Den Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Blick

Interview mit Andrea Olschewski-Schmitt zur 1. Freisinger Jobmesse

20.04.2026 | Presseinfo Nr. 16

Seit dem 1. Januar 2026 ist Andrea Olschewski-Schmitt die neue Chefin der Agentur für Arbeit Freising. Im Interview gibt sie Auskunft zur aktuellen Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Landkreis Freising und erklärt, warum direkte Begegnungen zwischen Unternehmen und Bewerbenden – etwa auf Jobmessen – ganz wichtig sind.

Andrea Olschewski-Schmitt
Andrea Olschewski-Schmitt, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freising

Wie würden Sie die aktuelle Lage auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Landkreis Freising beschreiben?

Andrea Olschewski-Schmitt: „Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Landkreis Freising ist aktuell insgesamt recht stabil. Die Arbeitslosenquote liegt im Landkreis Freising weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau, auch wenn wir – wie viele Regionen – merken, dass die bundesweit unsichere wirtschaftliche Lage auch bei uns Spuren hinterlässt. Gleichzeitig suchen viele Unternehmen weiterhin dringend Personal. Es gibt also nach wie vor viele offene Stellen, vor allem für qualifizierte Fachkräfte. Insgesamt kann man sagen: Die Situation ist solide, aber sowohl Betriebe als auch Arbeitssuchende müssen sich aktuell ein Stück weit auf Veränderungen einstellen.“

Welche Besonderheiten unterscheidet den Arbeitsmarkt in Freising von anderen Landkreisen – sowohl positiv als auch herausfordernd? 

Andrea Olschewski-Schmitt: „Eine Besonderheit des Arbeitsmarktes im Landkreis Freising ist seine sehr dynamische Wirtschaftsstruktur. Der Landkreis profitiert stark von seiner Nähe zur Metropolregion München sowie von großen wirtschaftlichen Ankern wie dem Flughafen München, aber auch von einem bunten Branchenmix und den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die hier tätig sind. Dadurch entstehen viele Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa im Bereich Verkehr und Logistik, im Dienstleistungssektor, im Handwerk, im Handel sowie im Gesundheitswesen. Gleichzeitig bringt diese starke wirtschaftliche Dynamik auch Herausforderungen mit sich. Der Fachkräftebedarf ist hoch, und viele Betriebe berichten von Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen. Hinzu kommt, dass die hohe Lebensqualität und die Nähe zu München zwar attraktiv sind, aber auch mit steigenden Lebenshaltungs- und Wohnkosten einhergehen, was für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen eine Herausforderung darstellen kann.“

Welche Entwicklungen oder Trends auf dem regionalen Ausbildungsmarkt beobachten Sie aktuell besonders aufmerksam?

Andrea Olschewski-Schmitt: „Beim Ausbildungsmarkt sehen wir im Moment eine Entwicklung, die in vielen Regionen ähnlich ist: Viele Betriebe halten grundsätzlich an der Ausbildung fest und investieren damit in ihren Fachkräftenachwuchs. Insgesamt wurden uns in den letzten Monaten aber weniger Ausbildungsstellen gemeldet als in den Vorjahren – dieser Tendenz müssen wir gemeinsam entgegenwirken. Schon heute zeigt sich in einigen Berufsbereichen ein spürbarer Mangel an Fachkräften. Auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aktuell für manche Betriebe herausfordernd sind, werden sich diese perspektivisch wieder verbessern. Umso wichtiger ist es für Betriebe, gerade jetzt weiter in die Ausbildung junger Menschen zu investieren. Deshalb mein Appell: Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur melden und aktiv für die betriebliche Ausbildung werben.“

Warum halten Sie es gerade jetzt für wichtig, dass im Landkreis Freising eine Jobmesse veranstaltet wird? 

Andrea Olschewski-Schmitt: „Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt befindet sich in einer Phase des Wandels: Viele Unternehmen suchen weiterhin dringend Mitarbeitende und Auszubildende, gleichzeitig sind viele Menschen unsicher, welche Möglichkeiten es aktuell gibt oder welcher berufliche Weg für sie der richtige sein könnte. Eine Jobmesse schafft hier einen direkten Treffpunkt: Unternehmen, die Personal suchen, und Menschen, die sich beruflich orientieren oder verändern möchten, kommen ganz unkompliziert miteinander ins Gespräch. Dieser persönliche Austausch ist durch nichts zu ersetzen und kann oft Türen öffnen, die sich über eine reine Onlinebewerbung nicht so leicht ergeben. Für Jugendliche und Ausbildungsplatzsuchende bietet eine Jobmesse darüber hinaus die Chance, Berufe ganz konkret kennenzulernen. Viele junge Menschen wissen zwar, dass es zahlreiche Ausbildungswege gibt, können sich aber oft nur schwer vorstellen, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussieht. Auf einer Messe können sie direkt mit Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbildern oder Personalverantwortlichen sprechen, Fragen stellen und verschiedene Branchen vergleichen. Das hilft enorm bei der Berufsorientierung.“

Gibt es bestimmte Branchen oder Berufsfelder im Landkreis Freising, für die die Jobmesse besonders relevant ist? Wenn ja, welche und warum? 

Andrea Olschewski-Schmitt: „Besonders relevant sind Jobmesse für Branchen, in denen der Fachkräftebedarf besonders spürbar ist. Dazu gehören im Landkreis Freising unter anderem der Bereich Logistik und Verkehr. Auch das Handwerk, das Gesundheitswesen sowie technische Berufe suchen regelmäßig Nachwuchs und qualifizierte Mitarbeitende. Gerade in diesen Bereichen kann der persönliche Kontakt entscheidend sein, um Interesse zu wecken und Menschen für eine Ausbildung oder eine Tätigkeit zu gewinnen.“

Was würden Sie jemandem sagen, der denkt: „Eine Jobmesse bringt mir nichts, ich finde alles online“?

Andrea Olschewski-Schmitt: „Den Satz kann ich auf den ersten Blick nachvollziehen. Natürlich spielt das Internet bei der Jobsuche heute eine große Rolle. Aber eine Jobmesse bietet etwas, das online schwer zu ersetzen ist: das persönliche Gespräch. Man kann spontan Fragen stellen, einen ersten Eindruck vom Unternehmen gewinnen und manchmal sogar direkt Kontakte knüpfen, die später zu einem Praktikum, einer Ausbildung oder einem Job führen. Außerdem entdeckt man auf einer Messe oft Berufe oder Unternehmen, nach denen man online vielleicht gar nicht gesucht hätte.“