Stagnation statt Frühjahrsbelebung

30.04.2026 | Presseinfo Nr. 22

Göttingen. Der zurückliegende Monat brachte für den Agenturbezirk Göttingen nur einen leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen gegenüber März. Von Frühjahrsbelebung war im April nicht viel zu spüren. Das ist in Anbetracht der andauernden Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft steht, nicht verwunderlich. Zusätzlich kommen nun steigende Sprit- und Energiepreise als Folge des Krieges im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormus auf Unternehmen zu.

Im vergangenen Monat waren in Südniedersachsen 15.602 Menschen bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern der Region arbeitslos gemeldet. Damit sank die Zahl gegenüber März um 70 Personen bzw. 0,4 Prozent. Die aktuelle Arbeitslosenquote lieg im Agenturbezirk Göttingen bei 6,4%. 9.796 Arbeitslose werden von den regionalen Jobcentern betreut, 5.806 von der Agentur für Arbeit Göttingen.

Die Zahl der neu gemeldeten Stellen ist im April gegenüber dem Vormonat gesunken. Im zurückliegenden Monat meldeten Wirtschaft und Verwaltung 833 Stellen zur Besetzung, das waren 114 (12 %) weniger als im März und 35 weniger als vor einem Jahr 
(-4,0%). Die Übersicht der Stellenzugänge nach Wirtschaftszweigen zeigt auch, welche Branchen von den aktuellen Krisen derzeit weniger stark betroffen sind als andere. Von den im April neu gemeldeten Stellen kamen 130 aus dem Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungsunternehmen, 125 aus dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie 107 aus dem Bereich der Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherungen. 

Auch im Bestand sank die Zahl der Jobangebote gegenüber Vor- und Vorjahresmonat. Insgesamt waren im April 3.616 Stellen über die Agentur für Arbeit Göttingen zur Besetzung ausgeschrieben, 37 (1%) weniger als im März und 813 (-18,4%) weniger als im April 2025. 

Nach wie vor richtet sich der größte Teil der Stellenangebote an Fachkräfte (gut 57%), mit Abstand gefolgt von Offerten, die sich an Experten und Spezialisten richten. Nur jedes fünfte Jobangebot ist für Helferinnen und Helfer geeignet.

Klaudia Silbermann, Chefin der Agentur für Arbeit Göttingen, bestätigt ein qualifikationsbedingtes Mismatch am Arbeitsmarkt: „Menschen ohne abgeschlossene oder anerkannte Ausbildung stellen mit gut 57 Prozent die größte Gruppe unter den Arbeitslosen. Für sie stehen mit rund 20 Prozent die wenigsten Arbeitsstellen zur Verfügung. Und ihr Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt mit knapp 17 Prozent deutlich hinter dem der Fachkräfte sowie Experten / Spezialisten. Diese Zahlen zeigen“, so die Arbeitsmarktexpertin weiter, „dass das Risiko von Arbeitslosigkeit für Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung deutlich höher ist als für diejenigen, die eine Berufs- oder Hochschulausbildung abgeschlossen haben. Das gilt insbesondere dann, wenn individuelle Faktoren, wie beispielsweise gesundheitliche Einschränkungen oder fehlende Mobilität, hinzukommen. Es lohnt sich daher, auch jenseits des klassischen Ausbildungsalters darüber nachzudenken, einen Berufsabschluss zu erwerben. Wir können Beschäftigte wie Arbeitslose bei diesem Schritt mit Beratung und Förderung unterstützen.“

Ausbildungsmarkt

Auf dem Ausbildungsmarkt gibt es, ein Vierteljahr vor dem Start der ersten Berufsausbildungen, noch viele Chancen. Seit Oktober 2025 haben sich 1.894 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, um mit Unterstützung der Agentur für Arbeit bzw. der Jobcenter eine Ausbildung zu suchen. Das waren 52 (2,8%) mehr als im Vorjahreszeitraum.

Arbeitgebende aus Wirtschaft und Verwaltung haben seit Oktober 1.943 Ausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Göttingen gemeldet. Das waren zwar 317 weniger als im Vorjahreszeitraum (-14 %). Dennoch liegt die Zahl der angebotenen Lehrstellen weiterhin über der der gemeldeten Ausbildungsinteressierten.

Derzeit sind noch 1.144 junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, 1.077 Lehrstellen sind noch nicht besetzt.

Silbermann wirbt bei Arbeitgebenden darum, auch in schwierigen Zeiten an der betrieblichen Ausbildung festzuhalten: „Es fehlen heute schon Fachkräfte in allen Branchen. Die demografische Entwicklung mit dem anstehenden Renteneintritt der Babyboomer wird die Fachkräftelücke weiter vergrößern. Und eines ist sicher: Die jungen Menschen, die heute nicht ausgebildet werden, werden den Unternehmen morgen fehlen.“

Unterbeschäftigung

Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Dazu zählen zusätzlich zu den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, die aber z.B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung betrug nach vorläufigen Angaben im April 18.647. Im Vergleich zum März sank die Unterbeschäftigung um 75 Personen (-0,4%).

Entwicklung in den Landkreisen des Arbeitsagenturbezirkes Göttingen 

Im Landkreis Göttingen waren im April 10.836 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 19 mehr als im März (+0,2%). Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt für den Landkreis Göttingen 6,2 Prozent und hat sich gegenüber dem Vormonat nicht verändert. 

 

Im Landkreis Northeim waren im April 4.766 Menschen arbeitslos gemeldet, 89 weniger als im März. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg die Zahl der Arbeitslosen um 332 bzw. 7,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit 6,8 Prozent und liegt damit 0,1 Prozentpunkt unter dem Wert des Vormonats. Gegenüber April 2025 stieg die Arbeitslosenquote für den Landkreis Northeim hingegen um 0,5 Prozentpunkte.

  1. ^

     In Folge eines Softwarewechsels im Jobcenter Landkreis Göttingen verringerte sich hier der Be-stand an Arbeitslosen im SGB II zum Juni 2025 deutlich (um ca. 1.000); die Zahl der Abgänge (Schätzung) erhöhte sich entsprechend. Der infolge der Datenrevision verzeichnete, spürbare Rückgang der Arbeitslosigkeit im Landkreis Göttingen ist somit nicht ausschließlich auf marktliche Entwicklungen zurückzuführen. Ein Vergleich der Daten SGB II im Agenturbezirk Göttingen zum Vorjahresmonat ist somit nur bedingt aussagekräftig.

  2. ^

    Dazu gehören Personen, die mit Arbeitsmarktmaßnahmen wie z.B. beruflicher Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten oder Gründungszuschuss gefördert werden, oder sich in einem arbeitsmarktpolitischen Sonderstatus befinden. Aufgrund der Vorläufigkeit der Daten zur Förderstatistik können sich hier in den kommenden Monaten noch Änderungen ergeben. Nicht enthalten sind Beschäftigte in Kurzarbeit, da diese Daten erst mit mehrmonatiger zeitlicher Verzögerung erhoben werden können.

     

  3. ^

     In Folge eines Softwarewechsels im Jobcenter Landkreis Göttingen verringerte sich hier der Bestand an Arbeitslosen im SGB II zum Juni 2025 deutlich (um ca. 1.000); die Zahl der Abgänge (Schätzung) erhöhte sich entsprechend. Der infolge der Datenrevision verzeichnete, spürbare Rückgang der Arbeitslosigkeit im Landkreis Göttingen ist somit nicht ausschließlich auf marktliche Entwicklungen zurückzuführen. Ein Vergleich der Daten SGB II im Landkreis Göttingen zum Vorjahresmonat ist somit nur bedingt aussagekräftig.