Gemeinsame Pressemitteilung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, der IHK Bonn/Rhein-Sieg, der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg und der Handwerkskammer zu Köln

Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt in Bonn/Rhein-Sieg 2025/2026

31.03.2026 | Presseinfo Nr. 11

Am Dienstag, den 31. März 2026 präsentierten die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, die Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg (IHK), die Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg und die Handwerkskammer zu Köln ihre Halbjahresbilanz am Ausbildungsmarkt des Berufsberatungsjahres 2025/26 für die Stadt Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis.

Dabei stellt die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg zur Halbzeit des Ausbildungsjahrs eine gegenläufige Entwicklung fest: „Die Zahl der Ausbildungsinteressierten steigt in diesem Jahr weiter an - obwohl die Gymnasien in unserer Region 2026 keinen Abiturjahrgang stellen“, sagt Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg. „Bei den Ausbildungsangeboten müssen wir derzeit ein Minus von mehr als einem Viertel verkraften.“

Aktuell gemeldete Ausbildungsstellen

Seit Beginn des Berichtsjahres hat die Agentur für Arbeit 3.104 gemeldete Ausbildungsstellen statistisch erfasst. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies 1.133 Stellen weniger oder ein Minus von 26,7 Prozent.

Die vorgenannte Zahl dürfte jedoch die Anzahl der tatsächlich gemeldeten Ausbildungsstellen im Agenturbezirk derzeit zu gering abbilden. Ursache ist eine bundesweite Verfahrensvereinfachung bei der Meldung von Ausbildungsstellen - die bis vor kurzem bedauerlicherweise von der BA-Statistik nicht erfasst wurde. Mithin liegt die Zahl der tatsächlich von den Arbeitgeber-Services und Berufsberatungen der Agenturen für Arbeit betreuten und vermittelbaren Ausbildungsstellen vermutlich höher als in der offiziellen Statistik wiedergegeben. Für den Agenturbezirk Bonn wird derzeit geschätzt, dass die Zahl der tatsächlich vorliegenden Ausbildungsstellen bei 3.240 liegt, der Rückgang zum Vorjahr sich also auf 23,5 Prozent beläuft. Aufgrund der Untererfassung liegen nur die Zahlen für den Agenturbezirk vor und nicht für die Stadt und den Kreis. Derzeit läuft eine Revision und Neuauszählung der erfassten und gemeldeten Ausbildungsstellen, die finalen Korrekturen liegen voraussichtlich im Juli vor.

Da die Abnahme des Ausbildungsangebots jedoch auch ohne Untererfassung deutlich ist, sagt Stefan Krause: „Angesichts des Fachkräftemangels betrachten wir den Rückgang des Ausbildungsangebots mit Sorge. Junge Menschen, die in diesem Jahr eine Ausbildung beginnen, machen 2029 ihren Abschluss. Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren viele Fachkräfte mit langjähriger Berufserfahrung in Rente. Betriebe, die jetzt nicht ausbilden, gehen ein hohes Risiko ein, in der Zukunft ins Hintertreffen zu geraten. Wir als Agentur für Arbeit glauben, dass ein Zuwachs an Ausbildungsstellen nicht nur jungen Menschen eine Zukunftsperspektive eröffnet, sondern auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist. Daher intensivieren wir unsere Anstrengungen, Ausbildungsstellen einzuwerben und bieten Unternehmen explizit Unterstützung an.“ Die Agentur für Arbeit helfe zudem sowohl bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden als auch mit der (finanziellen) Förderung von Auszubildenden, die derzeit den Ansprüchen noch nicht ganz genügen.

Derzeit sind 3.791 Menschen auf Ausbildungsplatzsuche. Dies sind noch einmal 134 bzw. 3,7 Prozent mehr Jugendliche als im Vorjahr. Der Anstieg betrifft weiterhin beide Geschlechter, wobei das Verhältnis von knapp zwei Dritteln männlicher Interessenten (+4,3 Prozent) und etwas über ein Drittel weibliche Interessierte (+2,5 Prozent) bestehen bleibt.

Ralf Steinhauer, Leiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Bonn, schreibt die steigende Nachfrage nach Ausbildungsstellen auch der intensivierten Berufsberatung an den Schulen zu. „Unserer Beraterinnen und Berater arbeiten eng mit der Lehrerschaft zusammen. Diese ermutigen Schülerinnen und Schüler die Orientierung brauchen, in unsere Sprechstunden zu kommen, so dass wir mit ihnen Zukunftsperspektiven entwickeln können“, sagt Steinhauer. Er wirbt dafür, die Angebote der Berufsberatung im Vorfeld der Suche zu nutzen: „Wir unterstützen die Jugendlichen mit einer Stärken- und Interessensanalyse, den richtigen Ausbildungsberuf zu finden. Wenn es in diesem Beruf gerade zu wenig Angebote gibt, zeigen die Beratenden Alternativen auf.“ Da Eltern zu den wichtigsten Ratgebern ihrer Kinder gehören, seien sie ebenfalls willkommen - sie können die Berufsberatung sowohl als Begleitung als auch alleine aufsuchen.

Mit Blick auf die Branchen stellt die Agentur für Arbeit eine besonders starke Reduzierung der Ausbildungsstellen im öffentlichen Dienst und im Einzelhandel fest. Dennoch stellt der Einzelhandel weiterhin die größte Gruppe an Ausbildungsstellen. Bislang wurden der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg seit 1. Oktober folgende Berufsausbildungen (Sortierung in absteigender Reihenfolge) gemeldet: Kaufmann*frau im Einzelhandel, Verkäufer*in, Kaufmann*frau Büromanagement, Zahnmedizinische/r Fachangestellte*r, Medizinische*r Fachangestellte*r, Handelsfachwirt*in, Anlagenmechaniker*in, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Kfz.-Mechatroniker*in/PKW-Technik, Verwaltungsfachangestellte*r Bundesverwaltung und Fachkraft - Lagerlogistik.

Mit Stand März 2026 haben 2.639 junge Menschen ihr Interesse an einer Ausbildung signalisiert, aber noch keine Stelle erhalten. Ihnen stünden derzeit (geschätzt) 1.890 Stellen offen. Ohnedies gehen die Kooperationspartner noch von einer hohen Dynamik aus, da das Ausbildungsjahr erst zum Herbst beginnt.

Leichter Zuwachs bei Ausbildungsverträgen in der Wirtschaft

Die IHK Bonn/Rhein-Sieg verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr mit 569 Ausbildungsverträgen (+ 25 / +4,6 Prozent) einen leichten Zuwachs.

„Wir sehen derzeit einen stabilen Ausbildungsmarkt im Bereich von Industrie, Handel und Dienstleistungen“, sagt Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK. „Trotz der massiven Herausforderungen durch geopolitische Krisen, hohe Energiekosten und eine schwächelnde Konjunktur hat die Ausbildung für die Unternehmen in unserer Region weiterhin einen hohen Stellenwert. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist ungebrochen und wird durch den demografischen Wandel in den kommenden Jahren weiter verschärft.“

Appell an Jugendliche: Chancen jetzt nutzen

Hindenberg betont, dass die statistische Lücke bei den gemeldeten Stellen nicht mit einem tatsächlichen Mangel an Chancen gleichzusetzen ist. Im Gegenteil: Viele Betriebe suchen händeringend nach motiviertem Nachwuchs. Alle Ausbildungsinteressierten verweist die IHK daher auf ihre bundesweite Kampagne „jetzt #könnenler-nen“. Über das zugehörige Portal www.meine-ausbildung-in-deutschland.de finden Jugendliche aktuell mehrere tausend Ausbildungsangebote im Umkreis von 50 Kilometern um Bonn.

„Die Chancen für einen Karrierestart in unserer Region sind nach wie vor sehr gut“, sagt Hindenberg. „Wir ermutigen alle Jugendlichen, die Vielfalt der Berufe zu entdecken und die Beratungsangebote aktiv zu nutzen, um sich ihren Wunschplatz für 2026 zu sichern.“

Viele Leistungsträger stehen vor der Rente

„In Bonn/Rhein-Sieg gehen in den nächsten fünf Jahren massenhaft Leistungsträger in Rente“, sagt Hindenberg. „Wer heute nicht ausbildet, steht in wenigen Jahren vor einem Problem. Betriebe, die auch in schwierigen Zeiten in die Ausbildung investieren, zeigen Voraussicht und stärken die Bindung von Fachkräften an das Unternehmen. Sie sind die attraktiven Arbeitgeber von heute und morgen.“
Ausbildungsinteressierte und Betriebe berät die IHK im Rahmen des vom Bund geförderten Programms „Passgenaue Besetzung“. Weitere Informationen unter www.ihk-bonn.de/ausbildungsvermittlung.

Ausbildung im Handwerk weiter gefragt

Eine Ausbildung im Handwerk ist und bleibt gefragt – das zeigen die aktuellen Zahlen der Handwerkskammer (HWK) zu Köln. Sie hat in ihrem gesamten Kammerbezirk seit Anfang des Jahres und bis zum Stichtag 27. März 2026 805 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind zwar leicht weniger als zum gleichen Zeitraum des Vorjahres (835), es handelt sich aber auch nur um eine Momentaufnahme: In diesen Wochen gehen laufend neue Ausbildungsverträge bei der HWK ein. Der Kammerbezirk umfasst neben Köln, Bonn und Leverkusen den Oberbergischen, den Rheinisch-Bergischen, den Rhein-Erft- und den Rhein-Sieg-Kreis.

Die aktuellen Zahlen für Bonn/Rhein-Sieg zeigen einen stabilen, noch zurückhaltenden Ausbildungsmarkt. Derzeit sind 241 Ausbildungsverträge eingetragen, das sind 37 weniger als im Vorjahr. Besonders auffällig ist diese Veränderung im Elektro-/Metallbereich. Die Baubranche ist nur unmerklich von einer rückläufigen Tendenz betroffen, da sich das Dachdecker-Gewerk nach wie vor großer Nachfrage erfreut. Die Entwicklungen spiegeln eine aktuelle, vor allem kleinst- und mittelständische Betriebe betreffende Abwägung zwischen Investitionsbereitschaft und Krisenanpassung wider. Besonders positiv ist der Zulauf an neuen Auszubildenden in den Bereichen Gesundheits- und Körperpflege. Hier gibt es insgesamt 47 neue Ausbildungsverhältnisse.

Ulrike Pütz, Leiterin der Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln, sagt: „Die Bereitschaft unserer Betriebe, junge Menschen auszubilden, ist nach wie vor gegeben. Dieses Interesse hat sich besonders auf unserem Azubi Meetup Handwerk gezeigt – trotz Streiks im öffentlichen Nahverkehr waren 60 ausstellende Betriebe vor Ort, die mit hohem Engagement um das Interesse der jugendlichen Besucherinnen und Besucher geworben haben. Auf der Messe haben sich bereits Ausbildungsverhältnisse angebahnt, sodass wir davon ausgehen, dass die Ausbildungszahlen in den nächsten Monaten ansteigen werden. Bei manchen Verträgen müssen Ausbildungsvoraussetzungen geprüft werden oder aufenthaltsrechtliche Fragestellungen geklärt werden, was zu einer leichten Verzögerung bei der Eintragung führt. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass das Handwerk sinnstiftende, krisenfeste und zukunftssichere Berufe bietet – insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.“

Kreishandwerkerschaft zur Halbzeit mit leicht rückläufigen Zahlen

Aus Sicht der Kreishandwerkerschaft Bonn/Rhein-Sieg sind die Ausbildungszahlen im Handwerk zur Jahresmitte leicht rückläufig – eine Entwicklung, die gewerksübergreifend zu beobachten ist. Als Ursache gilt unter anderem die derzeit angespannte geopolitische und wirtschaftliche Lage, die bei vielen Betrieben zu einer gewissen Zurückhaltung führt. Gleichzeitig betont die Kreishandwerkerschaft die große Bedeutung der Ausbildung für die Zukunftssicherung der Betriebe.

„Auszubildende sind eine Investition in die Zukunft, die sich auch in unsicheren Zeiten lohnt“, erklärt Hauptgeschäftsführer Oliver Krämer. „Wer heute ausbildet, sichert sich die Fachkräfte von morgen.“

Krämer betont zudem, dass die Halbjahreszahlen nur eingeschränkt aussagekräftig seien: Viele Handwerksbetriebe haben in den Sommerferien Betriebsurlaub, und da diese in diesem Jahr vergleichsweise spät liegen, verschieben sich auch zahlreiche Vertragsabschlüsse in die kommenden Wochen.

Ein Einstieg in die duale Berufsausbildung im Handwerk ist jederzeit möglich. Das Team der Karrierewerkstatt der HWK steht Betrieben und Ausbildungsinteressierten jederzeit beratend zur Seite (Kontakt: Telefon 0221 2022 144 oder per E-Mail: karrierewerkstatt@hwk-koeln.de).

Halbjahresbilanz Ausbildungsmarkt
Präsentierten die Halbjahreszahlen am Ausbildungsmarkt 2025/2026 (v.l.): Ralf Steinhauer, Leiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, Jürgen Hindenberg, Geschäftsführer Berufsbildung und Fachkräftesicherung der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg, Ulrike Pütz, Leiterin der Karrierewerkstatt der Handwerkskammer zu Köln, und Oliver Krämer, Hauptgeschäftsführer Kreishandwerkerschaft Bonn • Rhein-Sieg.