Mittagsstunde. Ruhrschnellweg. Eben schnell „anne“ Bude. Hier gibt es Nervennahrung für die Maloche oder einfach nur weil es lecker ist. Das Bestellen von Pommes mit Mayo oder ne klassische Currywurst vom Grill ist am Imbiss so normal wie das Gebet in der Kirche. Seit August ist das auch „Anne 40“ möglich. Hier kann man nach Herzenslust schnelle Imbissvarianten schlemmen, aber auch gute Hausmannskost genießen. „Anne 40“ wird von Benny Brunner geführt. Seit 2011 leitet er das Fiege`s Stammhaus in Bochum und nun auch den neuen Imbiss. Alleine schafft er das nicht, das war schnell klar. Mehr Personal musste her und so kam er über Umwege auf den jungen Miguel-Antonio Risueno-Gonzalez.
Miguel ist 19 Jahre und hat eine Förderschule für geistige Entwicklung besucht. Aufgrund seiner Behinderung – unter anderem eine erhebliche Lese-/Rechtschreibschwäche – war ihm ein regulärer Schulabschluss nicht möglich. Nach der Schule sollte er in einer Werkstatt für Behinderte arbeiten. Eine Möglichkeit, die gut gemeint war. Er schloss sie aber sogleich für sich aus. Von da an begleitete ihn die Agentur für Arbeit engmaschig. Über sie und den Träger Groene für unterstützte Beschäftigung kam Miguel schließlich zu Benny Brunner ins Fiege`s Stammhaus.
Die Chemie stimmte gleich. Auch die anderen Beschäftigten kümmerten sich im FiegeStammhaus sogleich um den Praktikanten mit einer Behinderung. Schnell war klar: Es soll nicht bei dem Praktikum im Fiege-Stammhaus bleiben. Benny Brunner will sich weiter um den jungen Mann kümmern. Das Geschäft an der neuen Imbissbude brauchte dringend Unterstützung und er nahm ihn mit an den Ruhrschnellweg. Dass Miguel nicht alles übernehmen kann und noch viel lernen muss, war Brunner klar. Dennoch sieht er sowohl für sich als auch für den jungen Mann eine Chance in der neuen Imbissbude: „Miguel ist zwar nicht normal belastbar, aber schon jetzt eine gute Hilfe. Gemüse schnippeln, Kartoffel schälen und Schnitzel panieren läuft. Das muss auch gemacht werden. Ich bin zuversichtlich, dass ich ihm auch noch anderes beibringen kann. Jetzt soll er erst mal mehr Selbstvertrauen gewinnen. Dann sehen wir weiter“, so der Unternehmer.
Benny Brunner weiß, dass Miguels weitere Betreuung auch mehr Arbeit für ihn bedeutet. Er sieht sich aber in der Pflicht und erhält für sein Engagement seitens der Agentur für Arbeit sowohl finanzielle Unterstützung als auch eine Begleitung für seine neue Kraft durch den Bochumer Integrationsfachdienst. „Anne 40“ heißt es eben: „Einer für alle, alle für einen.“