Anhaltender Gegenwind: Chemnitzer Arbeitsmarkt im Jahr 2025 und Ausblick auf 2026

Der Chemnitzer Arbeitsmarkt stand auch 2025 unter dem Einfluss einer angespannten wirtschaftlichen Lage. Eine Trendwende zeichnete sich, wie Anfangs des Jahres erwartet, nicht ab. Stattdessen hat sich die Situation weiter verschärft. Im Jahresdurchschnitt waren in Chemnitz 12.103 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 866 mehr als im Jahr zuvor und sogar 1.699 mehr als noch 2023. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 9,5 Prozent und damit so hoch wie in keinem anderen Agenturbezirk in Sachsen. Gleichzeitig ging die Nachfrage der Unternehmen nach neuen Arbeitskräften deutlich zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig.

21.01.2026 | Presseinfo Nr. 3

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„Die wirtschaftliche Unsicherheit hat den Chemnitzer Arbeitsmarkt im gesamten Jahr 2025 geprägt. Steigende Kosten, hohe Energiepreise und globale Krisen sowie eine insgesamt schwache Konjunktur haben viele Unternehmen vorsichtig agieren lassen. Neueinstellungen wurden zurückgestellt oder Personalbedarfe reduziert“, fasst Katrin Heinze, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Chemnitz, das Jahr zusammen. „Die Firmen zeigen allerdings klar auf, dass sie weiter gewillt sind, ihr Fachpersonal zu halten. Umso wichtiger bleibt es, Qualifizierung, berufliche Orientierung und passgenaue Vermittlung weiter zu stärken“, so Heinze weiter.

Prognose für 2026:

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„Auch im neuen Jahr ist nicht mit einer schnellen Entspannung auf dem Chemnitzer Arbeitsmarkt zu rechnen. Wir gehen davon aus, dass die konjunkturelle Erholung nur langsam vorankommt und der Arbeitsmarkt zunächst weiter unter Druck bleibt. Besonders konjunkturabhängige Bereiche wie Teile des verarbeitenden Gewerbes sind davon betroffen“, erklärt Katrin Heinze. Es gibt allerdings auch Branchen, die nicht so stark von der wirtschaftlich schwierigen Lage betroffen sind, sagt sie: „Stabilere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehen wir hingegen wie schon im vergangenen Jahr im Gesundheits- und im sozialen Bereich oder auch im Handwerk. Entscheidend bleibt, Menschen frühzeitig zu qualifizieren und Betriebe dort zu unterstützen, wo Fachkräfte trotz schwieriger Lage weiterhin gebraucht werden. Für die Jüngeren wiederum wird die Berufsorientierung immer wichtiger.“

Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt 2025: 12.103
Arbeitslosenzahl im Vergleich zu 2024 (11.237): +866 oder +7,7 Prozent 
Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2025: 9,5 Prozent

Von den rund 12.100 arbeitslosen Menschen in Chemnitz betreute das Jobcenter Chemnitz im vergangenen Jahr im Durchschnitt 8.640 arbeitslose Männer und Frauen (71,4 Prozent). Das waren 338 mehr als noch im Jahr davor (plus 4,1 Prozent).

In der Arbeitsagentur (Rechtskreis SGB III) lag die Zahl im Schnitt bei 3.463 (71,4 Prozent). Hier lag der Anstieg bei 528 (plus 18 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr.

Rückgang bei den gemeldeten freien Arbeitsstellen:

freie Arbeitsstellen im Jahresdurchschnitt 2024: 2.363
freie Arbeitsstellen im Jahresdurchschnitt 2025: 1.768

Die Zahl der gemeldeten freien Arbeitsstellen in Chemnitz ist im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen. Der Bestand sank um 595 Stellen, ein Minus von 25,2 Prozent. Im Vergleich zu 2023 fällt der Rückgang noch deutlicher aus: 966 weniger Stellen im Schnitt (etwa 35,3 Prozent).

Sachsenweit höchste Arbeitslosenquote:

Ranking der Arbeitslosenquoten im Dezember 2025 (in Prozent)

1.Sächsische Schweiz-Osterzgebirge5,5
2.Erzgebirgskreis5,7
3.Meißen5,7
4.Mittelsachsen5,9
5.Bautzen5,9
6.Vogtlandkreis6,1
7.Zwickau6,2
8.Leipzig6,2
9.Dresden, Stadt6,9
10.Nordsachsen7,1
11.Leipzig, Stadt8,4
12.Görlitz8,7
13.Chemnitz, Stadt9,5

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Jahr 2025:

Ende Juni 2025, dem letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Chemnitz auf 117.031. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Abnahme um 500 oder 0,4%, nach praktisch keiner relativen Veränderung im Vorquartal (–19). Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Heimen und Sozialwesen (+335 oder +3,7%); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe (–643 oder –4,1%).

Gut ein Drittel der Chemnitzer arbeitet in Teilzeit (41.381 bzw. 35,4 Prozent), der Rest in Vollzeit (75.650 bzw. 64,6 Prozent).

Prognosen für 2026 laut Institut für Arbeits- und Marktforschung (IAB):

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

  • Chemnitzer Prognose leicht negativ: 117.400 (-0,3% im Mittelwert)
  • ähnlicher Trend wird auch sachsenweit erwartet
  • im südwestsächsischen Raum insgesamt stärkerer Rückgang als in Chemnitz
  • Leipzig und Dresden wachsen laut Prognose weiter wie im Vorjahr (+0,9% bzw.+0,4%), Leipzig mit bundesweit einer der stärksten Zuwächse

Arbeitslosigkeit

  • Anstieg in Chemnitz im Mittelwert bei +1,7%
  • IAB rechnet weiterhin mit Anstieg, allerdings geringer als im Vorjahr
  • Chemnitz liegt unter dem Zuwachs von umliegenden Regionen
  • in Leipzig und Dresden wird ein leichter Rückgang der Arbeitslosigkeit erwartet (-0,5% bzw. -0,8%)

Für 2026 rechnen die Wissenschaftler mit Rückgängen im produzierenden Gewerbe. Chemnitz ist hier besonders betroffen (Metall / Elektro). Wachstum
prognostizieren die Forscher bei öffentlichen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit – diese Bereiche stützen demnach die Beschäftigungszahlen in
Chemnitz. Das Baugewerbe werde sich stabilisieren, aber hier geht das IAB von einem Nullwachstum aus.

Langzeitarbeitslosigkeit und Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten liegen weiter deutlich über Vor-Corona-Niveau. Das Mismatch-Problem wird sich laut IAB
verschärfen. Außerdem wirkt der Rückgang der Babyboomer-Generation stark; der demografische Wandel trifft die Region besonders früh und deutlich.
Währenddessen werde der Teilzeittrend ungebrochen bleiben. Risiken stecken laut den Forschern im Strukturwandel (KI, grüne Transformation) und internationalen Handelskonflikten. Notwendig sei eine gezielte Qualifizierung und Weiterentwicklung von Beschäftigten, insbesondere für Zukunftsbranchen.