Göttingen. Der Blick auf den Arbeitsmarkt Ende Februar weist im Agenturbezirk Göttingen gegenüber dem Vormonat kaum Veränderungen auf. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen sank im Vergleich zum Januar um zehn (-0,1%) auf aktuell 16.277. Der Bestand an offenen Stellen umfasste 3.712 Arbeitsangebote, 34 (0,9%) mehr als im Vormonat. Und auch die im Verlauf des Februars neu gemeldeten Stellen überstiegen mit insgesamt 779 Offerten den Vormonatswert um 52 (7,2%). Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 6,6%. Damit liegt sie 0,1 Prozentpunkte niedriger als im Januar.
Entwicklung im Vergleich zum Vorjahresmonat
Eine andere Situation offenbart der Vergleich mit den Februarwerten 2025. Hier zeigt sich insbesondere in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) – dem Bereich, für den die Agentur für Arbeit Göttingen zuständig ist - ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit. Im zurückliegenden Monat waren bei der Arbeitsagentur 6.116 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Plus von 650 (11,9%) gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Bereich der Arbeitslosenversicherung reagiert deutlich sensibler als die Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II), die von den Jobcentern verantwortet wird. Das heißt, dass sich Eintrübungen auf dem Arbeitsmarkt, seien es konjunkturelle Entwicklungen oder auch Transformationsprozesse, in den Arbeitslosenzahlen der Arbeitslosenversicherung zeitnah abbilden. Die Jobcenter erreichen diese Eintrübungen in der Regel erst zeitverzögert.
Bei den Jobcentern der Region waren im Februar 10.161 Menschen arbeitslos gemeldet.
Der Blick auf den Vorjahresvergleich auf Stellenseite zeigt ein ähnliches Bild: stieg der Bestand gegenüber Januar noch etwas an, so waren gegenüber Februar 2025 794 Stellen weniger gemeldet (-17,6%). Und auch die Zahl der neu gemeldeten Arbeitsangebote lag 10,7 Prozent (93 Stellen) unter dem Vorjahreswert.
Klaudia Silbermann, Chefin der Agentur für Arbeit Göttingen, sieht, dass sich für viele Arbeitslose die Stellensuche schwieriger gestaltet, als noch vor ein bis zwei Jahren. „Konjunktur und Transformationsprozesse, Strukturwandel durch Digitalisierung sowie globale Krisen hinterlassen mittlerweile auch auf unserem regionalen Arbeitsmarkt Spuren. Das zeigt sich sowohl in der steigenden Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung, als auch im Rückgang der uns gemeldeten Stellen. Doch der Arbeitsmarkt bietet in einer sich rasant verändernden Berufswelt auch viele neue Chancen. Daher ist es wichtig, die eigene berufliche Aus- und Weiterbildung und lebenslanges Lernen ernst zu nehmen. Die Agentur für Arbeit kann dazu beraten und unterstützen.“
Dass es einen engen Zusammenhang zwischen beruflicher Qualifikation und Arbeitslosigkeit gebe, zeigten, so Silbermann weiter, die qualifikationsbezogenen Arbeitslosenquoten: Im Bezirk der Agentur für Arbeit Göttingen lag die Arbeitslosenquote für Ungelernte 2025 bei 23,4 Prozent, für Menschen mit Ausbildung (inclusive Hochschulstudium) hingegen lediglich bei 3,5 Prozent.
Ausbildungsmarkt
„Das erhöhte Risiko von Arbeitslosigkeit für Ungelernte, das sich in den qualifikationsbezogenen Arbeitslosenquoten abbildet, verdeutlicht, wie wichtig ein gut gestalteter Übergangs Schule-Beruf ist“, so Silbermann. „Es freut mich daher, dass auch in diesem Jahr die Zahl junger Menschen gestiegen ist, die mit Unterstützung unserer Berufsberatung und der Jobcenter einen Ausbildungsplatz suchen. Rückläufig ist bisher allerdings die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen. Das dürfte in erster Linie auf die wirtschaftlich schwierige Situation zurückzuführen sein. Dennoch appelliere ich an die Arbeitgebenden, in ihrer Ausbildungsbereitschaft nicht nachzulassen. Denn jede Fachkraft, die heute nicht ausgebildet wird, wird den Unternehmen morgen fehlen.“
Für junge Menschen und andere Interessierte hat die Agenturchefin noch einen Tipp: „Am 7. März, von 10 bis 15:00 Uhr, findet in der Göttinger Lokhalle der GöBit statt. Für alle, die sich erst einen Überblick über die unterschiedlichen Berufsfelder verschaffen möchten, eine tolle Veranstaltung. Aber genauso für diejenigen, die schon einen Plan haben und nun gezielt Unternehmen auf Ausbildungsmöglichkeiten oder ein Praktikum ansprechen möchten. Es werden rund 200 Unternehmen auf dem GöBit vertreten sein. “
Seit Oktober suchen 1.607 junge Menschen mit Unterstützung der Arbeitsagentur und der Jobcenter einen Ausbildungsplatz, 76 mehr (5,0%) als im Vorjahreszeitraum. Wirtschaft und Verwaltung meldeten in dem Zeitraum bisher 1.790 Ausbildungsangebote. Das waren 218 weniger (-10,9%) als im Vorjahreszeitraum.
Unterbeschäftigung
Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden . Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im Februar 19.042. Damit stieg der Wert um 191 (1,0%) gegenüber dem Vormonat, sank aber um 1.100 (-5,5%) im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Entwicklung in den Landkreisen des Arbeitsagenturbezirkes Göttingen
Der Agenturbezirk Göttingen umfasst die Landkreise Northeim und Göttingen. In beiden blieb die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Januar nahezu konstant.
Im Landkreis Göttingen waren im Februar 11.274 Menschen arbeitslos gemeldet, 31 bzw. 0,3 Prozent weniger als im Januar. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl um 856 bzw. 7,1 Prozent. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt 6,5% und liegt damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Februar-Wert 2025.
Im Landkreis Northeim stieg die Arbeitslosenquote binnen Jahresfrist um 0,6 Prozentpunkte auf aktuell 7,1 Prozent. Im zurückliegenden Monat waren 5.003 Menschen arbeitslos gemeldet, 21 bzw. 0,4 Prozent mehr als im Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Zahl um 395 bzw. 8,6 Prozent.
In Folge eines Softwarewechsels im Jobcenter Landkreis Göttingen verringerte sich der Bestand an Arbeitslosen im SGB II zum Juni 2025 deutlich (um ca. 1.000); die Zahl der Abgänge (Schätzung) erhöhte sich entsprechend. Der infolge der Datenrevision verzeichnete, spürbare Rückgang der Arbeitslosigkeit im Landkreis Göttingen ist somit nicht ausschließlich auf marktliche Entwicklungen zurückzuführen.
Der Vergleich zum Vorjahr ist in der Folge für den Bereich SGB II Landkreis Göttingen wie auch für die Gesamtdaten des Agenturbezirkes derzeit aktuell nur eingeschränkt aussagekräftig.
Dazu gehören Personen, die mit Arbeitsmarktmaßnahmen wie z.B. beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder Gründungszuschuss gefördert werden, oder sich in einem arbeitsmarkt-politischen Sonderstatus befinden. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Förderstatistik können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, da diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.
Siehe zur Einordnung des Vorjahresvergleiches Fußnote 1.
