Göttingen. Mit einem Appell richtet sich der Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit Göttingen (VA) zum Start der bundesweiten „Woche der Ausbildung“ an alle Partner am Ausbildungsmarkt. Darin hebt das Gremium die Bedeutung insbesondere der betrieblichen Ausbildung für die Zukunft von Jugendlichen sowie die der regionalen Unternehmen hervor.
Wie hoch das Risiko von Jobverlust und Verbleib in Arbeitslosigkeit für Menschen ohne abgeschlossene oder anerkannte Ausbildung sei, zeige sich an dem konstant hohen Anteil von deutlich über 50 Prozent dieser Gruppe an den regionalen Arbeitslosen, führt Agnieszka Zimowska, stellvertretende Vorsitzende des VA und Sprecherin der Arbeitnehmerseite, aus. Und auf der anderen Seite fehlten Fachkräfte, so dass Unternehmen lange Wartezeiten bis zur Stellenbesetzung hätten.
Ausbildung sei, da sind sich alle Mitglieder des VA einig, der Königsweg der Fachkräftesicherung. Neben der Chance für Unternehmen, gut qualifizierte Nachwuchskräfte entsprechend ihren Anforderungen auszubilden und früh an den Betrieb zu binden, bietet die Ausbildung jungen Menschen ein hervorragendes Fundament für ihre berufliche Zukunft. Sie vermittelt Grundlagen, auf denen Weiter- und Aufstiegsqualifizierungen aufgesetzt werden können und die auch bei einer späteren beruflichen Neuorientierung großen Mehrwert bringen.
In den letzten Monaten ist die Zahl der Ausbildungsinteressierten im Agenturbezirk Göttingen gestiegen. Mehr Jugendliche haben sich gemeldet, um mit Unterstützung der Agentur für Arbeit oder der Jobcenter eine Lehrstelle zu suchen. Auf der anderen Seite ist die Zahl der angezeigten Ausbildungsstellen rückläufig. Das hängt unter anderem mit den für viele Unternehmen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zusammen. Manche Ausbildungsbetriebe resignieren aber auch, weil sie zuletzt wenig geeignet erscheinende Bewerberinnen oder Bewerber finden konnten. Auch die teilweise Veränderung von Berufsschulstandorten beeinflusst die regionale Ausbildung.
Dennoch appelliert Dinah Stollwerck-Bauer, Vorsitzende des VA und Sprecherin der Arbeitgeberseite, an die Unternehmen, in ihrer Ausbildungsleistung nicht nachzulassen. „Fachkräfte, die wir heute nicht ausbilden, werden uns morgen fehlen. Bleiben Sie Chancengeber! Und zwar für Ihr eigenes Unternehmen ebenso wie für junge Menschen, denen Sie beim Bau eines tragfähigen beruflichen Fundamentes helfen.“
Annelore von Hof, Sprecherin der Öffentlichen Körperschaften im VA, wirbt bei Jugendlichen und Unternehmen dafür, offener an die Berufswahl und auch an die Bewerberauswahl heranzugehen. „Kein Jugendlicher kennt die ganze Bandbreite an spannenden Berufen. Wichtig ist es, sich gut zu informieren, zum Beispiel auf Berufsorientierungsmessen. Und dann heißt es: ausprobieren und in den vermeintlichen Traumberuf wie auch in mögliche berufliche Alternativen hineinschnuppern. Ein Praktikum ist das beste Angebot, das Ausbildungsinteressierte und Betriebe sich gegenseitig machen können. Sei es ein Schülerpraktikum, ein Kennenlernen im Rahmen des Zukunftstages, oder ein Betriebsorientierungspraktikum nach der Schulzeit. Ein Praktikum ermöglicht den Praxischeck und bietet Gelegenheit, sich kennenzulernen. Und wenn alles passt, könnte daraus zu guter Letzt auch ein Ausbildungsvertrag werden.“
Klaudia Silbermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, weist auf das Beratungs- und Vermittlungsangebot des Arbeitgeber-Services und der Berufsberatung der Arbeitsagentur hin. „Wir bieten beiden Seiten des Marktes Beratung und Vermittlung an. Zunehmend geht es dabei auch um Alternativen – zum Wunschberuf oder zu Wunschbewerbern. Und mit verschiedenen Förderangeboten können wir Wege ebnen, um beispielsweise Sprachkompetenzen zu stärken oder Nachhilfe im berufstheoretischen Bereich zu finanzieren.
Der Verwaltungsausschuss wirbt für diese Dienstleistungen zur Unterstützung des Ausgleichs am Ausbildungsmarkt und bittet alle Arbeitgebenden, ihre offenen Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit weiterhin zu melden. Der Arbeitgeber-Service unterstützt Betriebe schnell und unbürokratisch: telefonisch unter 0800 4 555520 oder per E-Mail an Goettingen.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de
Hintergrund:
Verwaltungsausschuss:
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung. Das Selbstverwaltungsorgan einer lokalen Arbeitsagentur ist der jeweilige Verwaltungsausschuss (VA). Der VA der Agentur für Arbeit ist das Aufsichts- und Beratungsorgan der Geschäftsführung der Agentur. Vor Ort werden Arbeitsmarktprogramm und Planungen mit der Agenturleitung abgestimmt. So können arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und Initiativen zur Stärkung der Region vereinbart und wertvolle Beiträge zur Gestaltung der Arbeitsmärkte vor Ort geleistet werden
Der VA setzt sich zu gleichen Teilen aus ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitnehmer- und der Arbeitgebergruppe sowie der öffentlichen Körperschaften zusammen.
Woche der Ausbildung:
Die "Woche der Ausbildung" wurde 2014 von der Bundesagentur für Arbeit ins Leben gerufen und wird seither jährlich mit zahlreichen regionalen Partnerinnen und Partnern gestaltet. Ziel ist es dazu beitragen, die Bedeutung der beruflichen Ausbildung für die Zukunft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu verdeutlichen und junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Ein wichtiger Punkt ist auch die Berufsorientierung, um auch weniger bekannte oder nachgefragte Berufe vorzustellen.
