Zwei Ausbildungsstellen für jeden Bewerber

Zwei Monate vor Ende des Schuljahres gibt es für die Schülerinnen und Schüler, die im Sommer ihren Abschluss in der Tasche haben, gute Nachrichten: Wer im August eine Ausbildung in der Region Hersfeld-Rotenburg beginnen möchte, der hat beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz – vielleicht sogar im Wunschberuf. 

22.04.2026 | Presseinfo Nr. 35

Zwei Ausbildungsstellen für jeden Bewerber
Netzwerkpartner ziehen Halbjahresbilanz / „Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen hoch“

Zwei Monate vor Ende des Schuljahres gibt es für die Schülerinnen und Schüler, die im Sommer ihren Abschluss in der Tasche haben, gute Nachrichten: Wer im August eine Ausbildung in der Region Hersfeld-Rotenburg beginnen möchte, der hat beste Chancen auf einen Ausbildungsplatz – vielleicht sogar im Wunschberuf. 
„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in der Region ist hoch, sogar höher als im vergangenen Jahr“, erklärte Karsten Hesse, Geschäftsführer für den operativen Bereich der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, im Rahmen der Ausbildungsmarktkonferenz Hersfeld-Rotenburg. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertreter von Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft, Staatlichem Schulamt und Kreisjobcenter zog die Arbeitsagentur eine Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt. 
„Die Unternehmen in der Region haben erkannt, dass trotz aller Unsicherheiten aufgrund weltpolitischer Ereignisse die größte Herausforderung der Mangel an Fachkräften bleiben wird“, freute sich Karsten Hesse. So stellten Arbeitgeber beispielsweise im Maschinenbau, im Einzelhandel und im Baubereich mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung als im Vorjahr. Rein rechnerisch hat jeder junge Mensch, der bei der Arbeitsagentur oder beim Jobcenter des Landkreises Hersfeld-Rotenburg als Bewerber*in registriert ist, zwei Ausbildungsstellen zur Auswahl.
Deutlich wurde, dass angesichts der großen Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage durch zielgerichtete Unterstützungsangebote von Arbeitsagentur und Kreisjobcenter möglichst jeder junge Mensch zur Ausbildungsreife gelangen sollte – sei es durch Sprachkurse, durch Hilfestellungen im sozialen Bereich oder in fachlicher Hinsicht. Letztere wird beispielsweise durch eine Art Nachhilfeunterricht, die „Assistierte Ausbildung“, geleistet, sowie durch berufsvorbereitende Maßnahmen, in denen die Teilnehmenden durch Praktika verschiedene Berufsfelder und Betriebe kennenlernen.

Statements der Netzwerkpartner:
René Bieber (Jobcenter des Landkreises Hersfeld-Rotenburg):
„Der Ausbildungsmarkt ist aus Sicht des Kommunalen Jobcenters nach wie vor sehr offen und aufnahmefähig (Angebotsüberhang), obwohl schon erste Tendenzen der Verdichtung erkennbar sind. So individuell wie jeder Auszubildende ist, sind auch die Betriebe. Trotz der vorhandenen offenen Ausbildungsstellen erfüllen die Bewerberinnen und Bewerber häufig nicht die geforderten Voraussetzungen. Es fehlen beispielsweise erforderliche Schulab-schlüsse, die psychische und physische Belastbarkeit weisen Defizite auf oder die sozialen Kompetenzen sind noch nicht ausreichend ausgeprägt. Auch mangelnde Sprachkenntnisse in Wort und Schrift stellen nach wie vor ein Vermittlungshemmnis dar. Um die Jugendlichen optimal auf eine Ausbildung vorzubereiten (um dadurch eine nachhaltige Integration in Ausbildung zu erzielen) bedarf es zielgerichteter und langfristig ausgelegter Maßnahmen. Bei den Jugendlichen haben sich derzeit die Berufsfelder Büro- und Verwaltung, Medizinische Fachangestellte, Handwerk sowie der IT-Bereich als besonders beliebt herausgestellt; auch der Beruf des Friseurs erfreut sich großer Beliebtheit.
Aus Sicht der Ausbildungsbetriebe besteht das größte Problem neben fehlenden Deutschkenntnissen generell in der Haltung der jungen Menschen: Schlüsselqualifikationen wie z.B. Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Leistungsbereitschaft, Durchaltvermögen, Sorgfalt etc. liegen häufig nicht vor.
Die Unfähigkeit, sich im Team einzuordnen und Anweisungen anzunehmen, führt oft zu Ab-rüchen der Ausbildungsverhältnisse.“

Eugen Reinhardt, Geschäftsführer Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg:
„Der Ausbildungsmarkt im Handwerk zeigt sich in der frühen Erhebungsphase mit begrenzter Datentiefe, insgesamt aber ohne größere Überraschungen. Stabil scheinen derzeit Maler und Kfz-Mechatroniker zu sein, auch Elektroniker sind gefragt. Schwach bleiben Metallbauer, Friseure, Tischler und besonders das Lebensmittelhandwerk. Betriebe agieren vorsichtiger und bieten weniger Praktika. Dennoch bleibt das Handwerk zukunftsfest – viele Tätigkeiten sind nicht durch KI ersetzbar.“

Jens Hartmann (Bildungsberater IHK Kassel-Marburg):
„Die Ausbildungsbilanz im Landkreis Hersfeld -Rotenburg bleibt stabil. Zum Stichtag 31.03.2026 verzeichnet die IHK im Landkreis einen Rückgang bei gewerblich-technischen sowie einen Anstieg bei kaufmännischen Ausbildungsberufen. Eine leichte Zurückhaltung bei Neueinstellungen ist im Moment noch spürbar, wirkt sich jedoch nicht gravierend aus. Der Landkreis profitiert weiterhin von seinem breiten Ausbildungsangebot und dem Engagement aller Beteiligten. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.“

Dirk Beulshausen (Staatl. Schulamt Bebra):
„An den drei Beruflichen Schulen im Landkreis befinden sich die Schülerzahlen insgesamt sowohl in den Vollzeitschulformen als auch in dem Bereich der Beschulung von Auszubildenden auf dem Niveau der letzten Jahre. Es ist aus Sicht des Staatlichen Schulamtes davon auszugehen, dass die zahlreichen Beratungs- und Informationsmaßnahmen (bspw. die verschiedenen Ausbildungsmessen), die auch durch die Schulen intensiv angeboten wurden, entsprechend positive Wirkung entfaltet haben, um so die bestehende Lücke zwischen den Bewerberinnen/Bewerbern und den zur Verfügung stehenden Ausbildungs-plätzen zu schließen.“