Traditionsgemäß stellt Ralf Holtkötter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Brühl, gemeinsam mit, Johannes Juszczak der Industrie- und Handelskammer Köln, Michael Schnitzler, der Handwerkskammer Köln sowie Peter Ropertz der Kreishandwerkerschaft, die Daten zum Ausbildungs-markt 2024/2025 vor. In diesem Jahr zu Gast bei der Griesemann Gruppe GmbH & Co. KG.
Die Griesemann Gruppe ist ein führendes Engineering- und Anlagenbauun-ternehmen mit Sitz in Wesseling. Seit über 45 Jahren realisiert das Unterneh-men komplexe Projekte in der Prozess- und Energieindustrie – von der Pla-nung über den Bau bis zur Instandhaltung industrieller Anlagen.
Mit rund 1.750 Mitarbeitenden an mehreren Standorten steht die Griesemann Gruppe für Innovation, Nachhaltigkeit und technische Exzellenz. Besonders spannend: Sie bildet zahlreiche Nachwuchskräfte in gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen aus und bietet zudem duale Studiengänge an. „In unserem Unternehmen hat Ausbildung Tradition und Zukunft. Wer bei der Griesemann-Gruppe in Wesseling startet, arbeitet an echten Industrieprojekten, die unsere Region seit Jahrzehnten prägen. Gerade jetzt, wo Technik, Nachhal-tigkeit und Energiefragen immer stärker zusammenwachsen, ist unsere Ausbil-dung ein Schlüssel dafür, dass junge Menschen hier bleiben, gestalten und Verantwortung übernehmen können. Wer hier lernt, wird Teil einer Branche, die gebraucht wird und sich stetig weiterentwickelt“, so Sandra Felder, Kaufmänni-schen Geschäftsleiterin in der Griesemann Gruppe GmbH & Co. KG.
Die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber am Ausbildungsmarkt ist nahezu konstant. Die Zahl der gemeldeten Stellen dagegen deutlich gesunken.
Von Oktober 2024 bis September 2025 meldeten sich 2.428 Bewerberinnen und Bewerber aus dem Rhein-Erft-Kreis für eine Ausbildungsstelle bei der Arbeitsagentur Brühl. Das sind 13 oder 0,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig wurden insgesamt 1.834 Ausbildungsstellen (1.754 betriebliche Ausbildungsstellen und 80 außerbetriebliche Ausbildungsstellen) gemeldet, 267 oder 12,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Ein positives Signal kommt von den jungen Geflüchteten: Mit 227 gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern liegt ihre Zahl 37,6 Prozent über dem Vorjahr. 82 von ihnen haben bereits einen Ausbildungsplatz gefunden, 43 eine Alternative. „Ausbildung ist ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Ich freue mich sehr, dass viele Betriebe vorausschauend und bereit sind, jungen Geflüchteten eine Chance zu geben“, betont Holtkötter.
Der Ausbildungsmarkt im Rhein-Erft-Kreis weißt mehr
Bewerberinnen- und Bewerber als Betriebliche Ausbildungsplätze auf:
„Im Rhein-Erft-Kreis zeigt sich für das Beratungsjahr 2024/2025 eine eher angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt: Während die Zahl der Bewerber nahezu stabil bleibt, sind spürbar weniger betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet worden. Insgesamt suchten Ende September noch 684 Jugendliche nach einem Platz, das sind über 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch wenn sich ein Teil dieser Erhöhung aus einer neuen Vorgehensweise ergibt, nach der Jugendliche, die sich länger nicht zurückmelden, vorerst im System verbleiben, sodass wir prüfen können, ob sie später doch noch einen Ausbildungsplatz suchen. Wir bieten also hier auch später noch einmal proaktiv unsere Unterstützung an und lassen keinen jungen Menschen in dieser wichtigen Orientierungsphase alleine. Die höhere Zahl spiegelt damit nicht nur die Nachfrage, sondern auch die sorgfältigere Betreuung im Rahmen der Ausbildungsgarantie wider“, so Ralf Holtkötter.
„Gleichzeitig blieben zum Stichtag Ende September 300 Ausbildungsstellen unbesetzt. Damit ist klar: Es kommt jetzt mehr denn je darauf an, Bewerberinnen und Bewerber passgenau mit den Betrieben zusammenzubringen. Regional betrachtet ist die Situation hier etwas kritischer als in vielen Nachbarkreisen, ein Zeichen dafür, dass wir gezielt beraten und unterstützen müssen, um allen Jugendlichen einen guten Start in die Ausbildung zu ermöglichen“, so Holtkötter weiter.
„Im Rhein-Erft-Kreis zeigt die leider kontinuierlich sinkende Ausbildungsbetriebsquote von aktuell 18,6 Prozent, dass noch zu wenige Betriebe aktiv ausbilden, oft aus Kapazitätsgründen oder wirtschaftlicher Vorsicht. Dabei gilt: Betriebe, die ausbilden, sichern langfristig qualifizierte Fachkräfte für die Region und tragen so dazu bei, dass Nachwuchs und Standortentwicklung Hand in Hand gehen“, so Holtkötter.
„Betriebe tun daher gut daran, Ihre offenen Ausbildungsstellen bei uns zu melden, denn rund 84 Prozent der bei uns gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen konnten in diesem Jahr mit passenden Bewerbern besetzt werden, 957 der 2.428 jungen Bewerberinnen und Bewerber aus dem Rhein-Erft-Kreis konnten im Berichtsjahr eine Ausbildung beginnen“, so Holtkötter weiter.
Insgesamt 433 junge Menschen haben sich für eine weiterführende Schule, Studium oder ein Praktikum entschieden, 168 junge Menschen nahmen von einer Berufsausbildung Abstand und begannen eine Erwerbstätigkeit, 43 Bewerberinnen und Bewerber begannen eine Fördermaßnahme, 29 entschieden sich für gemeinnützige/soziale Dienste. 71 junge Menschen meldeten sich arbeitslos und 261 haben sich bislang nicht zurückgemedet, ihr Verbleib ist daher unbekannt.
„Auch wenn das Ausbildungsjahr schon läuft, ist auf dem Ausbildungsmarkt noch viel Bewegung. Wir befinden uns mitten in der Nachvermittlungsphase und die Chancen stehen gut. Viele Jugendliche sind weiterhin auf der Suche nach einem Einstieg, und gleichzeitig gibt es im Rhein-Erft-Kreis noch rund 300 offene Ausbildungsplätze. Wer bisher noch keine passende Stelle gefunden hat, sollte sich jetzt nicht entmutigen lassen. Entscheidend ist, offen zu bleiben und auch mal Alternativen in Betracht zu ziehen. Oft zeigt sich erst im persönlichen Gespräch, wo die eigenen Stärken wirklich liegen. Und wer sich bisher nicht zurückgemeldet hat: Bitte keine Scheu, einfach den Hörer in die Hand nehmen und die Berufsberatung kontaktieren. Wir sind da, um zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu finden.
Auch Betriebe sollten den Moment nutzen. Wer jungen Menschen die Chance gibt, sich zu zeigen und zu entwickeln, gewinnt häufig motivierte Nachwuchskräfte, die sich langfristig binden. Zeugnisnoten sagen nicht alles, Persönlichkeit, Einsatzbereitschaft und Lernwille sind oft entscheidender. Jetzt gilt es, diese Potenziale zu entdecken.“, so Holtkötter.
„Es gibt auf beiden Seiten noch Chancen, leider passt Angebot und Nachfrage nicht immer zusammen, auch wenn der Beruf passt. Dies kann beispielsweise an der Mobilität der Bewerber*innen oder auch dem Anspruch des Unternehmens liegen“, erklärt Holtkötter.
Hier die Top 10 der unbesetzten Ausbildungsstellen und die Top 10 der Berufswünche der noch suchenden Bewerber*innen.
Die Berufsberatung der Arbeitsagentur unterstütze laut Holtkötter mit konkreten Ausbildungsangeboten und kläre im persönlichen Gespräch, welche Ausbildungsberufe noch in Frage kommen oder welche Brücken in die Berufsausbildung führen könnten:
Ein Berufsorientierungspraktikum ermöglicht praxisnahe Einblicke in einen Ausbildungsberuf. Mögliche Fahr- und Übernachtungskosten können von der Agentur für Arbeit übernommen werden.
Der Mobilitätszuschuss bietet einen Anreiz für junge Menschen, ihr bisheriges Wohnumfeld zugunsten einer Ausbildungsaufnahme in einer anderen Region zu verlassen. Dabei kann für das erste Ausbildungsjahr ein Zuschuss in Höhe von zwei Familienheimfahrten monatlich gewährt werden.
Mit der Einstiegsqualifizierung (EQ) können junge Menschen an eine Ausbildung herangeführt werden. Die EQ ist ein sozialversicherungspflichtiges betriebliches Langzeitpraktikum (4 – 12 Monate). Ausbildungssuchende erhalten vom Arbeitgeber eine Praktikumsvergütung, der Praktikumsbetrieb wiederum einen finanziellen Zuschuss zur vereinbarten Vergütung.
Die Assistierte Ausbildung kann junge Menschen bereits bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz unterstützen und bei Bedarf später auch ausbildungsbegleitend wahrgenommen werden. Die Auszubildenden erhalten bedarfsgerechten Stütz- und Förderunterricht und sozialpädagogische Begleitung, sofern dies erforderlich ist.
Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen, können sich unbürokratisch unter folgender Rufnummer: 02251 79 79 79 oder per Mail: Bruehl.Zukunftklarmachen@arbeitsagentur.de melden.
Arbeitgeber, die eine Ausbildungsstelle anbieten möchten, können sich unter der Rufnummer 0800 4 5555 20 oder per E-Mail an bruehl.arbeitgeber@arbeitsagentur.de
mit der Agentur für Arbeit in Verbindung setzen.
Die Handwerkskammer (HWK) zu Köln und die Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft ziehen eine positive erste Bilanz zum Ausbildungsmarkt.
Im gesamten Bezirk der Handwerkskammer zu Köln wurden bis zum 30. September 4.664 neue Ausbildungsverträge eingetragen, das sind 324 bzw. 7,5 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Zum Vergleich: Allen sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern lagen bis Ende September 25.675 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge vor – 1,54 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Im Rhein-Erft-Kreis wurden bis Ende September 658 neue Ausbildungsverträge registriert – 98 mehr als Ende September 2024.
Peter Ropertz, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft: „Die guten Ausbil-dungszahlen zeigen, dass die Arbeit von Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft und Innun-gen wirkt: Viele junge Menschen sehen eine Ausbildung im Handwerk – neben anderen Optionen – als attraktive Möglichkeit an. Viele Jugendliche suchen eine sinnstiftende und erfüllende Tätigkeit und begeistern sich daher für einen von vielen spannenden Handwerksberufen. Angesichts einer wirtschaftlich unsicheren Lage stellen wir zudem auch fest, dass viele Jugendliche die Sicherheit im Handwerk zu schätzen wissen.“
Besonders gefragt sind im Rhein-Erft-Kreis Ausbildungen in den Metall- und Elektroberufen (345 Verträge; 2024: 304 Verträge) und im Bereich Bau/Ausbau (90; 2024: 101), dazu zählen beispiels-weise Dachdecker. Mehr Ausbildungsverträge als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres gibt es auch in den Berufen des Gesundheits- und Körperpflegehandwerks (76 Verträge; 2024: 48). Auch bei der Zahl der kaufmännischen Ausbildungen gibt es ein Plus (69; 2024: 40).
Michael Schnitzler, Pressesprecher der HWK Köln: „Wir verzeichnen in unserem Kammerbezirk und auch im Rhein-Erft-Kreis aktuell ein erfreuliches Plus an neuen Ausbildungsverträgen im Handwerk. Das Ziel ist es natürlich, möglichst viele junge Menschen auch zu einem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung zu bringen. Zudem arbeiten wir weiter mit viel Energie daran, die ge-stiegene Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Vertragsabschlüsse umzumünzen. Dafür brauchen wir im Handwerk noch mehr Betriebe, die Ausbildungsplätze anbieten und ihre Fachkräfte von morgen selbst ausbilden.“
Die Handwerkskammer zu Köln arbeitet auf vielen Wegen daran, junge Menschen für das Hand-werk zu gewinnen. Die Messe AZUBI MEETUP HANDWERK in der Lanxess Arena verzeichnete im Frühjahr 1.500 Besucherinnen und Besucher, mit der „Schulhoftournee“ werden die Schülerin-nen und Schüler der Abgangsklassen direkt auf dem Pausenhof über die 130 Ausbildungsberufe im Handwerk informiert. Die Karrierewerkstatt und die Ausbildungsberatung unterstützen Ausbildungs-interessierte, die Ausbildungsberatung berät zudem auch Ausbildungsbetriebe. www.hwk-koeln.de/karrierewerkstatt und www.hwk-koeln.de/ausbildungsberatung
Industrie- und Handelskammer zu Köln
Bis Ende Februar wurden im Bezirk der IHK Köln 1.147 neue Ausbildungsverträge in den insgesamt fast 200 Berufen in Industrie, Handel und Dienstleistung vereinbart, rund 11,5 Prozent oder 149 Verträge weniger als zum Vorjahresstichtag. „Die aktuellen Eintragungszahlen geben keinen Anlass zur übermäßigen Beunruhigung, da sich der Trend bemerkbar macht, dass Ausbildungsverhältnis-se immer später geschlossen werden und entsprechend spät in der Statistik auftauchen. Unsere Unternehmen haben ihre Suche nach Auszubildenden längst noch nicht abgeschlossen. Viele su-chen noch bis in den Sommer hinein. Die Informationsveranstaltungen und Ausbildungsbörsen im Frühjahr sind zudem regelmäßig sehr gut besucht. Mit mehr als 2.800 Ausbildungssuchenden war beispielsweise unser Azubi-Speed-Dating am 19. März 2025 im RheinEnergie Stadion so gut be-sucht wie noch nie!“, freut sich Johannes Juszczak, Leiter Vertragsmanagement und Bildungshot-line der IHK Köln. Die Nachfrage treffe bei den Betrieben auf ein „weiterhin breites Angebot an freien Ausbildungsstellen in allen Regionen.“
Kammerbezirk IHK Köln: 1.147 neue Ausbildungsverträge in Industrie-, Handels- und Dienstleis-tungsberufen vereinbart
Von den bislang registrierten 1.147 neuen Ausbildungsverträgen für das Ausbildungsjahr 2025/2026 wurden 209 im Rhein-Erft-Kreis abgeschlossen. Das bedeutet ein leichtes plus von insgesamt fünf Ausbildungsverträgen ( plus 2,45 Prozent).
Die Ergebnisse aus dem IHK-Bezirk (im Vergleich zum Vorjahresstichtag) im Überblick:
Köln 599 Ausbildungsverträge (minus 17,04 Prozent oder minus 123 neue Verträge)
Leverkusen 95 Ausbildungsverträge (11,76 Prozent / plus 10 Verträge)
Oberbergischer Kreis 167 Ausbildungsverträge (minus 15,66 Prozent / minus 31 Verträge)
Rhein-Erft-Kreis 209 Ausbildungsverträge (plus 2,45 Prozent / plus 5 Verträge)
Rheinisch-Bergischer Kreis 77 Ausbildungsverträge (minus 11,49 Prozent / minus 10 Ver-träge)
„Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit, junge Menschen verstärkt für eine berufli-che Ausbildung zu begeistern“, so Juszczak weiter. Und ergänzt: „Die IHK wird auch weiterhin die Betriebe und Auszubildenden mit verschiedenen Initiativen und Programmen unterstützen, um den Fachkräftemangel langfristig entgegenzuwirken.“
Die Ausbildungsstellenvermittlung der IHK Köln ist unter passgenau@koeln.ihk.de für Betriebe und Jugendliche erreichbar. Die zahlreichen Angebote und Instrumente im Bereich des Azubimarke-tings sind für Ausbildungsbetriebe und Ausbildungssuchende übersichtlich über unserer Homepage abrufbar (www.ihk.de/koeln/ausbildungsmarketing).