Herne. Im Juni ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Der Rückgang im Vormonat hat sich nicht fortgesetzt. Demnach hatte die punktuelle Verbesserung im Mai keine Trendwende zu Folge. Im Gegenteil: Die Unternehmen zeigen sich noch immer verunsichert und zögern. Die Herausforderungen, die es zu meistern gibt, sind also nicht verschwunden.
Die weltweiten Krisen wirken sich weiter bis ins Ruhrgebiet aus. Es fehlt an Aufträgen und Material. Zum Teil werden sogar Baustellen stillgelegt. Hinzu kommt: Die Sommermonate sind von einer klassischen Sommerflaute geprägt und auch das Halbjahresende wirkt sich aus. Werden Verträge nicht verlängert und entfristet, schnellt Arbeitslosigkeit kurzfristig hoch. Der Arbeitsmarkt und die Anforderungen an Mitarbeitende verändern sich. Personalrekrutierungen werden weiter stark hinterfragt. Die Frage „Kann ich aktuell einstellen?“ bleibt. Vor allem aber überlegen die Unternehmen immer häufiger „Muss ich mit Blick auf die fortschreitenden Bedingungen noch einstellen? Macht das Sinn?“
Im Juni 2026 sind mit insgesamt 10.296 gemeldeten Arbeitslosen in Herne 102 Personen oder 1,0 Prozent mehr arbeitslos als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosigkeit damit um 192 Personen oder 1,9 Prozent erhöht. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen beträgt im Juni 12,3 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich auf 12,2 Prozent.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bochum, Christopher Meier, erklärt, worauf es jetzt ankommt: „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt schwierig. Wir dürfen uns nichts vormachen: Ohne einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung wird es keine spürbare Entlastung geben. Gleichzeitig gilt: Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, können wir die Chancen der Zukunft nutzen. Schon heute werden vor allem Fachkräfte gesucht – und dieser Bedarf wird weiter steigen. Gleichzeitig nehmen einfache Tätigkeiten und Helferstellen kontinuierlich ab. Für viele arbeitslose Menschen stellt das eine große Hürde dar, insbesondere dann, wenn sie über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Gerade deshalb dürfen wir in schwierigen Zeiten nicht nachlassen. Investitionen in Ausbildung, Qualifizierung und berufliche Perspektiven sind wichtiger denn je. Der demografische Wandel wird die Situation zusätzlich verschärfen: In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken. Umso wichtiger ist es, den Fachkräftebedarf von morgen schon heute zu sichern und junge Menschen bestmöglich auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Dabei geht es nicht nur um die wirtschaftliche Zukunft unserer Region, sondern auch um gesellschaftlichen Zusammenhalt und faire Chancen auf gute Arbeit für alle.“
Ausbildungsmarkt
Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2025 meldeten sich 995 Bewerbende Berufsausbildungsstellen. Das sind 96 weniger als im Vorjahreszeitraum oder minus 9 Prozent. Zugleich gab es 699 Meldungen für Berufsausbildungsstellen, das entspricht einem Minus von 336 Stellen oder minus 32 Prozent. Ende Juni waren 470 Bewerber noch unversorgt und 358 Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es weniger unversorgte Bewerber (minus 58 oder 11 Prozent), die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen war ebenfalls kleiner (minus 120 oder 25 Prozent).
Langzeitarbeitslosigkeit
Insgesamt 4.135 Personen (SGB III und SGB II) sind länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit derzeit in Herne langzeitarbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat sind dies 61 Langzeitarbeitslose mehr. Im Vergleich zum Vorjahr um diese Zeit steigt die Zahl um 175 Personen. 93,6 Prozent (3.869 Personen) aller Langzeitarbeitslosen sind in der Grundsicherung gemeldet.
Jugendarbeitslosigkeit
998 Jugendliche sind aktuell in Herne arbeitslos gemeldet. Zu den Jugendlichen zählen in der Arbeitsmarktstatistik alle Personen unter 25 Jahren. Verglichen mit dem Vormonat sind dies 23 Arbeitslose (2,4 Prozent) mehr. Verglichen mit dem Vorjahr um diese Zeit sind es 31 arbeitslose junge Menschen oder 3,2 Prozent mehr.
Arbeitslosigkeit der Älteren
Aktuell sind 3.400 ältere Personen in Herne arbeitslos gemeldet. Zu den Älteren Personen zählen in der Arbeitslosenstatistik alle, die das 50. Lebensjahr überschritten haben. Das sind im Vergleich zum Vormonat 23 Personen oder 0,7 Prozent mehr . Verglichen mit dem Vorjahr um diese Zeit sind es 129 Arbeitslose mehr (3,9 Prozent).
Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung – SGB III
Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III - Sozialgesetzbuch III) sind derzeit in Herne 2.562 Personen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat sind das 14 Personen oder 0,5 Prozent mehr. Im Vorjahresvergleich zeigt sich hier eine Erhöhung um 151 Personen oder 6,3 Prozent.
Entwicklung in der Grundsicherung – SGB II
Die Grundsicherung (SGB II - Sozialgesetzbuch II) zählt im Juni 2026 insgesamt 7.734 Arbeitslose. Das sind 88 Arbeitslose mehr (1,2 Prozent) als im Vormonat und verglichen mit dem Vorjahresmonat 41 Arbeitslose oder 0,5 Prozent mehr. Von allen Arbeitslosen sind damit rund 75,1 Prozent aller Arbeitslosen in der Grundsicherung gemeldet.
Stellenangebote
148 neue Stellenangebote wurden dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit im Juni 2026 gemeldet. Gegenüber dem Vormonat sind das 7 Stellenmeldungen weniger. Im Vergleich zum Vorjahr um diese Jahreszeit 28 neue gemeldete Stellen weniger. Im Bestand befinden sich in diesem Monat insgesamt 1.090 offene Stellen. Das sind 8 weniger als im Vormonat und 270 weniger als im Vorjahresmonat.
Unterbeschäftigung
In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen abgebildet, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsmarktpolitik sind oder sich in einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus befinden. Diese Personen werden zur Unterbeschäftigung gerechnet, weil sie für Menschen steht, denen ein reguläres Beschäftigungsverhältnis fehlt.
Insgesamt waren in diesem Monat 12.823 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Verglichen mit dem Vormonat sind das 40 Personen weniger. Ein Blick auf das Vorjahr zeigt einen Anstieg um 157 Personen.
Mehr Datenmaterial finden Sie anliegend oder unter https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/bochum/statistik
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