Zwar saisonal üblich, aber mit einem geringeren Anstieg als in den Jahren zuvor startete der heimische Arbeitsmarkt in das zweite Halbjahr 2026. Wie in jedem Jahr nimmt die Arbeitslosigkeit zu Beginn der Ferienzeit zu. In den vergangenen vier Wochen meldeten sich 4.730 Menschen arbeitslos. Aus der Arbeitslosigkeit abmelden konnten sich dagegen nur 4.631 Personen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg dadurch im Vergleich zum Juni um 0,4 Prozent auf 20.750 und ist um 0,6 Prozent höher als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote beträgt unverändert 4,3 Prozent.
Vorübergehend mehr Jugendliche arbeitslos
„Unter den knapp 90 neuen Arbeitslosen sind allein rund 80 junge Leute. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen bis unter 25 Jahren ist meist auf die Überbrückungszeit zwischen dem Ende der Lehrzeit oder Schulausbildung und dem Beginn einer Erwerbstätigkeit zurückzuführen“, informiert Markus Nill, Leiter der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen.
Vor Beginn der Sommer- und Handwerkerferien führen Quartalskündigungen und das Ende schulischer und betrieblicher Ausbildungen zu mehr Arbeitslosmeldungen. Besonders die Zahl arbeitsloser Jugendlicher steigt im Juli immer. „Das sind aber meist gut ausgebildete junge Leute, die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind und in der Regel schon bald wieder ihre Arbeitslosigkeit beenden können“, betont Nill.
Arbeitsmarkt weiterhin aufnahmefähig
Zwar haben im Juli deutlich mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verloren als noch im Monat zuvor. Der Arbeitsmarkt ist aber weiterhin in Bewegung und aufnahmefähig. Das belegen die ebenfalls spürbar gestiegene Zahl derer, die einen neuen Job gefunden haben und die wieder steigende Nachfrage nach Arbeitskräften. Mit rund 28 Prozent mehr neuen Stellenmeldungen sind nun über 5.000 freie Stellen im Bestand der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen.
Ausbildungsmarkt - gut für Jugendliche, schwierig für Betriebe
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Region ist weiter günstig für Jugendliche. Zwar haben von den ursprünglich gemeldeten 3.618 Bewerberinnen und Bewerbern noch 1.334 bisher weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden. Dem stehen aber bisher insgesamt 6.099 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, von denen derzeit noch 2.408 unbesetzt sind. Das sind zwar weniger als vor einem Jahr, aber dennoch haben die Jugendlichen zumindest rechnerisch noch gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz.
Entwicklung in den Rechtskreisen
Die Jobcenter sind für die Grundsicherung zuständig und betreuen die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). In ihrem Zuständigkeitsbereich ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 160 Personen gesunken. Für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem SGB III, dem die in der Regel nicht länger als ein Jahr Arbeitslosen zuzuordnen sind, ist die Agentur für Arbeit unmittelbar zuständig. Vor allem wegen der Zunahme von Arbeitslosmeldungen von Frauen und Jüngeren stieg hier die Arbeitslosigkeit um knapp 250 Personen an.
Entwicklung regional unterschiedlich
Zur Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen gehören die Landkreise Reutlingen, Tübingen, Sigmaringen und Zollernalbkreis. Wären in den Geschäftsbereichen Münsingen und Sigmaringen die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat annähernd unverändert blieb, nahm sie in Reutlingen und Tübingen jeweils im rund 110 Personen zu. Dagegen verzeichneten Balingen mit knapp 90 und Albstadt mit knapp 60 Arbeitslosen weniger sogar einen Rückgang der Arbeitslosigkeit.