Saisonüblicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im „Übergangsmonat“ August

- 21.622 Arbeitslose im August in der Region

- Arbeitslosenquote steigt auf 4,5 Prozent

- Leichter Anstieg bei den Stellenangeboten

28.08.2026 | Presseinfo Nr. 54

Von einem „saisonbedingten Anstieg“ der Arbeitslosigkeit spricht man in der Regel in den Sommermonaten Juli und August. Viele Ausbildungen und Schulzeiten enden im Sommer, Neueinstellungen werden auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben und auch befristete Arbeitsverträge enden oftmals zum Sommer. So ist auch im August 2026 die Arbeitslosigkeit – wie schon im Juli – saisonüblich angestiegen.

5.248 Menschen meldeten sich in den vergangenen vier Wochen arbeitslos, 518 mehr als noch im Juli. Da sich im selben Zeitraum nur 4.379 Menschen aus der Arbeitslosigkeit abmeldeten, stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Juli um 4,2 Prozent auf jetzt 21.622 Personen. Im Vergleich zum August des Vorjahres sind das allerdings sogar 0,2 Prozent beziehungsweise 38 Personen weniger. Gestiegen ist die Arbeitslosenquote im Bezirk der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen trotzdem. Sie liegt jetzt bei 4,5 Prozent (Vormonat 4,3 Prozent).

„August ist für viele ein Übergangsmonat“
Dennoch deuten die Veränderungen zum Vormonat bei den Jüngeren (bis 25 Jahre) und ein deutlicher Anstieg des Zugangs aus Ausbildung (plus 24,8 Prozent) auf eine schlechtere Übernahme der Betriebe von Auszubildenden hin.

Keinen Grund zur Sorge sieht darin Markus Nill, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen: „Der August ist für viele – vor allem junge – Menschen ein Übergangsmonat zwischen Schule oder Ausbildung und dem nächsten Schritt ins Berufsleben. Insofern sind etwas höhere Arbeitslosenzahlen im August gerade bei den Jüngeren noch kein Grund zur Besorgnis, sondern saisonüblich und bedeuten nicht, dass sich ihre langfristigen Beschäftigungschancen verschlechtert haben.“

Auffällig ist in der Region vor allem auch ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit von Frauen, bei denen im August des Vorjahres noch ein Rückgang zu verzeichnen war.

Negative Zahlen vor allem im Kreis Reutlingen
Zur Agentur für Arbeit Balingen-Reutlingen gehören die Landkreise Reutlingen, Tübingen, Sigmaringen und Zollernalbkreis. Die Veränderung zum Vorjahresmonat wird im August vor allem durch den Kreis Reutlingen negativ beeinflusst. Alle anderen Kreise im Agenturbezirk verzeichnen einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, nur im Kreis Reutlingen steigt die Zahl der Arbeitslosen an.

Anstieg der Arbeitslosenzahlen vor allem im Bereich der Arbeitslosenversicherung
Die Jobcenter sind für die Grundsicherung zuständig und betreuen die erwerbsfähigen Leistungsberechtigten nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II). In ihrem Zuständigkeitsbereich ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 242 Personen gestiegen. Für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem SGB III, dem die in der Regel nicht länger als ein Jahr Arbeitslosen zuzuordnen sind, ist die Agentur für Arbeit unmittelbar zuständig. Vor allem wegen der bereits erwähnten Zunahme von Arbeitslosmeldungen von Frauen und Jüngeren stieg hier die Arbeitslosigkeit um 630 Personen an. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im August ist also zu fast drei Vierteln im Rechtskreis SGB III zu verorten.

„Auch das ist ein Indiz für die saisonbedingte Arbeitslosigkeit“, erklärt Markus Nill. „Die Kombination aus saisonalen Übergängen nach Schule und Ausbildung sowie eine schwächere Dynamik bei Neueinstellungen führen zu vermehrten kurzfristigen Zugängen.“

Bestand an Arbeitsstellen in fast allen Wirtschaftszweigen gestiegen
Bei der Nachfrage nach Arbeitskräften gibt es im Vergleich zum Vorjahr einen starken Anstieg an Stellenmeldungen (plus 239 gemeldete Arbeitsstellen), während der Bestand an Arbeitsstellen deutlich unter dem August des Vorjahres liegt (minus 682 Stellenangebote). Die Arbeitskräftenachfrage aus den beschäftigungsstarken Wirtschaftszweigen Verarbeitendes Gewerbe und Handel bleibt auf einem schwachen Niveau, die übrigen Wirtschaftszweige haben sowohl beim Zugang als auch beim Bestand ihren Anteil gesteigert.

Ausbildungsmarkt – gut für Jugendliche, schwierig für Betriebe
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in der Region ist nach wie vor günstig für Jugendliche. Zwar haben von den ursprünglich gemeldeten 3.726 Bewerberinnen und Bewerbern noch 879 bisher weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden. Dem stehen aber bisher insgesamt 6.197 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber, von denen derzeit noch 1.975 unbesetzt sind. Das sind zwar weniger als vor einem Jahr, aber dennoch haben die Jugendlichen zumindest rechnerisch noch gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz.