Andrea Demler, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen,
und Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter des JobCenters Essen, ziehen Bilanz
zum Essener Arbeitsmarkt im Jahr 2025 und richten den Blick auf die
Herausforderungen für 2026.
„Die Arbeitslosigkeit in Essen ist im Jahr 2025 moderat, aber kontinuierlich gestiegen. Im
Jahresdurchschnitt waren 35.270 Menschen arbeitslos gemeldet. Hauptursache bleibt
die schwache Konjunktur, verstärkt durch strukturelle Faktoren wie etwa
Automatisierung, demografischen Wandel oder Transformation in vielen Branchen, die
den Zugang zur Arbeitswelt verändern. Ohne spürbaren Konjunkturaufschwung könnte
der Arbeitsmarkt in 2026 eine ähnliche Entwicklung nehmen wie im vergangenen Jahr.
Wir rechnen angesichts der Konjunkturprognosen daher zunächst mit einem verhaltenen
weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit, bevor sich wirtschaftliche Erholung auswirken kann.
Als stark dienstleistungsgeprägtem Arbeitsmarkt verfügen wir in Essen über stabile
Beschäftigungsperspektiven, insbesondere in sozialen und bildungsnahen Berufen
sowie im Gesundheitswesen. In diesen konjunkturunabhängigen Branchen konnten wir
2025 ein Beschäftigungswachstum verzeichnen. Gleichzeitig sind gerade diese Branchen
massiv vom Fachkräftemangel betroffen. Ein stärkeres Wachstum wäre möglich, jedoch
nur mit entsprechend qualifizierten Arbeitskräften. Denn für über 80 Prozent der offenen
Stellen werden Fachkräfte oder höher qualifizierte Beschäftigte gesucht, während rund 60
Prozent der Arbeitslosen lediglich auf Helferniveau qualifiziert sind. Menschen mit
geringer Qualifizierung haben daher deutlich größere Schwierigkeiten, eine Beschäftigung
zu finden. Vor diesem Hintergrund setzen wir weiterhin verstärkt auf Weiterbildung und
Qualifizierung, um die Passung am Arbeitsmarkt zu verbessern. Dabei ist es wichtig,
Menschen für zukunftsfähige Berufe zu qualifizieren und sie dorthin zu bringen, wo
sie gebraucht werden. Außerdem stärken wir die sogenannte Teilqualifizierung, die
Menschen ohne Berufsabschluss dabei hilft, Schritt für Schritt einem Berufsabschluss
näher zu kommen und auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Ein großer Schwerpunkt in 2026 wird darin liegen, stärker präventiv anzusetzen, in die
Betriebe zu gehen und Arbeitslosigkeit im Entstehen zu verhindern, indem frühzeitig
aufnahmefähige Branchen für Menschen identifiziert werden, die von Arbeitslosigkeit
bedroht sind – Stichwort Arbeitsmarktdrehscheibe. Parallel dazu wird Qualifizierung
auch für Beschäftigte immer wichtiger. Denn das Interesse der Betriebe, gut
ausgebildete Mitarbeitende zu halten, ist groß, das zeigt uns die Entwicklung im
vergangenen Jahr - auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Wer Mitarbeitende im
eigenen Betrieb weiterbildet, schafft Bindung und stellt die berufliche Zukunft sicher.
Mit Sorge sehen wir die steigende Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen. Auch hier ist das
Kernproblem die Qualifikation, denn Dreiviertel der jungen Menschen hat keine
abgeschlossene Ausbildung. Wir müssen stärker darauf hinwirken, dass Jugendliche eine
berufliche Ausbildung anstreben und nach dem Ende der Schullaufbahn nicht das
‚schnelle Geld‘ in ungelernten Tätigkeiten suchen. Hieran arbeiten wir weiter innerhalb der
Essener Jugendberufsagentur, bauen Begegnungsformat zwischen jungen Menschen
und Betrieben aus. Wir appellieren aber auch an die Unternehmen, denn die
Ausbildungsbereitschaft ist in 2025 zurückgegangen: Bilden Sie aus, schaffen Sie
Transparenz, wo Ausbildung stattfindet und melden Sie der Agentur für Arbeit Ihre
Ausbildungsstellen. Ausbilden muss vorausschauend geschehen, unabhängig von der
Konjunktur, sonst fehlen die Fachkräfte von morgen.“ - Andrea Demler, Vorsitzende der
Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Essen
„Die aktuelle wirtschaftliche Situation stellt für viele Menschen eine besondere
Herausforderung dar, insbesondere für diejenigen, die mit Vermittlungshemmnissen an
den Start gehen oder als Langzeitarbeitslose ihre Chance suchen müssen. Die anhaltend
schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt führt dazu, dass offene Stellen in einigen Branchen
nur begrenzt verfügbar sind. Das JobCenter hat dennoch das Ziel, gemeinsam mit seinen
Kundinnen und Kunden individuelle Perspektiven für sie zu entwickeln. Wir setzen
verstärkt auf Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, um ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt zu verbessern, und unterstützen sie bei der Suche nach passenden
Beschäftigungsmöglichkeiten. Wir stehen beratend und begleitend zur Seite, um
gemeinsam Wege in eine nachhaltige berufliche Zukunft zu finden. Die Potenziale dieser
Personen zu entwickeln, unterstützt auch den Arbeitsmarkt. Um offene Stellen zu
besetzen, arbeiten wir als JobCenter daran, den richtigen Bewerber und die passende
Bewerberin mit dem richtigen Arbeitgebenden zusammenzubringen. Dabei gilt es auch
unter den aktuellen Bedingungen, bislang zu wenig genutzte Bewerbergruppen für den
Arbeitsmarkt zu aktivieren: z.B. Menschen mit einer (Schwer-)Behinderung,
Arbeitsuchende mit Migrationshintergrund oder Geflüchtete mit Bleibeperspektive. Ein
starkes Thema bleibt für das JobCenter Essen weiterhin außerdem die Förderung der
Frauenerwerbstätigkeit.“ - Dietmar Gutschmidt, Fachbereichsleiter JobCenter Essen
Die Zahlen im Einzelnen:
Beschäftigung auf hohem Niveau
Zum aktuellen Stichtag Ende Juni 2025 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten in Essen, allerdings nicht so deutlich wie noch in den Vorjahren: Insgesamt
271.635 Personen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 1.038 mehr als im Juni
2024, ein Plus von 0,4 Prozent. Wie bereits in den letzten Jahren stieg die Beschäftigung
der Menschen aus der Ukraine kontinuierlich und im Vergleich zu 2024 deutlich mit einem
Plus von 52,6 Prozent oder 486 Personen. Auch Personen aus den acht stärksten
Herkunftsländern sorgten für einen Anstieg in der Beschäftigung zum Vorjahr um 17,8
Prozent oder 1.328 Menschen. Zuwächse zeichneten sich ab bei älteren Beschäftigten
über 65 Jahren und damit eine Tendenz der Unternehmen, Ältere länger zu beschäftigen
statt Jüngere einzustellen.
Nach Branchen betrachtet gab es die höchsten Zuwächse bei der
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Bereich Erziehung und Unterricht. Den
höchsten Rückgang gab es bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlich und
technischen Dienstleistungen zu verzeichnen. Auch die wirtschaftlichen Dienstleistungen
gingen zurück, gefolgt von Information/Kommunikation und Baugewerbe (betrachtet
werden hier jeweils März 2024/März 2025, aktuelle Daten stehen turnusgemäß Mitte
Januar zur Verfügung). Die meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren mit
10,0 Prozent im Gesundheitswesen und mit 6,7 Prozent im Einzelhandel tätig.
Arbeitsmarkt weiterhin von konjunktureller Entwicklung beeinflusst
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 35.270 Essenerinnen und Essener arbeitslos
gemeldet. Das sind 2.310 Personen oder 7,0 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Im
langjährigen Verlauf stieg die Arbeitslosigkeit damit stärker als im gesamten Ruhrgebiet
mit 4,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag bei 11,4 Prozent.
Rund 60 Prozent der arbeitslos gemeldeten Frauen und Männer sind lediglich auf
Helferniveau qualifiziert. Sie passen damit häufig nicht zum Anforderungsniveau auf dem
Arbeitsmarkt, der in allen Branchen einen hohen Fachkräftebedarf aufweist. Verschärfend
wirkt, dass rund 73 Prozent der arbeitslos gemeldeten Personen über keine
Berufsausbildung verfügen.
Der höchste Anstieg mit 17,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr war in der
Personengruppe 55 Jahre und älter zu verzeichnen. Bei den jungen Arbeitslosen bis 25
Jahren stieg die Arbeitslosigkeit um 8,5 Prozent.
Arbeitskräften: vor allem Fachkräfte gefragt
Mit 3.372 gemeldeten Arbeitsstellen im Bestand waren 158 Stellen weniger zu
verzeichnen, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Chancen, eine neue Beschäftigung
zu finden, verschlechterten sich damit.
Bei den neu gemeldeten Arbeitsstellen gab es einen moderaten Anstieg, aber insgesamt
wenig Dynamik infolge der konjunkturellen Lage: So waren im Jahresdurchschnitt 780
Stellen oder 9,8 Prozent mehr zu verzeichnen. Insgesamt wurden 8.773 Arbeitsstellen
neu gemeldet.
Qualifikation bleibt wichtigste Voraussetzung: Denn bei den ausgeschriebenen Stellen
werden zu über 80 Prozent Fachkräfte oder höher qualifizierte neue Mitarbeitende
gesucht. Die Arbeitskräftenachfrage in Essen ist im Bereich Lagerwirtschaft und im
Verkauf am größten.
Wichtige Stellschraube bleibt das Engagement in Weiterbildung
Durch die verstärkte Weiterbildungsoffensive konnten in Essen im Jahr 2025 insgesamt
3.126 Menschen berufliche Weiterbildungsmaßnahmen besuchen, eine Steigerung um
rund 2 Prozent. Durch Weiterbildung erhöhen sich die Jobaussichten – daher wird
Weiterbildung auch in 2026 gefördert – für Menschen auf der Suche nach einer neuen
Beschäftigung ebenso wie für Menschen in Beschäftigung mit dem Ziel, sich zukunftsfähig
aufzustellen.
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