In dem großen REWE Frischezentrum bewegt sich Fabian Jentsch augenscheinlich sicher und routiniert. Mit seinem Kommissionierfahrzeug fährt er die riesigen Hochregale ab, in denen von Bananen über Joghurt bis zum Grillschinken in Großverpackungen alles lagert, was ein Supermarkt an Frischwaren anbietet. Über einen In-Ear-Kopfhörer ruft er ab, welche Waren in welchen Mengen für welche Filiale benötigt werden und zur Auslieferung bereitgestellt werden müssen.
Kein zufälliger Beobachter würde annehmen, dass dies erst sein dritter Tag am Arbeitsplatz ist. Der junge Mann hat sich initiativ bei der REWE Dortmund Frischelogistik GmbH beworben und ist jetzt zur Probe dort beschäftigt. Seine Chancen stehen gut: Fabian Jentsch hat bereits 2021 seine Ausbildung zum Fachlageristen abgeschlossen – in integrativer Form, Träger war das CJD Dortmund. Begleitet wurde er dabei durch das Team Rehabilitation und Teilhabe der Agentur für Arbeit Dortmund, die durch passgenaue Förderwege auch Arbeitsuchende mit besonderen Anforderungen und Arbeitgebende zusammenbringt. „Uns war bekannt, dass die REWE Dortmund Frischelogistik dabei ist, eine Inklusionsabteilung zu gründen, daher rieten wir Herrn Jentsch, sich dort zu bewerben“, erläutert Kerstin Artmann von der Arbeitsagentur. „Wir freuen uns sehr, dass dies so schnell und unkompliziert geklappt hat“, so Artmann weiter.
Solche Vermittlungen gelingen nur, wenn auf Seiten der Unternehmen die Bereitschaft da ist, sich auf Bewerberinnen und Bewerber einzulassen, die unter Umständen etwas mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung bei der Einarbeitung benötigen und eben nicht für alle Tätigkeiten infragekommen. Um dies und ggf. eine gewisse Minderleistung am Arbeitsplatz auszugleichen, können die Unternehmen Fördermittel wie den sogenannten Eingliederungszuschuss bei der Arbeitsagentur beantragen.
„Ich freue mich sehr, dass mit der REWE Frischelogistik ein weiterer Arbeitgeber in meiner Heimatstadt Dortmund den Weg geht, mit einer eigenen Inklusionsabteilung Menschen eine Chance zu geben, deren Start ins Berufsleben sonst eher schwierig ist“, erklärt Claudia Middendorf, Schirmherrin des Kompetenznetzwerks Inklusion in Dortmund und Beauftragte der Landesregierung NRW für Menschen mit Behinderung. Durch regelmäßigen Austausch aller Akteurinnen und Akteure am Arbeitsmarkt können Vorbehalte abgebaut und Übergänge durchlässiger gestaltet werden. „Für Fachfremde ist diese Materie meist sehr komplex“, räumt Kerstin Artmann von der Arbeitsagentur Dortmund ein. „Darum stehen wir Arbeitsuchenden und Arbeitgebenden gleichermaßen beratend zur Seite. Die Vielfalt der angebotenen Förderinstrumente ermöglicht es uns, für ganz unterschiedliche Fälle passgenaue Fördermöglichkeiten zu finden und umzusetzen.
“Fabian Jentsch hat seine Schicht und seinen Weg bei REWE gerade erst begonnen. Sein Kollege Philipp Link ist da schon etwas weiter. Er ist Fachkraft für Lagerlogistik, auch er hat sich initiativ bei der REWE Frischelogistik beworben. Seine Probebeschäftigung verlief erfolgreich, ein Eingliederungszuschuss auf finanzielle Förderung seines Lohns durch die Arbeitsagentur wurde beantragt und bewilligt. Zwei Beispiele von vielen, die auch anderen Arbeitgebenden Mut machen sollten, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen.