Weniger Stellen, mehr Arbeitslose – Trendwende bleibt aus

Die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Bad Homburg ist im Juni leicht angestiegen. 24.664 Menschen waren arbeitslos gemeldet und damit 0,2 Prozent mehr als im Mai. Die Arbeitslosenquote verbleibt bei 5,9 Prozent.  Gesunken ist die Zahl der neu gemeldeten freien Stellen. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung setzt sich der Rückgang weiter fort. 

30.06.2026 | Presseinfo Nr. 25

Eckwerte Arbeitsmarkt Juni 2026

„Auch im Juni hat es keine Entlastung am Arbeitsmarkt im Agenturbezirk gegeben“, resümiert Matthias Oppel, Leiter der Agentur für Arbeit Bad Homburg. „Die Chancen im Agenturbezirk eine neue Anstellung zu finden sind nach wie vor gegeben, aber die Hürden sind gestiegen. Der berufliche Einstieg und der berufliche Wechsel sind schwieriger geworden. Wir erleben, dass auch gut qualifizierte Menschen vor der Herausforderung stehen eine passende Stelle zu finden. Hinzu kommt, dass Unternehmen, trotz drohendem Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung, weiterhin zurückhaltend bei den Einstellungen sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig, aber überwiegend durch die Konjunkturschwäche begründet. In den kommenden Monaten wird der Fokus daher verstärkt auf dem direkten Austausch mit den Unternehmen liegen müssen. Neben der Qualifizierung von arbeitslosen Menschen rücken auch die Ausbildung und Qualifizierung zukünftiger Fachkräfte im Betrieb immer mehr in den Fokus. Hier unterstützen wir mit Beratungs- und Coachingangeboten.“ 

Beschäftigung 

Im Juni waren rund 1.100 Menschen weniger beschäftigt, als noch im Vorjahresmonat. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im Vergleich zum Landesdurchschnitt stärker zurückgegangen. Während der Rückgang in den beiden Taunuskreisen mit einem Minus von 0,1 Prozent weitestgehend auf einen stabilen Arbeitsmarkt hindeutet, fällt der Rückgang im Landkreis Groß-Gerau mit 1,1 Prozent deutlicher ins Gewicht. 

Der Rückgang im Landkreis Groß-Gerau schlägt sich überwiegend im Industriebeschäftigungsanteil nieder. Seit 2014 sank die Anzahl Industriebeschäftigter im Landkreis um rund 33 Prozent. 

Entwicklung der Arbeitslosigkeit 

Der Bestand an Arbeitslosen ist zum Vormonat leicht angestiegen. Zum Vorjahresmonat gab es einen Anstieg um 6,4 Prozent, der fast ausschließlich auf den Rechtskreis SGB III zurückzuführen ist. 

In allen drei Landkreisen stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat an, wen auch in unterschiedlicher Ausprägung. Der Arbeitsmarkt im Main-Taunus-Kreis zeigte sich weiterhin stabil (Plus 1,6 Prozent). Deutlicher fielen die Anstiege im Landkreis Groß-Gerau (Plus 5,6 Prozent) und im Hochtaunuskreis (Plus 14,2 Prozent) aus. Insgesamt waren im April 2026 24.664 Personen im Agenturbezirk arbeitslos gemeldet. Damit stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 1.476 Personen (Plus 6,4 Prozent) an. 

Die Arbeitslosenquote betrug im Agenturbezirk 5,9 Prozent. Das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Die beiden Taunuskreise lagen mit 4,9 Prozent im Hochtaunuskreis und 5,3 Prozent im Main-Taunus-Kreis deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Im Landkreis Groß-Gerau betrug die Quote 7,1 Prozent. 

Gemeldete Stellen

Die Situation am Stellenmarkt ist weiterhin rückläufig. Seit Jahresbeginn haben die Unternehmen rund 27 Prozent weniger offene Stellen an die Agentur für Arbeit gemeldet, als noch im Jahr zuvor. Die Rückgänge bilden das deutlichste Minus in Hessen ab. 

Aktuell werden 3.477 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit Bad Homburg geführt. Vor einem Jahr waren es noch 1.319 Stellen mehr. Besonders auffällig sind die Rückgänge im Landkreis Groß-Gerau (Minus 32,7 Prozent) und im Main-Taunus-Kreis (Minus 31,9 Prozent). Die Rückgänge im Hochtaunuskreis fallen mit 18,3 Prozent moderater aus. 

Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in den Dienstleistungsbranchen, im Gesundheits- und Sozialwesen, im Baugewerbe und im verarbeitenden Gewerbe. 

Teilnehmende an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen

Für die kommenden Monate ist nicht mit einer Entlastung am Arbeitsmarkt zu rechnen. Damit sich die Arbeitslosigkeit nicht weiter verfestigt, muss der Fokus auf einer Qualifizierungsstrategie liegen. Die strukturelle Transformation bewirkt, dass sich Stellenprofile an die veränderten Bedingungen des Arbeitsmarktes anpassen. Weiterbildungen und Umschulungen gewinnen immer mehr an Bedeutung. 

Im Juni 2026 waren 4.701 Personen, und damit 347 mehr als noch im Juni 2025, Teilnehmende in den arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Der Anteil der Teilnehmenden an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 4 Prozent. 

Die Situation in den drei Landkreisen stellte sich wie folgt dar: 

 HochtaunuskreisMain-Taunus-KreisLandkreis Groß-Gerau
Teilnehmende gesamt1.2921.7021.707
Aktivierungsmaßnahmen331744439
Berufliche Weiterbildung451450678

Ausbildungsmarkt

Die Situation am Ausbildungsmarkt bleibt weiterhin angespannt. Im Juni 2026 interessierten sich 3.829 Jugendliche für eine duale Ausbildung oder ein duales Studium und damit rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon haben bisher 2.096 Jugendliche noch nicht das passende Ausbildungsangebot gefunden. 

 Gemeldete BewerberVeränderung zum Vorjahr
Agenturbezirk3.829+10,4%
Hochtaunuskreis1.065+11,3%
Main-Taunus-Kreis981+18,5%
Landkreis Groß-Gerau1.783+5,9%


Demgegenüber standen 2.189 gemeldete Berufsausbildungsstellen, von denen aktuell noch 1.071 nicht besetzt sind. Damit haben die Unternehmen rund 22 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr. 

Rein rechnerisch kamen auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 176 Bewerbende. Aktuell sind 1.071 Ausbildungs- und duale Studienplätze frei, vor allem in den Branchen Einzelhandel, Verkauf, Groß- und Außenhandel und Lagerlogistik.  

 Gemeldete AusbildungsstellenDavon unbesetzt 
Agenturbezirk2.1891.071
Hochtaunuskreis668356
Main-Taunus-Kreis525260
Landkreis Groß-Gerau996455
Hinweis: Aufgrund von veränderten Prozessen bei der Erfassung von Ausbildungsstellen, ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell leicht unterzeichnet. 
Durch eine Vereinfachung des Prozesses, um eine Reduzierung des bürokratischen Aufwands für Unternehmen zu erreichen, können Ausbildungsstellen auch ohne erfasste Ausbildungsberechtigung aufgenommen werden. Diese Verfahrensänderung muss noch in die statistische Erhebung integriert werden. Dies wird im Sommer abgeschlossen sein.