Der Weg in eine Ausbildung

02.07.2026 | Presseinfo Nr. 24

Das Wichtigste vorab: Zwei junge Frauen haben diesen Weg erfolgreich bewältigt. Sie werden im August als zwei von drei weiblichen Azubis eine Ausbildung zur Industriemechanikerin im Bad Kreuznacher Michelin Reifenwerk beginnen. In diesen Tagen wurden die Vertragsunterlagen unterzeichnet. Damit ist der Startschuss einer Karriere in einem technisch anspruchsvollen Beruf erfolgt.

Der Reihe nach: Stella Schiavo (16) und Zoe Gareis (17) könnten unterschiedlicher nicht sein. Stella wirkt cool und vermittelt einen sehr entschlossenen Eindruck. Zoe ist auf den ersten Blick etwas zurückhaltender. Aber auch sie weiß, was sie will. Ihr ist es vorab wichtig, strategisch vorzugehen und dann wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen. 

Beide stehen seit den letzten beiden Schuljahren in regelmäßigem Kontakt mit Berufsberaterinnen der Agentur für Arbeit. Schon frühzeitig haben sie sich um ihre berufliche Orientierung gekümmert. Und für beide wurde ein berufsvorbereitendes Jahr bei der Fortbildungsakademie der Wirtschaft empfohlen. Zum einen sollen schultheoretische Inhalte auf den Berufswunsch bezogen stabilisiert, zum anderen durch die Möglichkeit von Praktika die Entscheidung für den Beruf unterfüttert werden. Stella wird seit letztem September und Zoe seit März in den Räumlichkeiten der Akademie in der Wilhelmstraße unterrichtet, begleitet und vorbereitet.

Stella stammt aus einer Handwerkerfamilie und das Schrauben liegt ihr im Blut. „Meinen ersten Ölwechsel habe ich mit zehn gemacht“, erzählt die gerade einmal 16-Jährige stolz. Der erste Berufswunsch war deshalb Zweiradmechatronikerin, zumal Stella gut in Mathematik ist. Die Grundlagen für eine technische oder handwerkliche Ausbildung sind also da. Was Stella laut Bildungsbegleiter Jörg Gniesmer von der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Bad Kreuznach aber besonders auszeichnet, ist ihre Zuverlässigkeit und ihre Arbeitseinstellung. „Ich kann keine Arbeit liegen sehen“, unterstreicht sie. Sie arbeitet schnell, ist dabei umsichtig und auf Arbeitssicherheit und Sauberkeit bedacht. 

Zoe beschäftigte sich ebenfalls sehr früh mit für sie passenden Berufsbildern und interessierte sich für eine größere Bandbreite. Deshalb schnupperte sie in Praktika in verschiedene Berufe hinein. Das Handwerk interessierte sie sehr, sie dachte aber auch über einen Bürojob nach. Fachkraft für Lagerlogistik schien ihr letztlich eine gute Mischung zwischen Büro und Werk- beziehungsweise Lagerhalle als Arbeitsort zu sein. Nicht aufgrund der Entscheidung für den Beruf, sondern wegen Rahmenbedingungen in der Berufsschule brach Zoe diese Ausbildung jedoch ab. Jetzt fokussierte sie sich dank der Unterstützung durch FAW mehr auf handwerklich/technische Berufe.

Als Chiara Benkner vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Bad Kreuznach Anfang April erfuhr, dass Michelin gerne noch in diesem Jahr zwei junge Frauen in Ausbildung nehmen möchte, ging sie sofort auf ihre Kollegin Eva-Maria Picher von der Berufsberatung zu. Im Gespräch erfuhr sie von Stella Schiavo, die kurz vor Abschluss ihrer Berufsvorbereitung stand. Innerhalb eines Tages wurde für Stella ein Praktikum bei Michelin vereinbart. Jörg Gniesmer ergriff die Gelegenheit und schlug auch Zoe aufgrund seiner positiven Erfahrungen in der Berufsvorbereitung vor. So konnten die beiden ein Praktikum bei Michelin machen und sind seitdem Feuer und Flamme für den Beruf der Industriemechanikerin.

„Die beiden jungen Frauen waren im Praktikum super“, bestätigt Igor Kauz, Leiter der technischen Ausbildung bei Michelin in Bad Kreuznach. Der Reifenhersteller hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Frauen im Bad Kreuznacher Werk signifikant zu erhöhen und arbeitet sehr intensiv daran. Auch mit Unterstützung der Arbeitsagentur wurden bereits zahlreiche Aktionen und Recruiting-Initiativen durchgeführt. Michelin Personalleiterin Heike Notzon betont: „Wir möchten Vorurteile abbauen und die vielfältigen Arbeits- und Karrierechancen gerade auch für Frauen in unseren Teams bekannter machen.“ Diesem Ziel ist man nun ein weiteres Stück nähergekommen.

Stella und Zoe haben den Weg in die Ausbildung geschafft. Die Beispiele zeigen, dass es vielfältige Wege in den Beruf gibt: Mal direkt, mal mit Umwegen. Immer wieder gibt es Abzweigungen, an denen ein neutraler Gesprächspartner Ordnung in das vermeintliche Chaos an Informationen und Möglichkeiten bringen kann.

Die Bald-Azubis sind sich einig, dass sie diese große Chance auch der Unterstützung von Arbeitsagentur und Berufsvorbereitung zu verdanken haben. Die Begleitung in den Monaten und Jahren des Berufswahlprozesses, die Vermittlungsaktivitäten und das gemeinsame Lernen und Üben in der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme waren wichtige Bausteine für die Entscheidung für den Beruf und die Realisierung einer entsprechenden Ausbildung. Die Förderung der Teilnahme an einer solchen Maßnahme ist für Jugendliche übrigens nur durch Zustimmung der Berufsberatung möglich. Ein Grund von vielen, die Profis bei der Berufswahl hinzuzuziehen.