Heinz Thiele, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Detmold-Paderborn, erläutert die aktuelle Situation folgendermaßen:
„Die Arbeitsmarktentwicklung wird seit Jahren durch die verschiedensten Krisen, angefangen mit der Flüchtlingskrise und der Corona-Epidemie über den Ukraine-Krieg bis hin zu den Zollstreitigkeiten und dem Nahost-Konflikt, beeinflusst. Insbesondere die damit verbundenen Energieprobleme, Materialengpässe, Exportschwierigkeiten sowie den Kostensteigerungen haben dazu geführt, dass die Konjunktur schwach geblieben ist und keine durchgreifenden Impulse für den Arbeitsmarkt entstanden sind. Die Konjunkturentwicklung bleibt schwach und hinterlässt am Arbeitsmarkt erkennbare Spuren.
Trotzdem darf der zunehmende Fachkräftebedarf aufgrund der demografischen Entwicklung nicht aus den Augen verloren werden. Unabhängig von der seit Jahren schwachen Konjunktur ist dies mit die größte Herausforderung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt der kommenden Jahre. Viele Beschäftigte der geburtenstarken Jahrgänge gehen erst noch in den Ruhestand.
In diesem Zusammenhang ist das Verhalten der Arbeitgeber - trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen Fachkräfte möglichst zu halten - positiv zu bewerten. Negativ ist allerdings die Strategie an der Ausbildung zu sparen. Wirtschaftlich sicherlich nachvollziehbar aber langfristig das falsche Vorgehen, da es in wenigen Jahren ein Wettbewerbsvorteil sein wird, über genügend Fachkräfte zu verfügen.
Unternehmen befinden sich in einem großen Zwiespalt. Aufgrund des Fachkräftemangels muss gut eingearbeitetes Personal unbedingt gehalten und mit Blick auf die Zukunft sogar aufgestockt werden, jedoch fallen Investitionen in Personalkosten und somit Neueinstellungen in diesen Zeiten schwer.“
Die allgemeine Unsicherheit über die weitere Entwicklung schlägt sich auch in der Zahl der Arbeitslosen nieder. So steigt diese im Kreis Paderborn im April auf 10.988 Personen. Dies sind zum Vormonat 185 Personen (1,7 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres wird ein Anstieg um 64 Personen (0,6 Prozent) verzeichnet.
Die Arbeitslosenquote beläuft sich wie im April 2025 auf 6,1 %. Die erhoffte Frühjahresbelebung ebbt nach einem kurzen aufkeimen somit schon wieder ab.
Die Arbeitgeber aus dem Kreis Paderborn haben in diesem Monat 434 Stellen gemeldet, sodass sich insgesamt 2.284 offene Stellen, 52 mehr als vor einem Monat (2,3 Prozent) und 4 mehr als vor einem Jahr (0,2 Prozent) im Bestand befinden.
Um diese Stellen passgenau besetzen zu können, bieten die Agenturen vor Ort vielfältige Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten an. Nicht nur Arbeitnehmer sondern auch Arbeitgeber können sich hier umfassend über Angebote und Fördermaßnahmen informieren. „Zögern Sie nicht, unsere Angebote in Anspruch zu nehmen“, appelliert der Arbeitsmarktexperte.
Arbeitslosigkeit
Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Paderborn steigt im April 2026. Insgesamt sind 10.988 Personen arbeitslos. Dies sind zum Vormonat 185 Personen mehr (+1,7 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres steigt die Zahl der Arbeitslosen um 64 Personen (+0,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt im April 6,1 Prozent. Vor einem Jahr belief sie sich ebenfalls auf 6,1 Prozent.
Entwicklung in der Arbeitslosenversicherung (SGB III)
In der Arbeitslosenversicherung sind in diesem Monat 4.084 Personen gemeldet. Dies sind 58 Personen mehr als vor einem Monat (+1,4 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres steigt die Zahl um 268 Personen (+7,0 Prozent).
Entwicklung im Bürgergeld (SGB II)
Bürgergeld erhalten 127 Arbeitslose mehr als im Vormonat (+1,9 Prozent) und 204 weniger als im Vorjahr (-2,9 Prozent). Insgesamt zählen 6.904 Personen und damit 62,8 Prozent aller Arbeitslosen zum Bürgergeld gemäß SGB II.
Jugendarbeitslosigkeit
1.065 Arbeitslose sind im April 2026 im Kreis Paderborn unter 25 Jahre alt. Dies sind 27 Personen mehr als im Vormonat (+2,6 Prozent). Zum selben Monat des Vorjahres sind 3 junge Menschen mehr arbeitslos (+0,3 Prozent).
Arbeitslose ab 50 Jahre
Die Anzahl arbeitsloser Menschen ab 50 Jahren steigt zum Vormonat um 116 Personen (+3,0 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sind es 206 Arbeitslose mehr (+5,5 Prozent). Insgesamt sind 3.942 Menschen ab 50 Jahren im Kreis Paderborn arbeitslos.
Langzeitarbeitslose
Die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Kreis Paderborn steigt um 84 Personen (+2,1 Prozent). 4.079 Personen sind länger als ein Jahr nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt, darunter zählen 90,5 Prozent (3.692 Personen) zum Bürgergeld. Im Vergleich zum Vorjahr steigt die Zahl dieser Arbeitslosen um 329 Personen (+8,8 Prozent).
Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung im Kreis Paderborn steigt im April 2026. Insgesamt sind 13.231 Personen ohne Beschäftigung. Dies sind zum Vormonat 131 Personen mehr (+1,0 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Unterbeschäftigung um 245 Personen (-1,8 Prozent). Die Unterbeschäftigung setzt sich zusammen aus der Anzahl der Menschen, die arbeitslos gemeldet sind, und denjenigen, die Arbeitslosengeld oder Bürgergeld erhalten, dem Arbeitsmarkt jedoch aktuell nicht zur Verfügung stehen und daher rechtlich nicht als arbeitslos gelten – wenn man zum Beispiel an einer Fördermaßnahme teilnimmt oder in Mutterschutz ist.
Stellenangebot
Die Arbeitgeber aus dem Kreis Paderborn haben in diesem Monat 434 Stellen gemeldet und damit 5 weniger als im Vormonat (-1,1 Prozent). Im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres sinkt die Anzahl der neuen Stellenmeldungen um 1 Stellen (-0,2 Prozent). Im Bestand befinden sich insgesamt 2.284 offene Stellen, 52 mehr als vor einem Monat (+2,3 Prozent) und 4 mehr als vor einem Jahr (+0,2 Prozent).
Ausbildungsmarkt
Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2025 meldeten sich 1.832 Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Zugleich gab es 1.623 Meldungen für Berufsausbildungsstellen. Ende April waren 940 Bewerber noch unversorgt und 965 Ausbildungsstellen noch unbesetzt.
Hinweis: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen ist aktuell unterzeichnet, es werden auf Bundesebene schätzungsweise rund sechs Prozent (Stand März) Ausbildungsstellen zu wenig ausgewiesen. Hintergrund sind veränderte Prozesse in Fachverfahren der BA. Diese müssen noch in die statistische Erhebung integriert werden. Die BA überprüft und vereinfacht derzeit Prozesse, um Angebote für Arbeitgebende und Unternehmen zu verbessern und bürokratischen Aufwand zu reduzieren. Diese Verfahrensänderung muss noch in die statistische Erhebung integriert werden, das wird im Sommer abgeschlossen.