Im Dezember waren im Landkreis Vorpommern-Greifswald 10.514 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 9,2 Prozent. Damit waren 397 Personen mehr auf der Suche nach einer bezahlten Beschäftigung als im November.
„Zum Jahresende ist die Arbeitslosigkeit im Zuge der Winterpause nochmals angestiegen“, berichtet Klaus-Peter Köpcke, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. „In den Wintermonaten melden sich regelmäßig Menschen arbeitslos, die in witterungs- und saisonal abhängigen Berufen tätig sind. Außerdem verlangsamt sich rund um die Feiertage die Dynamik am Arbeitsmarkt, denn viele Unternehmen schieben geplante Neueinstellungen ins neue Jahr“, erläutert er.
Dennoch blickt der Agenturleiter zufrieden auf die Entwicklung im Dezember: „Der Anstieg der Arbeitslosigkeit binnen eines Monats fiel mit rund 400 Personen moderat aus. Zudem lag die Arbeitslosenquote mit 9,2 Prozent auf dem Niveau des Vorjahresmonats, auch wenn aktuell 74 Frauen und Männer mehr arbeitslos gemeldet waren als im Dezember 2024.“
Mit Blick auf die Regionen sind insbesondere die Geschäftsstellen Wolgast und Anklam, die die Insel Usedom umfassen, vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen. „Die Auswirkungen der saisonalen Effekte machen sich auf der Urlaubsinsel Usedom am stärksten bemerkbar“, erläutert der Arbeitsmarktexperte.
Rückblick - Arbeitsmarkt blieb 2025 trotz wirtschaftlicher Unsicherheit stabil
Die zum Jahresbeginn 2025 durchgeführte Konjunkturbefragung der IHK Neubrandenburg verdeutlichte die allgemeine Unsicherheit der Unternehmen mit Blick wirtschaftliche Entwicklung. Im Vergleich zur Vorumfrage bewerteten mehr Unternehmen ihre aktuelle Wirtschaftslage als schlecht. Gut jedes dritte Unternehmen rechnete mit einer weiteren Verschlechterung, während nun wenige eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarteten. Als größte Risiken nannten die Unternehmen - neben Energie- und Rohstoffpreisen, Arbeitskosten und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen - weiterhin den Fachkräftemangel[1].
Trotz der gedämpften Erwartungen und der wirtschaftlichen Unsicherheiten zeigte sich der Arbeitsmarkt im Landkreis Vorpommern-Greifswald im Jahr 2025 insgesamt robust. Im Jahresdurchschnitt waren 10.565 Menschen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 1,6 Prozent gegenüber 2024. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 9,3 Prozent und damit unter den Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), das Ende 2024 noch von einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 3,8 Prozent (Mittelwert) und einer Arbeitslosenquote von 9,5 für das Jahr 2025 ausgegangen war[2].
Wie saisonal üblich stieg die Arbeitslosigkeit zu Jahresbeginn an und erreichte im Januar mit 11.322 arbeitslos gemeldeten Männern und Frauen sowie einer Arbeitslosenquote von 9,9 Prozent ihren Höchststand. Im weiteren Jahresverlauf blieb der Arbeitsmarkt in Bewegung, allerdings weniger dynamisch als in den Vorjahren. Zudem belasteten ab der Jahresmitte größere Entlassungen den regionalen Arbeitsmarkt.
Im Herbst nahm der Arbeitsmarkt nochmals Fahrt auf. Im Oktober sank die Zahl der Arbeitslosen auf 10.088 Personen, die Arbeitslosenquote ging auf 8,9 Prozent zurück und verharrte auf diesem Niveau bis in den November hinein.
Im Jahresverlauf vergrößerte sich zunächst der Abstand zu den jeweiligen Vorjahresmonaten, verringerte sich jedoch zum Jahresende wieder.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften lag im Jahresverlauf größtenteils unter dem Vorjahreswert. Erst zum Jahresende 2025 wurde das Niveau von 2024 überschritten. Insgesamt meldeten die Unternehmen 4.851 neue Arbeitsstellen, 55 mehr als im Jahr 2024. „Ein Großteil der Unternehmen sucht Fachkräfte“, so Agenturleiter Köpcke.
Vor diesem Hintergrund werden die Arbeitsagentur und das Jobcenter Vorpommern-Greifswald auch im Jahr 2026 verstärkt in die berufliche Weiterbildung von Arbeitslosen und Beschäftigten investieren. Ursache ist unter anderem die veränderte Struktur der Arbeitslosigkeit: „Der Anteil von arbeitslosen Menschen ohne Berufsabschluss liegt mittlerweile bei 43,6 Prozent“, erläutert Köpcke. „Diese Personengruppe ist sechsmal häufiger arbeitslos als qualifizierte Arbeitskräfte.“
Der gemeinsame Arbeitgeberservice unterstützt daher auch Unternehmen bei der Identifizierung von Weiterbildungsbedarfen, der Auswahl geeigneter Qualifizierungsmaßnahmen und berät zu Fördermöglichkeiten. So können Lehrgangskosten für die Qualifizierung von Beschäftigten teilweise oder vollständig übernommen und Zuschüsse zum Arbeitsentgelt durch die Arbeitsagentur gezahlt werden.
Im vergangenen Jahr begannen 1.524 Frauen und Männer eine durch die Arbeitsagentur geförderte Weiterbildung, 122 mehr als im Jahr 2024.
Bildungsmesse im Januar
Um berufliche Bildungsangebote bekannter zu machen, organisieren die Arbeitsagentur und das Jobcenter Vorpommern-Greifswald am 20. Januar eine Bildungsmesse. In der Zeit von 9.30 bis 13 Uhr können sich Interessierte im Berufsinformationszentrum (BiZ), Am Gorzberg Haus 7 in Greifswald, bei Bildungsdienstleistern über deren Angebote informieren. Zu diesem Termin sind auch Unternehmen sowie interessierte Beschäftigte herzlich eingeladen.
(Hinweis für die Redaktionen: Eine separate Presseinformation folgt.)
Beschäftigungsentwicklung
Die Demografie beeinflusst zunehmend unseren regionalen Arbeitsmarkt. „Die Unternehmen bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Fachkräftebedarf, den Auswirkungen des demografischen Wandels und den wirtschaftlichen Entwicklungen“, fasst Klaus-Peter Köpcke die Herausforderung für die Unternehmen zusammen. In den kommenden zehn bis zwölf Jahren scheiden im Landkreis Vorpommern-Greifswald rund 22.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus. Um den demografisch bedingten Rückgang vor allem deutscher Beschäftigter abzufedern, gewinnt die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte zunehmend an Bedeutung. Aktuell kompensiert der Zuwachs ausländischer Beschäftigter teilweise den Rückgang deutscher Beschäftigter.
Im Landkreis Vorpommern Greifswald waren im Juni 2025 (aktuellste Daten auf Kreisebene) 83.277 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 965 weniger als im Juni 2024. Während die Zahl deutscher Beschäftigten um 1.427 zurückging, nahm sie bei den ausländischen Beschäftigten um 462 zu.
Arbeitslosenquoten im Dezember nach Geschäftsstellen
Anklam 10,5 Prozent, Greifswald 7,5 Prozent, Pasewalk 12,1 Prozent, Ueckermünde 10,8 Prozent, Wolgast 8,8 Prozent
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im Agenturbezirk Greifswald im Dezember unterschiedlich. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde in den Geschäftsstellen Greifswald, Pasewalk und Wolgast eine Zunahme der Arbeitslosigkeit verzeichnet. Lediglich in den Geschäftsstellen Ueckermünde und Anklam wurde ein Rückgang registriert.
Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich
Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im Dezember 3.552 Arbeitslose und damit 12 weniger als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.962 arbeitslose Personen verantwortlich, 86 mehr als im Dezember 2024.
SGB III - 0,3 Prozent
SGB II + 1,3 Prozent
Stellenmarkt
Im Dezember übermittelten die Betriebe dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter noch einmal 438 neue Arbeitsstellen. Sie stammen vorrangig aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (77), dem Gastgewerbe (46), dem Handel (41) und aus dem Wirtschaftszweig Verwaltung und Führung von Unternehmen sowie der Unternehmensberatung mit 47 neuen Offerten.
„Es ist wichtig, das vielfältige Angebot für Arbeits- und Ausbildungssuchende sowie für Beschäftigte, die beispielsweise über eine berufliche Veränderung nachdenken oder aus anderen Regionen kommen, sichtbar zu machen“, erklärt Köpcke. Über die JOBSUCHE, dem Online-Stellenportal der Arbeitsagentur, können Unternehmen ihre offenen Stellen kostenfrei und bundesweit veröffentlichen. „Auch für Jugendliche, die ein Praktikum oder eine Ausbildung suchen, ist die Sichtbarkeit von Ausbildungsstellen wichtig“, sagt der Arbeitsmarktexperte. Ausbildungsstellen können dafür um Praktikumsmöglichkeiten ergänzt oder als separate Praktikumsangebote eingestellt werden. Damit hätten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, gezielt und einfach nach passenden Angeboten zu suchen.
Geldleistungen
Im Dezember 2025 erhielten 3.395 Personen Arbeitslosengeld, 7 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im Dezember bei 12.621. Gegenüber Dezember 2024 ist dies ein Rückgang um 615 Personen.
Ausblick
Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Januar üblicherweise noch einmal an, da oftmals zum Jahresende befristete Verträge auslaufen und Kündigungen wirksam werden. „Die saisonal bedingte Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich im Februar ihren Höchststand erreichen“, prognostiziert Köpcke.
2 https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/Regionale_Arbeitsmarktprognosen_2402.pdf



[1]https://www.neubrandenburg.ihk.de/fileadmin/user_upload/Standortpolitik/Konjunktur_und_Statistik/Konjunkturumfrage/IHK-NB_Konjunktur_JB_2025.pdf
[2]https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/Regionale_Arbeitsmarktprognosen_2402.pdf