Eine fundierte Berufsorientierung, begleitende Berufsberatung und attraktive Ausbildungsangebote helfen jungen Menschen dabei, den Berufseinstieg zu meistern und sich eine nachhaltige berufliche Zukunft aufzubauen. Unterstützende Instrumente wie die Einstiegsqualifizierung (EQ) und Praktika, wie z.B. ein Berufsorientierungspraktikum, können Jugendlichen neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Talente und Fähigkeiten zu entfalten und den Übergang in das Berufsleben erleichtern.
Wie der Einstieg über eine EQ gelingen kann, zeigt das Beispiel von R. Meister. „Wir sind sehr froh, über den Weg einer Einstiegsqualifizierung einen neuen Auszubildenden gefunden zu haben“, betont Gabriel Hackenjos, Leiter der FFH-Fußballschule. „Wir haben erst von der Berufsberatung der Arbeitsagentur erfahren, dass es diese Möglichkeit gibt. Während der Praktikumszeit konnten wir uns davon überzeugen, dass Herr Meister bei uns richtig ist. Seit dem ersten August 2025 macht er nun bei uns eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann.“
„Es ist für jedes Unternehmen ganz klar ein Gewinn, in die Ausbildung junger Menschen zu investieren“, erklärt Björn Krienke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main. „Betriebe, die diese Instrumente nutzen, zeigen nicht nur ein großes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein, sondern profitieren in Folge auch von engagiertem Nachwuchs. Immer mehr junge Menschen arbeiten leider auch längerfristig ohne einen Berufs- oder Studienabschluss und lassen sich von einem vermeintlich höheren Einstiegsgehalt locken. Das ist eine fatale Entwicklung, da solche Beschäftigungen auf Dauer meist ein hohes Entlassungsrisiko bergen und deutlich schlechtere Verdienstaussichten bieten. Leider beobachten wir mit einem Minus von fast 29 Prozent aktuell auch einen starken Rückgang an Ausbildungsangeboten bei gleichzeitigem Anstieg der Bewerberzahl. Bleibt es bei diesem Trend, entsteht eine besorgniserregende Schieflage, denn ohne Ausbildung können keine Fachkräfte entstehen.“
Oliver Flaß, Abteilungsleiter Ausbildungsberatung der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main: „Eine Ausbildung im Handwerk bietet ein sicheres Fundament für eine berufliche Laufbahn, die viele attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen bereithält. Denn nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung stehen den Fachkräften zahlreiche Weiterbildungen und Karriereschritte bis hin zur Selbstständigkeit offen. Die Einstiegsqualifizierung hat im Jahr 2025 für ein gutes Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Handwerksbetrieben aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet als Türöffner in die Ausbildung funktioniert: Sie haben am Ende nicht nur ein EQ-Zertifikat, sondern eben auch einen Ausbildungsvertrag in der Tasche gehabt. Die Betriebe wiederum konnten ihre zukünftigen Azubis ausreichend kennenlernen und ins Team integrieren. Am Ende eine Win-Win-Situation für beide Seiten!“
Dr. Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin Geschäftsfeld Aus- und Weiterbildung, IHK Frankfurt am Main: „Wir beraten unsere Unternehmen gern zu dem Instrument Einstiegsqualifizierungen. Denn in 6 von 10 Fällen finden diese damit ihren geeigneten Kandidaten für einen Ausbildungsplatz. Einstiegsqualifizierungen passen immer dann, wenn das Unternehmen keinen geeigneten Bewerber finden. Sie bieten eine niedrigschwellige Möglichkeit, Kandidaten für einen Ausbildungsplatz über einen längeren Zeitraum unter echten Praxisbedingungen kennen zu lernen.“
„Für viele junge Menschen kann die Einstiegsqualifizierung eine wichtige Brücke in eine Ausbildung sein. Sie sammeln erste praktische Erfahrungen im Betrieb und können herausfinden, ob der angestrebte Beruf wirklich zu Ihnen passt. Gleichzeitig erleben sie, wie es ist, Teil eines Teams zu sein und im Arbeitsalltag Verantwortung zu übernehmen. Auch Unternehmen lernen potenzielle Auszubildende frühzeitig kennen. Davon profitieren sowohl die jungen Menschen als auch die Unternehmen“, erklärt Mehmet Cihan Teamleitung Markt und Integration Jugendjobcenter Frankfurt.
Esther Berrens, Senior-Ausbildungskoordinatorin GIZ Eschborn: „Wir bieten seit 10 Jahren eine Einstiegsqualifizierung im kaufmännischen Bereich und in der IT an. Zielgruppe sind junge Menschen mit Fluchthintergrund. Die Einstiegsqualifizierung ist für uns eine gute Möglichkeit junge Menschen kennenzulernen, denen wir aufgrund ihrer Deutschkenntnisse noch keinen Ausbildungsplatz anbieten würden. Die Einstiegsqualifizierung dauert bei uns 11 Monate. In dieser Zeit besuchen die Teilnehmenden einen B2-Deutschkurs, damit sie mit soliden Deutschkenntnissen in eine Ausbildung starten können.“
Sinah Schmitt, Ausbildungsleiterin bei Elektro Ehinger GmbH: „Wir haben mit der Einstiegsqualifizierung gute Erfahrungen gemacht und schon einige fitte junge Menschen für eine Ausbildung bei uns gewonnen. Während der EQ können wir den potenziellen Nachwuchs ganz genau prüfen, während der Teilnehmer ein umfassendes Bild über den Ausbildungsberuf erhält, das Team kennenlernt und – nicht ganz unwichtig – schon vor der Ausbildung eine Vergütung bekommt. Zugegeben, ein wenig bürokratischer Aufwand ist da – aber am Ende können alle ohne Risiko profitieren, der Betrieb und der Teilnehmer.“
Hintergrund
Eine „Einstiegsqualifizierung“, kurz „EQ“, ist ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum, das von der Agentur für Arbeit mit einem Zuschuss zur Praktikumsvergütung und einer Pauschale für die Beiträge zur Sozialversicherung gefördert wird. Es dauert zwischen sechs und zwölf Monaten.
Die Vorteile: Jugendliche und junge Erwachsene, die keine Ausbildungsmöglichkeit gefunden haben, können ihre Zeit sinnvoll nutzen und sich im Rahmen des Praktikums auf eine Ausbildung vorbereiten. Die Zeit kann eventuell auf eine anschließende Ausbildung angerechnet werden. Unternehmen können durch eine EQ potentielle Auszubildende kennenlernen und sich so ihre zukünftigen Fachkräfte sichern.
Gemeinsame Initiative
Zusammen setzen sich die lokalen Kooperationspartnerinnen und -partner Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, das Jobcenter Frankfurt am Main sowie die Agentur für Arbeit Frankfurt am Main dafür ein, Karrierechancen durch duale Ausbildung aufzuzeigen und die Region als Wirtschaftsstandort weiter zu stärken. Je nach Schwerpunkt unterstützen und beraten sie junge Menschen bei der Berufsorientierung, helfen bei der Suche nach Praktika, organisieren Bewerbungsbörsen, stellen Kontakte zu Unternehmen her und begleiten Schülerinnen, Schüler oder auch Studierende bei Bedarf vor, während und nach der Ausbildung oder einem Studium.