
Die Situation am Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. Wirtschaftliche und konjunkturelle Probleme führten zu einer zurückhaltenden Ausbildungsbeteiligung der Betriebe. Unternehmen meldeten weniger offene Ausbildungsstellen und die Bereitschaft neue Ausbildungsverträge abzuschließen sank. Auf der anderen Seite interessierten sich mehr Jugendliche für eine Ausbildung.
Matthias Oppel, Leiter der Agentur für Arbeit Bad Homburg beschreibt die Situation auf dem Ausbildungsmarkt: „Aktuell ist es schwierig die Bewerberinnen und Bewerber in geeignete Ausbildungsstellen zu vermitteln. Betriebe haben im abgelaufenen Beratungsjahr deutlich weniger Ausbildungsstellen an die Agentur für Arbeit Bad Homburg gemeldet, als im Vorjahr. Im Agenturbezirk Bad Homburg sind insbesondere die Branchen Einzelhandel, Verkauf und Lagerlogistik von den schwierigen Rahmenbedingungen betroffen. Hier verzeichnen wir die höchsten Zahlen an unbesetzten Ausbildungsstellen. Auch wenn der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um rund 7 Prozent zurückgegangen ist, werden bestehende Passungsprobleme zwischen Unternehmen und Bewerbenden deutlich, wenn man bedenkt, dass sich rund 15 Prozent mehr junge Menschen für eine Ausbildung interessiert haben.“
Die Bilanz im Einzelnen
Entwicklung im Agenturbezirk Bad Homburg
Im Agenturbezirk stiegen im Berichtsjahr 2025/2026 die Zahlen der Bewerbenden, die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sank hingegen.
Die Unternehmen im Agenturbezirk meldeten 2.536 Ausbildungsstellen an die Agentur für Arbeit Bad Homburg, ein Minus von 15,9 Prozent zum Berichtsjahr 2024/2025. Zum Berichtsjahresende am 30. September 2026 waren insgesamt noch 338 Ausbildungsstellen unbesetzt. Auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen kamen 183 Bewerber*innen.
Insgesamt interessierten sich 4.542 Jugendliche für eine Ausbildung oder ein Duales Studium und haben sich bei der Berufsberatung gemeldet. Das waren 371 Jugendliche (Plus 8,9 Prozent) mehr als noch vor einem Jahr. Zum Stichtag am 30. September 2026 waren noch 616 Jugendliche unversorgt. Auf 100 unbesetzte Berufsausbildungsstellen kamen 182 unversorgte Bewerber*innen.
Die Berufsberatung vor dem Erwerbsleben legt bewusst den Fokus auf die Unterstützung von Jugendlichen mit hohem Unterstützungsbedarf. Hierfür stehen vielfältige Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung, um denjenigen zu helfen, die schwierige Startbedingungen haben, z.B. aufgrund fehlender Schulabschlüsse. In der Betreuung sind auch Jugendliche, die derzeit nicht in Ausbildung, Arbeit oder anderweitigen Maßnahmen sind und die bereits in den letzten Jahren unversorgt waren. Aufgrund der Passungsprobleme am Ausbildungsmarkt müssen auch immer häufiger alternative Möglichkeiten, wie beispielsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Berufsvorbereitende Maßnahme, ins Auge gefasst werden.
Ein weiterer Grund lag in der verminderten Anzahl von Ausbildungsstellen bei gestiegener Bewerberzahl. Auch wenn der Fachkräftebedarf weiterhin besteht, entscheiden sich Unternehmen immer häufiger dagegen weiterhin auszubilden, weil sie die wirtschaftliche Lage als unsicher einstufen, weil sie in den vergangenen Jahren keine geeigneten Auszubildenden gefunden haben oder ihnen schlicht das Personal für mehr Ausbildungsbegleitung fehlt.
Insgesamt waren bei der Agentur für Arbeit Bad Homburg 4.542 Bewerber*innen gemeldet. Davon haben sich 3.926 bereits aus der Berufsberatung abgemeldet und eine Entscheidung für ihre Zukunft getroffen. Interessant ist die prozentuale Verteilung auf die unterschiedlichen Alternativen zum Verbleib der Jugendlichen:
35,9 Prozent in Ausbildung oder Dualem Studium
14,6 Prozent in Schule, Studium oder Praktikum
5,9 Prozent in Erwerbstätigkeit
3,9 Prozent in Arbeitslosigkeit
2,7 Prozent in Fördermaßnahmen
1,8 Prozent in gemeinnützigen oder sozialen Diensten
Die Entwicklung in den Landkreisen
Die Zahl der Bewerbenden stieg in allen drei Landkreisen im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Während der Anstieg im Main-Taunus-Kreis mit fast 15 Prozent am höchsten ausfiel, waren auch die Anstiege im Hochtaunuskreis (Plus 8,8 Prozent) und im Landkreis Groß-Gerau (Plus 6 Prozent) deutlich.
| Bewerbende | davon unversorgt | |
| Agenturbezirk gesamt | 4.542 | 616 |
| Hochtaunuskreis | 1.262 | 166 |
| Main-Taunus-Kreis | 1.153 | 166 |
| Landkreis Groß-Gerau | 2.127 | 284 |
In allen drei Landkreisen sank die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Die Unternehmen waren zurückhaltend bei der Meldung der offenen Ausbildungsstellen, im Main-Taunus-Kreis ging der Anteil um 20,8 Prozent zurück. Im Hochtaunuskreis (Minus 14,4 Prozent) und im Landkreis Groß-Gerau (Minus 13,9 Prozent) fielen die Rückgänge etwas geringer aber dennoch signifikant aus.
| Ausbildungsstellen | davon unbesetzt | |
| Agenturbezirk gesamt | 2.536 | 338 |
| Hochtaunuskreis | 747 | 119 |
| Main-Taunus-Kreis | 629 | 86 |
| Landkreis Groß-Gerau | 1.160 | 133 |
Die Zahlen bei der Relation der unbesetzten Ausbildungsstellen zu den unversorgten Bewerbenden unterstreichen die schwierige Lage am Ausbildungsmarkt. Auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen kamen im Agenturbezirk insgesamt 182 unversorgte Bewerbende. In den einzelnen Landkreisen verteilten sich die Zahlen wie folgt:
214 unversorgte Bewerbende auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis Groß-Gerau
139 unversorgte Bewerbende auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen im Hochtaunuskreis und
193 unversorgte Bewerbende auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen im Main-Taunus-Kreis.
