgerechnete Daten ergeben für September 2020 972 Betriebe und 7.842 Personen in Kurzarbeit. Aufgrund der Gültigkeitsdauer der Anzeigen von 12 Monaten kann die realisierte Kurzarbeit die angezeigte Kurzarbeit übersteigen.

Die Top 3 von realisierter Kurzarbeit betroffenen Wirtschaftsabteilungen nach Anzahl der Personen im Monat Juli 2020 waren »Herstellung von Kraftwagen u.-teilen« (2.519 Personen / 16 Betriebe), »Herstellung von Metallerzeugnissen« (1.449 Personen / 57 Betriebe) und »Maschinenbau« (1.298 Personen / 38 Betriebe).

Ausbildungsmarkt

Seit Beginn des Berichtsjahres haben sich 811 Mädchen und Jungen (53 weniger als im Jahr zuvor) bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz an die Zwickauer Arbeitsagentur gewandt. Ihnen gegenüber standen 1.163 betriebliche Ausbildungsstellen (125 weniger als im Vorjahr).

Hintergrundinformation zum Ausbildungsmarkt:

Definition Berichtsjahr

Das Berichtsjahr ist der Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September des folgenden Jahres. Um alle Bewerberinnen/Bewerber und Berufsausbildungsstellen, die während eines Berichtsjahres bei den AA und JC gemeldet waren, abzubilden, werden Bewerberinnen/Bewerber und Berufsausbildungsstellen jeweils kumuliert seit Beginn des Berichtsjahres ausgewiesen. Das bedeutet, jede/r Bewerberinnen/Bewerber bzw. jede Berufsausbildungsstelle, die mindestens einmal während des Berichtsjahres gemeldet war, bleibt statistisch bis zum Ende des Berichtsjahres in der Grundgesamtheit enthalten (Prinzip der Anwesenheitsgesamtheit), auch wenn der Vermittlungsauftrag längst beendet wurde.

Aktuelle Informationen Januar 2021 

Einmal im Jahr wird in der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) die Zuordnung von Einzelberufen unter berufskundlichen Aspekten überprüft und bei Bedarf angepasst. Dabei werden Einzelberufe anderen Berufsgattungen (KldB 2010-5-Steller) zugeordnet. Nun wurde nach fast zehnjährigem Einsatz zudem die KldB 2010 selbst überarbeitet und eine neue Version „Klassifikation der Berufe 2010 – überarbeitete Fassung 2020“ erstellt. Es gibt zukünftig zwei neue Berufsuntergruppen (KldB 2010-4-Steller) und 14 neue Berufsgattungen (KldB 2010-5-Steller). Zudem werden eine Berufsuntergruppe und eine Berufsgattung innerhalb der Systematik umgezogen sowie eine Berufsuntergruppe und eine Berufsgattung umbenannt. Die neue Version der KldB 2010 wird zusammen mit den Änderungen der Einzelberufe zum Berichtsmonat Januar 2021 in die Statistiken über den Ausbildungsmarkt übernommen. D.h. ab einschließlich dem Berichtsmonat Januar 2021 werden Bewerberinnen/Bewerber sowie Berufsausbildungsstellen den neuen Einzelberufen, Berufsgattungen und Berufsuntergruppen zugeordnet. Eine rückwirkende Änderung für die Berichtsmonate vor Januar 2021 findet nicht statt.