„Die Steigerung der Arbeitslosigkeit im Gelsenkirchener Agenturbezirk fällt zwar geringer aus als landesweit, dennoch bewegen wir uns mit einer Quote von 13,0 Prozent unbestritten auf hohem Niveau“, berichtet Annette Höltermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen. „Die Gründe sind vielfältig. Neben strukturellen Faktoren wie dem demografischen Wandel oder der Transformation der Arbeitswelt beeinflusst auch die schlechte Konjunktur weiterhin den Arbeitsmarkt. Erfreulicherweise zeigen die gestiegenen Meldungen freier Arbeitsplätze, dass nach wie vor Bedarf an Arbeitskräften besteht. Gleichzeitig müssen wir uns der Situation stellen, dass mehr als Dreiviertel der Stellen sich an Fachkräfte oder höher Qualifizierte richten, die einem Großteil von Arbeitsuchenden auf Helferniveau gegenüberstehen. Hier ist der Punkt, an dem wir auch in 2026 mit verstärkten Kräften ansetzen werden. Wir müssen Menschen qualifizieren und weiterbilden, um sie dort einsetzen zu können, wo sie gebraucht werden! Wachstum ist nur möglich, wenn genug qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und dafür sollten wir die Instrumente nutzen, die uns zur Verfügung stehen. Qualifizierung wird vor dem Hintergrund der sich immer schneller verändernden Arbeitswelt auch für Menschen in Beschäftigung immer interessanter. Hier sehen wir ebenfalls großes Unterstützungspotenzial, sowohl für den Einzelnen, als auch für Arbeitgebende. Nur, wer Mitarbeitende im eigenen Betrieb weiterbildet, kann sie an sich binden und seine unternehmerische Zukunft sichern. Prävention ist daher eine weitere, wichtige Säule unserer Arbeit, auch im Hinblick auf die jüngere Generation. Wir haben dazu ganz unterschiedliche Begegnungsformate zwischen Jugendlichen und Betrieben geschaffen und appellieren nach wie vor an Arbeitgebende, sich für die Themen Praktika und Ausbildung zu öffnen. Im eigenen Interesse: Wer heute vorausschauend Fachkräfte ausbildet, der hat morgen nicht das Nachsehen.“
Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung auf hohem Niveau
Zum aktuellen Stichtag Ende Juni 2025 lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Agenturbezirk bei 117.166 Personen. Damit bewegt sie sich trotz leichten Rückgangs um 0,1 Prozent im Vergleich zu Juni 2024 weiterhin auf hohem Niveau. Wie bereits in den vergangenen Jahren stieg die Beschäftigung der Menschen aus der Ukraine kontinuierlich und im Vergleich zu 2024 deutlich um 61,6 Prozent bzw. 189 Personen. Auch unter den Personen der acht stärksten Herkunftsländer ist im vergangenen Jahr ein Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung von 17,6 Prozent (+483 Personen) zu verzeichnen, damit liegt der Agenturbezirk Gelsenkirchen über dem landesweiten Durchschnitt von 13,6 Prozent.
Nach Branchen betrachtet gab es die höchsten realen Zuwächse bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Bereich Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben sowie der Unternehmensberatung (+352 Personen). Den höchsten Rückgang gab es im Bereich Einzelhandel mit 428 Personen weniger. Verglichen werden dabei die aktuellsten Auswertungen März 2025 sowie März 2024. Die meisten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten im Gesundheitswesen (12.687), gefolgt vom Einzelhandel und dem Sozialwesen.
Arbeitslosigkeit geringer gestiegen als landesweit
Im Jahresdurchschnitt 2025 stieg die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk von 24.968 auf 25.887 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem Plus von 3,7 Prozent fiel die Steigerung damit geringer aus als ruhrgebiets- oder landesweit (+4,1% bzw. +4,5%). Auch bei der Jugendarbeitslosigkeit gab es eine Steigerung von 5,2 Prozent, im Jahresdurchschnitt waren also 2.476 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren im Agenturbezirk arbeitslos.
Die Arbeitslosenquote stieg agenturweit im vergangenen Jahr auf 13,0 Prozent. Dabei kommt die Stadt Gelsenkirchen auf eine Arbeitslosenquote von 15,2 Prozent, Bottrop verzeichnet eine Quote von 8,2 Prozent.
Auch 2025 verzeichnete der Agenturbezirk damit die höchste Arbeitslosenquote in NRW. Hier lag die Quote im Durchschnitt bei 7,8 Prozent (Ruhrgebiet: 10,5%).
Arbeitskräftenachfrage gestiegen, Stellenbesetzung schwierig
Entgegen dem Ruhrgebietstrend verzeichnete die Agentur für Arbeit Gelsenkirchen im vergangenen Jahr einen Zuwachs bei den gemeldeten Arbeitsstellen. So wurden 2025 5.183 Stellen neu gemeldet, das ist ein Plus von 7,1 Prozent im Vergleich zu 2024 (NRW: -3,1%). Dennoch blieb es auch 2025 schwierig, freie Arbeitsstellen zu besetzen: Der Bestand gemeldeter Stellen stieg im vergangenen Berichtsjahr um 5,3 Prozent und wenngleich die Vakanzzeit sich geringfügig um vier Tage verringerte, spiegelt sie mit durchschnittlich 144 Tagen die schwierige konjunkturelle Lage wider.
Qualifikation bleibt wichtigste Voraussetzung: Rund 78 Prozent der ausgeschriebenen Stellen richten sich an Menschen, die entweder auf Fachkraftniveau oder höher qualifiziert sind. Dem gegenüber stehen jedoch 64 Prozent der arbeitslosen Menschen in Gelsenkirchen und Bottrop, die lediglich auf Helferniveau eine Beschäftigung suchen. Zudem können 69,5 Prozent der Arbeitslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, ein Umstand, der ebenfalls negativ ins Gewicht fallen kann.
Engagement in Weiterbildung bleibt unerlässlich
Weiterbildung und Qualifizierung erhöhen die Jobaussichten. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Agentur für Arbeit Gelsenkirchen 2.135 Eintritte in Weiterbildungsmaßnahmen, das entspricht einer Steigerung von 7,4 Prozent. Die meisten Weiterbildungen fanden im Bereich Führen von Fahrzeug- und Transportgeräten statt (476), gefolgt vom Bereich der Medizinischen Gesundheitsberufe (258) und Berufen der Unternehmensführung und -organisation (201).