Der Unterricht endet kurz vor 13 Uhr. Für viele beginnt danach der zweite Teil des Tages: Familie, Termine, Alltag. Für angehende Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner in Teilzeitausbildung ist genau das kein Widerspruch, sondern Konzept. Bei der ANRegiomed Akademie in Dinkelsbühl zeigt sich, wie eine Ausbildung in der Pflege mit dem Leben vereinbar bleibt – und warum dieses Modell für viele ein echter Einstieg in einen sinnstiftenden und sicheren Beruf ist.
Yesim Taner ist 45 Jahre alt, gebürtige Rothenburgerin und hat fünf Kinder. Vier sind minderjährig – von denen eines pflegebedürftig ist. Für Taner ist die Teilzeitausbildung deshalb der einzige Weg, die familiäre Verantwortung mit dem beruflichen Aufstieg in den Pflege-Wunschberuf unter einen Hut zu bringen. Sie sagt: „Die Akademie hält mir den Rücken frei, auch wenn ich mich um meine Kinder kümmern muss. Wir sind hier im Klassengefüge eine kleine Familie und auch die Leitung steht mir in allen Fragen zur Seite.“
Teilzeitausbildung: Förderung und Flexibilität
Die Agentur für Arbeit begleitet ihren Weg aktiv mit Förderung. Gerade Menschen mit familiären Verpflichtungen oder einem späteren beruflichen Neustart eröffnet die Teilzeitausbildung neue Perspektiven. Sie verbindet eine staatlich anerkannte Ausbildung mit flexiblen Strukturen und verlässlicher Planung – ein Ansatz, der dem steigenden Fachkräftebedarf in der Pflege ebenso Rechnung trägt wie den individuellen Lebensrealitäten der Auszubildenden.
Taner ergänzt: „Viele andere Auszubildende fragen mich oft, ‚wie schaffst Du das?‘. Dann erkläre ich immer die Vorteile des Teilzeitmodells.“ Die Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann in Teilzeit ist auf viereinhalb Jahre angelegt. Sollten persönliche Umstände es verlangen, kann die Ausbildung auf bis zu sechs Jahre gestreckt werden.
Theorie- und Praxisphasen wechseln sich blockweise ab. Der Unterricht an der Pflegeschule findet vormittags statt, in der Regel zwischen 8:00 und 12:50 Uhr. Schulferien sind unterrichtsfrei, der Urlaub orientiert sich an den bayerischen Schulferien. Taner ergänzt: „Wenn zum Beispiel ein Kind krank ist, kann ich online meinem Unterricht beiwohnen. Das zählt dann als normale Teilnahme.“
Teilzeitausbildung in der Pflege einzigartig in Mittelfranken
Schulleiterin Barbara Berner-Ehrmann erläutert: „Dieses Modell ist mittelfrankenweit einzigartig. Bei uns bleiben die Teilzeitklassen über die gesamte Ausbildungsdauer zusammen. So entstehen ein enges Klassengefüge und echte Freundschaften fürs Leben.“ Ihren Praxisanteil können Auszubildende im Radius von etwa 50 Kilometern um Dinkelsbühl absolvieren. Die Auszubildenden sammeln Erfahrungen in unterschiedlichen Versorgungsbereichen – von der stationären Akut- und Langzeitpflege über die ambulante Langzeitpflege bis hin zu Psychiatrie und Kinderpflege. Individuelle Wunscheinsätze sind möglich.
Halbtags und planbar – Familie und Pflegeausbildung kein Widerspruch
Taner, die ihren Praxisort im heimischen Rothenburg hat, beschreibt vor allem die Kombination aus Struktur und Flexibilität als entscheidend. Die klaren Unterrichtszeiten, die planbaren Praxisphasen und die enge Begleitung hätten es ihr ermöglicht, Ausbildung und private Verpflichtungen miteinander zu verbinden. Gleichzeitig habe sie früh Verantwortung übernommen und die Vielfalt der Pflege kennengelernt – fachlich wie menschlich. Sie erzählt: „Durch meine Eindrücke in der Ausbildung weiß ich, dass ich im Bereich der Endoskopie bleiben will. Dieser Bereich ist auch für die Behandlung meiner pflegebedürftigen Tochter sehr wichtig. Deshalb habe ich einen starken persönlichen Bezug zu meiner Arbeit.“
Ein zentrales Element der Ausbildung ist die persönliche Begleitung. Engagierte Praxisanleiter*innen unterstützen die Auszubildenden im Berufsalltag, Theorie und Praxis greifen eng ineinander. Die Ausbildung schließt mit einem staatlich anerkannten Abschluss ab und ist grundsätzlich förderfähig – hierzu berät die Agentur für Arbeit individuell. Gefördert können Teilzeit-Auszubildende bereits etwa so viel verdienen wie fertig ausgebildete Pflegehelfende. Nach erfolgreicher Ausbildung winkt dann ein höheres Gehalt im Bereich von etwa 3.700 Brutto plus Schichtzulagen (Vollzeit).
Teilzeitausbildung für dringend gesuchte Pflege-Fachkräfte gefördert
Pflege bleibt ein Beruf mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung und langfristiger Sicherheit. Die Teilzeitausbildung erweitert den Zugang zu diesem Berufsfeld deutlich. Sie spricht Menschen an, die Verantwortung übernehmen wollen, ohne ihre familiären oder persönlichen Rahmenbedingungen aus dem Blick zu verlieren. Auch für den regionalen Arbeitsmarkt ist dieses Modell ein wichtiger Baustein zur Fachkräftesicherung.
Angelika Süßmuth von der Agentur für Arbeit Ansbach-Weißenburg sagt: „Die Pflege ist eine tragende Säule der Gesellschaft und auch ein finanziell attraktiver Beruf. Wir als Agentur ermöglichen mit der Förderung der Teilzeitausbildung vielen Menschen den Zugang, die ihn bislang nicht für möglich hielten.“
Bewerber*innen müssen neben Motivation, Verantwortungsbewusstsein und Empathie einen mittleren Bildungsabschluss oder eine mindestens zweijährige Ausbildung und einen Mittelschulabschluss mitbringen. Interessierte an der Teilzeitausbildung in der Pflege können sich bei der Agentur für Arbeit individuell beraten lassen. Gemeinsam mit den Ausbildungspartnern vor Ort werden Wege in den Pflegeberuf entwickelt – passgenau und realistisch. Am 1. April 2026 startet in der ANRegiomed Akademie die nächste Klasse – freie Plätze sind noch verfügbar.