Das Thema Pflege geht alle an. Jeder Mensch kann im Laufe des Lebens auf Unterstützung und Betreuung angewiesen sein – sei es im Alter, nach einer Krankheit oder einer schwierigen Lebenssituation. Dabei hängt verlässliche Pflege entscheidend von den Menschen ab, die sie täglich leisten. Ohne eine ausreichende Zahl an Pflegekräften kann gute Pflege nicht gewährleistet werden. Die Agentur für Arbeit Weilheim mit der Geschäftsstelle Fürstenfeldbruck und die Agentur für Arbeit Freising mit der Geschäftsstelle Dachau sowie die Jobcenter aus Fürstenfeldbruck und Dachau luden deshalb vergangene Woche zum Branchentreff Pflege ein. Rund 30 regionale Arbeitgebende aus dem Pflegebereich kamen mit Katrin Staffler, Mitglied des Bundestags und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, sowie den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitsverwaltung zusammen, um über Wege der Personalgewinnung aus dem In- und Ausland zu beraten.
Der regionale Arbeitsmarkt in den Pflegeberufen
Die beiden Chefinnen der Agenturen für Arbeit Ulrike Sommer und Andrea Olschewski-Schmitt gaben zunächst einen Einblick in die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt in den beiden Landkreisen: 2025 waren im Landkreis Fürstenfeldbruck 1.959 und im Landkreis Dachau 1.881 Menschen sozialversicherungspflichtig in Pflegeberufen tätig. Die Beschäftigung stieg zwar in beiden Landkreisen zuletzt an, jedoch nur leicht. Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit in den Pflegeberufen weiter niedrig. Das Beschäftigungswachstum wird in der Region bereits heute maßgeblich durch Arbeits- und Fachkräfte aus dem Ausland getragen. Die Herausforderungen werden in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Nach der Pflegestrukturplanung des Bayerischen Landesamts für Statistik wird der Bedarf an Arbeits- und Fachkräften in den Pflegeberufen deutlich steigen. Für den Landkreis Fürstenfeldbruck wird bis 2050 ein zusätzlicher Bedarf von 446,5 Vollzeitkräften prognostiziert – ein Anstieg von rund 40 Prozent gegenüber 2023. Im Landkreis Dachau liegt der zusätzliche Bedarf bei 550,3 Vollzeitkräften beziehungsweise 61 Prozent.
Wege der Personalgewinnung
Um aktuellen und künftigen Personalbedarfen im Pflegebereich zu begegnen, unterstützen die Arbeitsagenturen und Jobcenter die Pflegeeinrichtungen bei der Suche nach Auszubildenden, fördern Weiterbildungen von Beschäftigten – von der Hilfskraft zur Fachkraft – und helfen bei der Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus dem In- und Ausland. Darüber hinaus sei es eine entscheidende Aufgabe gerade der Politik die Rahmenbedingungen in der Pflege so zu gestalten, dass sich mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege entscheiden, erläuterte Katrin Staffler in ihrem Impulsvortrag. Um das Berufsfeld attraktiver zu machen, wurde deshalb bereits die Reform der Pflegeausbildung umgesetzt, die eine stärkere Durchlässigkeit innerhalb der Pflegeberufe ermöglicht sowie eine deutliche Verbesserung bei der Bezahlung erreicht.
Was läuft schon gut, wo gibt es Verbesserungspotenziale?
Den anschließenden Austausch nutzten die Vertreterinnen und Vertreter der Pflegeeinrichtungen, um ihre Erfahrungen aus der Praxis zu schildern. Deutlich wurde die hohe Bereitschaft der Unternehmen, verschiedene Wege bei der Personalgewinnung zu gehen. Gleichzeitig wurden bürokratische Hürden angesprochen, die im Arbeitsalltag Weiterbildungsmaßnahmen oder auch die langfristige Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte erschweren. Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung der Tarifbindung in den Pflegeberufen und verwiesen auf weiteres Potenzial bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen, etwa durch angepasste Personalschlüssel. Einigkeit herrschte darüber, dass die Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt in Sachen Pflege nur gemeinsam bewältigt werden können. Politik, Arbeitsverwaltung und Pflegeeinrichtungen seien gleichermaßen gefordert, ihre Kräfte weiter zu bündeln. Eine Folgeveranstaltung gemeinsam mit weiteren relevanten Akteuren ist geplant, um die regionalen Netzwerke zu stärken, konkret Hürden abzubauen und die Zusammenarbeit weiter auszubauen.