Zwei Monate vor Ende des Schuljahres gibt es für die Schülerinnen und Schüler, die im Sommer ihren Abschluss in der Tasche haben, gute Nachrichten: Wer im August eine Ausbildung in der Region Fulda beginnen möchte, der hat gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
„Aufgrund der Unsicherheiten in Folge weltpolitischer Ereignisse ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in der Region etwas gesunken. Dennoch hat rein rechnerisch jeder junge Mensch, der bei der Arbeitsagentur oder beim Jobcenter des Landkreises Fulda als Bewerber*in registriert ist, mehr als eine Ausbildungsstelle zur Auswahl“, erklärte Karsten Hesse, stellvertretender Leiter der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, im Rahmen der Ausbildungsmarktkonferenz Fulda. Zusammen mit Vertreterinnen und Vertreter von Industrie- und Handelskammer, Kreishandwerkerschaft, Staatlichem Schulamt und Kreisjobcenter zog die Arbeitsagentur eine Zwischenbilanz zum Ausbildungsmarkt.
Nahezu in allen Bereichen übersteigt die Anzahl der Ausbildungsstellen die der Bewerben-den. Besonders groß ist diese Lücke im Verkauf und Handel, bei Versicherungs- und Finanzdienstleistungen, in der Lagerwirtschaft sowie in Maschinenbau- und Betriebstechnik.
Deutlich wurde, dass angesichts der großen Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage durch zielgerichtete Unterstützungsangebote von Arbeitsagentur und Kreisjobcenter möglichst jeder junge Mensch zur Ausbildungsreife gelangen sollte – sei es durch Sprachkurse, durch Hilfestellungen im sozialen Bereich oder in fachlicher Hinsicht. Letztere wird beispielsweise durch eine Art Nachhilfeunterricht, die „Assistierte Ausbildung“, geleistet, sowie durch berufsvorbereitende Maßnahmen, in denen die Teilnehmenden durch Praktika verschiedene Berufsfelder und Betriebe kennenlernen.
Statements der Netzwerkpartner:
Markus Vogt (Jobcenter des Landkreises Fulda):
„Von September 2025 bis März 2026 sind 85 Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Zuständigkeitsbereich des Kreisjobcenters als ausbildungsplatzsuchend registriert worden. Die Zahlen bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Einige der Bewerberinnen und Bewerber haben bereits einen Ausbildungsplatz oder eine andere Anschlussperspektive gefunden. Bei vielen ist die berufliche Zukunft aber derzeit noch unklar, was neben persönlichen Gründen vor allem auf den schwieriger werdenden Ausbildungsmarkt im Landkreis Fulda zurückzuführen ist. Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit arbeitet das Fallmanagement des Kreisjobcenters intensiv daran, allen jungen Menschen eine passende Zukunftsperspektive zu ermöglichen.“
Denise Otto (IHK Fulda):
„Die Halbjahreszahlen zeigen einen Rückgang ausbildungswilliger Betriebe und der Ausbildungsverträge. Besonders betroffen ist der kaufmännische Bereich, während gewerblich technische Berufe leicht zulegen. Starke Einbrüche gibt es bei technischen Produktdesignern. Die angespannte Wirtschaftslage und fehlende Ausbildungsreife vieler Schulabgänger:innen verstärken diesen Trend – trotz des großen Fachkräftebedarfs in der Region.“
Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer und Lukas Henke (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda):
„Nach dem Höchststand von 488 Ausbildungsverhältnissen in den uns zugehörigen Gewerken im Jahr 2017 und einem Tiefpunkt von 390 im Jahr 2024 haben wir in 2025 mit 429 Verträgen wieder eine klare Erholung gesehen“, betonen. „Besonders Berufe wie Kfz-Mechatroniker mit 100 Neuverträgen oder Anlagenmechaniker mit 43 zeigen die Stärke technischer Gewerke. Für 2026 können wir noch keine verlässliche Prognose abgeben, hoffen aber, dass sich weiter herumspricht: Das Handwerk bietet sichere Jobs, gute Einkommen und echte Perspektiven.“