Cordula Hartrampf-Hirschberg, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Annaberg-Buchholz:
„Die wirtschaftliche Entwicklung und die globalen Unsicherheiten haben im vergangenen Jahr auch den regionalen Arbeitsmarkt erreicht und deutliche Spuren hinterlassen. Die Arbeitslosigkeit ist gestiegen und der Arbeitsmarkt ist aktuell von konjunkturellen Einflüssen geprägt, die uns auch im kommenden Jahr weiter beschäftigen werden. Im Jahresverlauf mussten sich fast 300 Menschen mehr nach einem Beschäftigungsende arbeitslos melden als ein Jahr zuvor und auch die Jugendarbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen. Das Jahr 2025 war kein leichtes Jahr, dennoch blicken wir auf ein weitgehend stabiles Jahr zurück. Im abgelaufenen Jahr haben 6.300 Menschen eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Das sind über 400 Menschen mehr als in 2024. Die Lage am Stellenmarkt hat sich stabilisiert und die Unternehmen haben mit aller Kraft, viel Geld und Mut ihr Fachpersonal im Unternehmen gehalten. Das spricht für die regionale Wirtschaftskraft und unsere Mitarbeitenden haben zudem verstärkt in die Qualifizierung der Menschen investiert. Für 2026 rechne ich mit keiner Trendwende am Arbeitsmarkt. Laut Herbstprognose des Institutes für Arbeitsmarkt – und Berufsforschung wird die Beschäftigung erneut zurückgehen und die Arbeitslosigkeit steigen. Die Unsicherheiten und Sorgenfalten der Wirtschaft bleiben angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen weiter bestehen und der Arbeitsmarkt wird aller Wahrscheinlichkeit nach – trotz einiger Wachstumsimpulse für die Wirtschaft – weiter schwächeln. Trotz alledem gehen wir mit Zuversicht ins neue Jahr. Deshalb gilt für uns umso mehr: Wir helfen den Menschen, Chancen zu ergreifen, Übergänge zu erleichtern und sie gezielt bei der Arbeitssuche zu unterstützen. Wir setzen auf Interaktion, Investition und Integration“.
Arbeitslosigkeit steigt im Jahresdurchschnitt 2025 an
9.245 Frauen und Männer waren im letzten Jahr im Erzgebirgskreis arbeitslos gemeldet, 470 mehr als 2024 (plus 5,4 Prozent). Der Anstieg vollzog sich dabei ausschließlich im Bereich der Arbeitsagentur. Dort wurden 14,1 Prozent oder 427 Personen mehr gemeldet als 2024. Im Bereich des Jobcenters Erzgebirgskreis beziffert sich der Aufwuchs auf plus 43 Personen oder plus 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
3.446 Menschen (37 Prozent) wurden in der Arbeitsagentur und 5.799 (63 Prozent) im Jobcenter betreut.
Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im Jahr 2025 stieg im Vergleich zu 2024 um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 5,6 Prozent an. Die geringste Arbeitslosenquote gab es bisher im Jahr 2019 und 2022, in denen sie jeweils bei 4,4 Prozent lag. Seit 2024 liegt sie jeweils über der 5- Prozent Marke.
In der Jahressumme sind über 1.000 Menschen mehr arbeitslos geworden
Im gesamten Jahr 2025 meldeten sich insgesamt 18.414 Menschen bei einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter arbeitslos und gleichzeitig beendeten 17.796 Menschen ihre Arbeitslosigkeit. Eine Erwerbstätigkeit nahmen im letzten Jahr 6.256 Menschen auf und parallel mussten 7.558 Personen ihre Erwerbstätigkeit aufgeben und sich arbeitslos melden. Damit sind 1.302 Menschen mehr arbeitslos geworden, als eine Arbeit gefunden haben.
Fast 20 Prozent mehr jüngere Arbeitslose als im Jahr 2024
Ausnahmslos alle Personengruppen mussten einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr verkraften. Den deutlichsten Aufwuchs gab es bei den jüngeren Arbeitslosen von 15 bis unter 25 Jahre (1.116 Personen). Hier liegt der Anstieg bei 178 oder 19,0 Prozent. Damit ist jeder vierte Arbeitslose jünger als 25 Jahre.
Bei den ausländischen Arbeitslosen war so gut wie keine Bewegung spürbar. Ihre Zahl liegt mit 1.768 nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (1.764). Damit ging auch die Zahl der ukrainischen Geflüchteten gegenüber dem Vorjahr leicht zurück.
Abwärtstrend bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung hält an
Ende Juni 2025 gingen im Agenturbezirk Annaberg-Buchholz 107.917 Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.
Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Abnahme um 2.571 oder 2,3%, nach –2.418 oder –2,2% im Vorquartal. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Heimen und Sozialwesen (+199 oder +1,7%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe (–1.625 oder –4,9%).
Ausländische Beschäftigte konnten als einzige Personengruppe einen Anstieg verzeichnen. Aktuell gehen 6.606 Beschäftigte mit ausländischer Herkunft einer Beschäftigung nach (+ 200 bzw. 3,1 % ggü. Juni 2024).
Erhöhte Nachfrage nach Arbeitskräften
In der Jahressumme 2025 warb der Arbeitgeberservice insgesamt 4.194 Stellen ein. Das sind 713 Stellen mehr als im Vorjahr (+ 20,5 Prozent).
Der Stellenbestand liegt im Jahresdurchschnitt bei 2.058 Stellen, das sind 248 oder 10,7 Prozent weniger Offerten als im Vorjahr.