Jahresbilanz zum Arbeitsmarkt in Essen:

Arbeitsmarkt weiterhin unter dem Einfluss der schwachen Konjunktur

14.01.2026 | Presseinfo Nr. 2

Andrea Demler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen,

und Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter des JobCenters Essen, ziehen Bilanz

zum Essener Arbeitsmarkt im Jahr 2025 und richten den Blick auf die

Herausforderungen für 2026.

 

„Die Arbeitslosigkeit in Essen ist im Jahr 2025 moderat, aber kontinuierlich gestiegen. Im

Jahresdurchschnitt waren 35.270 Menschen arbeitslos gemeldet. Hauptursache bleibt

die schwache Konjunktur, verstärkt durch strukturelle Faktoren wie etwa

Automatisierung, demografischen Wandel oder Transformation in vielen Branchen, die

den Zugang zur Arbeitswelt verändern. Ohne spürbaren Konjunkturaufschwung könnte

der Arbeitsmarkt in 2026 eine ähnliche Entwicklung nehmen wie im vergangenen Jahr.

Wir rechnen angesichts der Konjunkturprognosen daher zunächst mit einem verhaltenen

weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, bevor sich wirtschaftliche Erholung auswirken kann.

 

Als stark dienstleistungsgeprägtem Arbeitsmarkt verfügen wir in Essen über stabile

Beschäftigungsperspektiven, insbesondere in sozialen und bildungsnahen Berufen

sowie im Gesundheitswesen. In diesen konjunkturunabhängigen Branchen konnten wir

2025 ein Beschäftigungswachstum verzeichnen. Gleichzeitig sind gerade diese Branchen

massiv vom Fachkräftemangel betroffen. Ein stärkeres Wachstum wäre möglich, jedoch

nur mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften. Denn für über 80 Prozent der offenen

Stellen werden Fachkräfte oder höher qualifizierte Beschäftigte gesucht, während rund 60

Prozent der Arbeitslosen lediglich auf Helferniveau qualifiziert sind. Menschen mit

geringer Qualifizierung haben daher deutlich größere Schwierigkeiten, eine Beschäftigung

zu finden. Vor diesem Hintergrund setzen wir weiterhin verstärkt auf Weiterbildung und

Qualifizierung, um die Passung am Arbeitsmarkt zu verbessern. Dabei ist es wichtig,

Menschen für zukunftsfähige Berufe zu qualifizieren und sie dorthin zu bringen, wo

sie gebraucht werden. Außerdem stärken wir die sogenannte Teilqualifizierung, die

Menschen ohne Berufsabschluss dabei hilft, Schritt für Schritt einem Berufsabschluss

näher zu kommen und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

 

Ein großer Schwerpunkt in 2026 wird darin liegen, stärker präventiv anzusetzen, in die

Betriebe zu gehen und Arbeitslosigkeit im Entstehen zu verhindern, indem frühzeitig

aufnahmefähige Branchen für Menschen identifiziert werden, die von Arbeitslosigkeit

bedroht sind – Stichwort Arbeitsmarktdrehscheibe. Parallel dazu wird Qualifizierung

auch für Beschäftigte immer wichtiger. Denn das Interesse der Betriebe, gut

ausgebildete Mitarbeitende zu halten, ist groß, das zeigt uns die Entwicklung im

vergangenen Jahr - auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Wer Mitarbeitende im

eigenen Betrieb weiterbildet, schafft Bindung und stellt die berufliche Zukunft sicher.

 

Mit Sorge sehen wir die steigende Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen. Auch hier ist das

Kernproblem die Qualifikation, denn Dreiviertel der jungen Menschen hat keine

abgeschlossene Ausbildung. Wir müssen stärker darauf hinwirken, dass Jugendliche eine

berufliche Ausbildung anstreben und nach dem Ende der Schullaufbahn nicht das

‚schnelle Geld‘ in ungelernten Tätigkeiten suchen. Hieran arbeiten wir weiter innerhalb der

Essener Jugendberufsagentur, bauen Begegnungsformat zwischen jungen Menschen

und Betrieben aus. Wir appellieren aber auch an die Unternehmen, denn die

Ausbildungsbereitschaft ist in 2025 zurückgegangen: Bilden Sie aus, schaffen Sie

Transparenz, wo Ausbildung stattfindet und melden Sie der Agentur für Arbeit Ihre

Ausbildungsstellen. Ausbilden muss vorausschauend geschehen, unabhängig von der

Konjunktur, sonst fehlen die Fachkräfte von morgen.“ - Andrea Demler, Vorsitzende der

Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen

 

„Die aktuelle wirtschaftliche Situation stellt für viele Menschen eine besondere

Herausforderung dar, insbesondere für diejenigen, die mit Vermittlungshemmnissen an

den Start gehen oder als Langzeitarbeitslose ihre Chance suchen müssen. Die anhaltend

schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt führt dazu, dass offene Stellen in einigen Branchen

nur begrenzt verfügbar sind. Das JobCenter hat dennoch das Ziel, gemeinsam mit seinen

Kundinnen und Kunden individuelle Perspektiven für sie zu entwickeln. Wir setzen

verstärkt auf Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, um ihre Chancen auf dem

Arbeitsmarkt zu verbessern, und unterstützen sie bei der Suche nach passenden

Beschäftigungsmöglichkeiten. Wir stehen beratend und begleitend zur Seite, um

gemeinsam Wege in eine nachhaltige berufliche Zukunft zu finden. Die Potenziale dieser

Personen zu entwickeln, unterstützt auch den Arbeitsmarkt. Um offene Stellen zu

besetzen, arbeiten wir als JobCenter daran, den richtigen Bewerber und die passende

Bewerberin mit dem richtigen Arbeitgebenden zusammenzubringen. Dabei gilt es auch

unter den aktuellen Bedingungen, bislang zu wenig genutzte Bewerbergruppen für den

Arbeitsmarkt zu aktivieren: z.B. Menschen mit einer (Schwer-)Behinderung,

Arbeitsuchende mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete mit Bleibeperspektive. Ein

starkes Thema bleibt für das JobCenter Essen weiterhin außerdem die Förderung der

Frauenerwerbstätigkeit.“ - Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter JobCenter Essen

 

Die Zahlen im Einzelnen:

 

Beschäftigung auf hohem Niveau

Zum aktuellen Stichtag Ende Juni 2025 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten in Essen, allerdings nicht so deutlich wie noch in den Vorjahren: Insgesamt

271.635 Personen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1.038 mehr als im Juni

2024, ein Plus von 0,4 Prozent. Wie bereits in den letzten Jahren stieg die Beschäftigung

der Menschen aus der Ukraine kontinuierlich und im Vergleich zu 2024 deutlich mit einem

Plus von 52,6 Prozent oder 486 Personen. Auch Personen aus den acht stärksten

Herkunftsländern sorgten für einen Anstieg in der Beschäftigung zum Vorjahr um 17,8

Prozent oder 1.328 Menschen. Zuwächse zeichneten sich ab bei älteren Beschäftigten

über 65 Jahren und damit eine Tendenz der Unternehmen, Ältere länger zu beschäftigen

statt Jüngere einzustellen.

 

Nach Branchen betrachtet gab es die höchsten Zuwächse bei der

sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Bereich Erziehung und Unterricht. Den

höchsten Rückgang gab es bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlich und

technischen Dienstleistungen zu verzeichnen. Auch die wirtschaftlichen Dienstleistungen

gingen zurück, gefolgt von Information/Kommunikation und Baugewerbe (betrachtet

werden hier jeweils März 2024/März 2025, aktuelle Daten stehen turnusgemäß Mitte

Januar zur Verfügung). Die meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren mit

10,0 Prozent im Gesundheitswesen und mit 6,7 Prozent im Einzelhandel tätig.

 

Arbeitsmarkt weiterhin von konjunktureller Entwicklung beeinflusst

Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 35.270 Essenerinnen und Essener arbeitslos

gemeldet. Das sind 2.310 Personen oder 7,0 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Im

langjährigen Verlauf stieg die Arbeitslosigkeit damit stärker als im gesamten Ruhrgebiet

mit 4,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 11,4 Prozent.

 

Rund 60 Prozent der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer sind lediglich auf

Helferniveau qualifiziert. Sie passen damit häufig nicht zum Anforderungsniveau auf dem

Arbeitsmarkt, der in allen Branchen einen hohen Fachkräftebedarf aufweist. Verschärfend

wirkt, dass rund 73 Prozent der arbeitslos gemeldeten Personen über keine

Berufsausbildung verfügen.

 

Der höchste Anstieg mit 17,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war in der

Personengruppe 55 Jahre und älter zu verzeichnen. Bei den jungen Arbeitslosen bis 25

Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent.

 

Arbeitskräften: vor allem Fachkräfte gefragt

Mit 3.372 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand waren 158 Stellen weniger zu

verzeichnen, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Chancen, eine neue Beschäftigung

zu finden, verschlechterten sich damit.

 

Bei den neu gemeldeten Arbeitsstellen gab es einen moderaten Anstieg, aber insgesamt

wenig Dynamik infolge der konjunkturellen Lage: So waren im Jahresdurchschnitt 780

Stellen oder 9,8 Prozent mehr zu verzeichnen. Insgesamt wurden 8.773 Arbeitsstellen

neu gemeldet.

 

Qualifikation bleibt wichtigste Voraussetzung: Denn bei den ausgeschriebenen Stellen

werden zu über 80 Prozent Fachkräfte oder höher qualifizierte neue Mitarbeitende

gesucht. Die Arbeitskräftenachfrage in Essen ist im Bereich Lagerwirtschaft und im

Verkauf am größten.

 

Wichtige Stellschraube bleibt das Engagement in Weiterbildung

Durch die verstärkte Weiterbildungsoffensive konnten in Essen im Jahr 2025 insgesamt

3.126 Menschen berufliche Weiterbildungsmaßnahmen besuchen, eine Steigerung um

rund 2 Prozent. Durch Weiterbildung erhöhen sich die Jobaussichten – daher wird

Weiterbildung auch in 2026 gefördert – für Menschen auf der Suche nach einer neuen

Beschäftigung ebenso wie für Menschen in Beschäftigung mit dem Ziel, sich zukunftsfähig

aufzustellen.

 

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