Spanier zu Gast: Berufsberatung „made in Germany“ sorgt für Aha-Momente

08.05.2026 | Presseinfo Nr. 34

Wie stark junge Menschen in Deutschland auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf begleitet werden, hat eine spanische Delegation jetzt in der Agentur für Arbeit Weißenburg aus nächster Nähe erlebt. Neun Berufsschullehrer*innen – überwiegend aus der Region Murcia – waren im Rahmen eines Erasmus+-Austauschs eine Woche lang in Kooperation mit dem Berufsschulzentrum Roth in der Region zu Gast. Sechs von ihnen besuchten die Agentur für Arbeit.

Im Mittelpunkt des Besuchs in der Agentur standen die Berufsberatung, Einblicke in das deutsche Ausbildungssystem und weitere Stationen aus der Praxis. Am Vortag hatte die Gruppe bereits die Firma Leoni besucht. Dort beeindruckte die Gäste unter anderem die Lehrwerkstatt. In der Agentur für Arbeit ging es nun um die Frage, wie Beratung, Förderung und berufliche Orientierung in Deutschland ineinandergreifen.

Klaus Wittmann vom Berufsschulzentrum Roth beschreibt den Austausch als wichtigen Schritt für beide Seiten. „Solche Begegnungen helfen uns sehr, die eigene Perspektive zu erweitern. Unser Berufsschulzentrum wächst an diesem Austausch und am ‚Internationalsein‘. Gleichzeitig knüpfen wir Kontakte, aus denen später vielleicht noch mehr entstehen kann – bis hin zu einem Schüleraustausch mit Spanien.“

Besonders eindrücklich fiel der Vergleich der Systeme aus. Dino Jansen, einer der Lehrer der spanischen Gruppe, spricht von einem echten Kulturschock. „In Deutschland gibt es sehr viele Angebote, viel Unterstützung und viele Möglichkeiten. Berufsberatung hat hier einen ganz anderen Stellenwert als in Spanien. Das ist sehr beeindruckend.“

Dort sei die Lage deutlich anders, berichtet Jansen. Es gebe in Spanien keine eigenständige Berufsberatung in der Form, wie sie in Deutschland üblich sei. Entsprechende Aufgaben lägen häufig gebündelt bei schulischen Stellen, die zugleich soziale, psychologische und berufsbezogene Themen abdecken. Auch das Ausbildungssystem unterscheide sich spürbar. Zwar gebe es in Spanien ebenfalls Ansätze eines dualen Modells, mit dem deutschen System sei das aber nur eingeschränkt vergleichbar. „Viele junge Menschen erhalten während der Ausbildung kein eigenes Einkommen. Deshalb wohnen viele oft deutlich länger bei ihren Eltern und gehen später den Schritt in die Selbstständigkeit.“

Auch der Blick auf den Ausbildungsmarkt zeigt klare Unterschiede, ergänzt Wittmann. Während in Deutschland viele Betriebe intensiv um Nachwuchs werben, sei die Lage in Spanien stärker durch Konkurrenz unter den jungen Menschen geprägt. Nach seiner Einschätzung wählen Unternehmen dort oft sehr nüchtern aus einer großen Zahl guter Bewerber*innen aus. „Die Jugendarbeitslosigkeit ist daher noch immer groß“, weil weder junge Erwachsene noch Betriebe viel voneinander wissen und daher seltener ein Volltreffer entsteht, was den richtigen Beruf betrifft“, so Wittmann.

Teamleiter Michael Scheuerlein betont abschließend die Bedeutung solcher Begegnungen für die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. „Internationale Einblicke machen sichtbar, wie unterschiedlich Wege in Ausbildung und Beruf organisiert sein können. Gerade deshalb ist dieser Austausch so wertvoll. Wir haben die Gäste sehr gerne in der Agentur für Arbeit empfangen und freuen uns, wenn aus solchen Besuchen neue Kontakte und jeweils neue Ideen entstehen.“