„Endlich angekommen“ – Der Weg vom Geflüchteten mit Duldung zum Auszubildenden

Manchmal braucht es nur eine Chance und Menschen, die daran glauben: Für den 40-jährigen Seny Cherif aus Guinea beginnt voraussichtlich im August ein neuer Lebensabschnitt: Wenn mit der Sprache alles klappt, startet er eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich bei der Ostfriesischen Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit gGmbH in Aurich.

07.04.2026 | Presseinfo Nr. 31

„Endlich angekommen“ – Der Weg vom Geflüchteten mit Duldung zum Auszubildenden 

                                              

Von links: Mirjam Friedrich (Agentur für Arbeit Aurich), Seny Cherif, Bianka Bünting (Leitung Verwaltung bei der OG) und Stefan Scheebaum (Geschäftsführer der OG) – Foto: Jan Phillip Lehmker 

Manchmal braucht es nur eine Chance und Menschen, die daran glauben: Für den 40-jährigen Seny Cherif aus Guinea beginnt voraussichtlich im August ein neuer Lebensabschnitt: Wenn mit der Sprache alles klappt, startet er eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich bei der Ostfriesischen Gesellschaft für psychische und soziale Gesundheit gGmbH in Aurich. 

Dabei schien seine Situation lange aussichtslos. In seinem Heimatland hatte er studiert und einen Hochschulabschluss erworben. Aufgrund seiner körperlichen Behinderung – er ist auf Gehhilfen angewiesen – hatte er dort jedoch nie die Möglichkeit, beruflich Fuß zu fassen. „Wo ich herkomme, ist man als behinderter Mensch zum Betteln verdammt – obwohl ich einen Hochschulabschluss habe“, berichtet Cherif. „Hier in Deutschland arbeite ich zum ersten Mal in meinem Leben. Ich fühle mich nützlich und wertgeschätzt.“

Nach seiner Ankunft in Deutschland lebte er mit einer Duldung. Die Perspektive war ungewiss, die Sprachkenntnisse noch ausbaufähig, die B1-Prüfung hat er gerade absolviert. Klar ist: Nur eine Ausbildung würde ihm langfristig eine Bleibeperspektive eröffnen.

Schnelle Unterstützung – konkrete Chance

Die Wende kam durch die Vermittlung der Agentur für Arbeit Emden-Leer. Arbeitsvermittlerin Mirjam Friedrich stellte kurzfristig den Kontakt zur Ostfriesischen Gesellschaft her – kurz vor Weihnachten fand bereits das Vorstellungsgespräch statt. „Ich war nervös – aber Frau Friedrich war an meiner Seite“, erinnert sich Herr Cherif. Im Januar folgte ein Probearbeiten, seit dem 1. Februar absolviert er eine sogenannte Einstiegsqualifizierung, ein vergütetes Langzeitpraktikum. Wenn seine Sprachkenntnisse eine Ausbildung ermöglichen, beginnt er diese voraussichtlich im August. 

„Meine Erfahrung mit der Arbeitsvermittlung war sehr positiv. Frau Friedrich hat sich sofort gekümmert. Wenige Wochen später hatte ich einen Termin bei einem Arbeitgeber – und heute arbeite ich dort“, sagt Herr Cherif dankbar.

Motivation überzeugt Arbeitgeber

Auch bei der Ostfriesischen Gesellschaft ist man überzeugt von der Entscheidung. Verwaltungsleiterin Bianka Bünting berichtet: „Herr Cherif hat sich sehr gut integriert. Er ist ausgesprochen freundlich, zuverlässig und unglaublich motiviert. Einmal musste er, da wegen des Glatteises kein Bus fahr, den gesamten Weg von der Kaserne in die Innenstadt zu Fuß zurücklegen – trotz glatter Wege und Gehhilfen war er pünktlich bei der Arbeit. Das zeigt, wie sehr er diese Chance nutzen möchte.“

Damit er gut arbeiten kann, wurde ihm ein barrierefreies Büro im Erdgeschoss eingerichtet und der Eingangsbereich angepasst. Sprachkenntnisse und PC-Arbeit sieht das Unternehmen nicht als Hindernis, sondern als Entwicklungsfeld. „Wir setzen auf Lösungen. Für uns zählt Motivation – nicht die Einschränkung“, so Bünting. „Eine Behinderung ist kein Ausschlusskriterium. Vielfalt stärkt ein Team.“

Integration, die Mut macht

Für die Agentur für Arbeit Emden-Leer ist der Fall ein gelungenes Beispiel dafür, wie Integration und Inklusion funktionieren kann – wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Einstiegsqualifizierung wird von der Arbeitsagentur gefördert, das Unternehmen beteiligt sich zusätzlich freiwillig.

„Dieser Fall zeigt, was möglich ist, wenn Engagement auf Offenheit trifft“, betont Arbeitsvermittlerin Mirjam Friedrich von der Agentur für Arbeit Emden-Leer. „Es lohnt sich, Potenziale zu erkennen – auch wenn Lebensläufe nicht geradlinig verlaufen.“

Für Seny Cherif bedeutet die neue Perspektive weit mehr als nur einen Arbeitsplatz: „Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich das Gefühl, dazuzugehören. Ich habe eine Aufgabe. Mein Leben bekommt einen neuen Sinn.“ Mit dem möglichen Ausbildungsstart im August würde für ihn nicht nur ein beruflicher Weg beginnen – sondern eine echte Zukunftsperspektive in Ostfriesland.