In Chemnitz haben sich die Beschäftigungsanteile von Frauen und Männern in den letzten Jahren immer mehr angeglichen. Derzeit sind rund 63.080 Frauen sozialversicherungspflichtig tätig und damit fast genauso viele wie Männer (63.850). Mit Blick auf die Altersstrukturen zeigt sich allerdings, dass vor allem in jungen Jahren mehr Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind und in der Altersgruppe ab 55 Jahren wieder mehr Frauen.

Zitat:„Viele Frauen sind heute hervorragend qualifiziert und bringen viel Erfahrung mit. Trotzdem sehen wir im Arbeitsalltag noch Unterschiede – etwa bei der Bezahlung, bei der Verteilung von Führungspositionen oder beim Thema Teilzeit. Gerade die Vereinbarkeit von Familie, Pflege von Angehörigen und Beruf spielt für viele Frauen weiterhin eine große Rolle“, berichtet Ulrike Bellmann, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA). „Es ist wichtig, dass wir über diese Themen offen sprechen und gemeinsam Lösungen finden. In meiner Beratung erlebe ich oft, wie wichtig es ist, Wege zu finden, wie berufliche Entwicklung und persönliche Lebenssituationen besser zusammenpassen können. Wir können dabei auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Wer Fragen hat oder Unterstützung braucht, kann sich jederzeit gern an mich wenden.“
Die BCA der Agentur für Arbeit Chemnitz ist per Mail über Chemnitz.BCA@arbeitsagentur.de zu erreichen.
Lohnungleichheit höher als im Sachsenschnitt, aber niedriger als in anderen Großstädten
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat kürzlich eine ausführlichere Analyse zum sogenannten Gender Pay Gap vorgestellt (aktueller Datenstand 30. Juni 2024).
Dieser fällt in Sachsen mit 6,7 Prozent weitaus niedriger aus als im Bundesdurchschnitt (17,2 Prozent). In Chemnitz liegt der unbereinigte Gender Pay Gap bei 9,1 Prozent und damit niedriger als in Dresden, Leipzig oder Zwickau. Im Vergleich zu 2019 sank er um 2,5 Prozent und damit deutlicher als in Dresden, Leipzig oder Zwickau.
Empirisch belegt ist, dass mit zunehmendem Qualifikationsniveau der Gender Pay Gap steigt (Boll et al. 2016a). Das ist auch in Sachsen der Fall. Mit „nur“ einem Rückgang um -0,9 Prozentpunkte sank der Gender Pay Gap unter den Hochqualifizierten in Sachsen stark unterdurchschnittlich (in Deutschland -3,4 Prozent).
Eng verknüpft mit dem formalen Qualifikationsniveau ist die Möglichkeit zum Erlangen einer Führungsposition. Häufigere Erwerbsunterbrechungen bei Frauen – bedingt durch die Fürsorge für Kinder und Angehörige – führen dabei trotz oftmals höherer durchschnittlicher Qualifikation zu weniger Berufserfahrung (Aisenbrey/Evertsson/Grunow 2009). Dies schmälert ihre Möglichkeiten, eine Führungsposition zu erlangen (Nickel/Hüning/Frey 2008; Kunze 2015).

Anmerkung: Die Kreise sind nach der Höhe des unbereinigten Gender Pay Gap eingefärbt. Die Berechnungen beziehen sich auf Vollzeitbeschäftigte (ohne Auszubildende) im Alter von 15 bis unter 65 Jahren. Quelle: Beschäftigtenhistorik des IAB, GeoBasis-DE / BKG 2022; eigene Berechnungen. © IAB
Tipp:Der vollständige Regionalbericht ist online abrufbar.
Teilzeit spielt nach wie vor große Rolle
Frauen arbeiten öfter in Teilzeit. Denn sie stehen erheblich häufiger als Männer vor der Herausforderung, neben der Arbeitsuche allein für die Erziehung eines oder mehrerer Kinder verantwortlich zu sein. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine gute Kinderbetreuung sind wichtige Faktoren, um echte berufliche Perspektiven zu ermöglichen.
Hinweis: Teilzeit bedeutet nicht: „Arbeiten nur am Vormittag“. Unter Teilzeitbeschäftigung werden alle sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse aufgeführt, die nicht Vollzeit entsprechen. Dabei zählt die übliche betriebliche Wochenarbeitszeit. Bereits eine Abweichung von einer Stunde lässt Arbeitsverhältnisse in der Statistik als Teilzeit zählen. Teilzeit ist statistisch alles, was nicht Vollzeit ist. Von der Arbeitszeiteinschränkung von wenigen Stunden die Woche bis zur klassischen Halbtagsarbeit (20 Stunden/Woche).
Im Laufe der letzten Jahre gewann das Teilzeitarbeitsmodell immer mehr an Bedeutung, sowohl für Frauen als auch für Männer. Ein gutes Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Chemnitz arbeitet in Teilzeit (41.381 bzw. 35,4 Prozent). Der Großteil davon sind Frauen mit 31.108.

Frauen, die in Teilzeit arbeiten, sind besonders häufig im Gesundheitswesen und im Einzelhandel tätig:

Arbeitslosigkeit
Aktuell sind in Chemnitz rund 5.410 Frauen arbeitslos gemeldet. Darunter hat der Großteil keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Arbeitslosenquote bei Frauen liegt mit 9,2 Prozent leicht unter der allgemeinen Chemnitzer Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent.

Unter den arbeitslosen Alleinerziehenden finden sich fast ausschließlich Frauen. Rund 700 der arbeitslosen Frauen in Chemnitz sind alleinerziehend, bei den Männern sind es lediglich 80.
Die meisten der arbeitslosen Frauen möchten in Vollzeit arbeiten (3.450). Der Rest präferiert Teilzeit / Heim- bzw. Telearbeit.
