Allgemeine Situation
Die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Greifswald ist im April noch einmal gesunken. Aktuell sind 10.452 Menschen im Landkreis arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat entspricht dies einem Rückgang um 440 Personen beziehungsweise 4 Prozent. Die Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf nunmehr 9,2 Prozent.
Die Osterzeit und der damit verbundene Start in die Saison gaben dem Arbeitsmarkt noch einmal einen Schub“, so Klaus-Peter Köpcke, Leiter der Arbeitsagentur Greifswald. Der Rückgang ist vor allem auf Abmeldungen von arbeitslosen Menschen aus saisonal geprägten Berufen zurückzuführen - aus Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen (-177), Bau- und Ausbauberufen (-84) sowie Land-, Forst- und Gartenbauberufen (-56).
Die Tourismuswirtschaft beeinflusst den Arbeitsmarkt in Vorpommern-Greifswald aktuell am stärksten. Das wird auch bei einem Blick in die Regionen deutlich. Den stärksten Rückgang in der Arbeitslosigkeit verzeichnete die Geschäftsstelle Wolgast, zu der große Teile der Insel Usedom gehören. Aktuell sind in der Region Wolgast und entlang der Ostseeküste Usedoms 1.837 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, 258 Personen weniger als im März. Die Urlaubsregion trägt damit mehr als zur Hälfte des Rückgangs der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk bei.
Im Berichtsmonat befanden sich 971 Personen in einer beruflichen Weiterbildung. Das sind 131 mehr als im Vorjahr. 481 Beschäftigungsverhältnisse wurden mit einem Eingliederungszuschuss beziehungsweise Gründungszuschuss gefördert, 60 mehr als im April 2025.
Regionale Mobilität von Beschäftigten – Pendlerdaten
Nicht alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die im Landkreis Vorpommern-Greifswald arbeiten, wohnen auch vor Ort - und umgekehrt. Diese räumliche Mobilität auf dem Arbeitsmarkt bezeichnet man als Ein- und Auspendeln. Zum Stichtag 30. Juni 2025 registrierte die Arbeitsagentur Greifswald 16.530 Auspendler, also Personen, die für ihre Arbeit den Landkreis verlassen. Demgegenüber standen 15.090 Einpendler, die zur Beschäftigung nach Vorpommern-Greifswald kommen.
Die stärksten Pendelverflechtungen bestehen mit den benachbarten Landkreisen Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte, dann folgen die Stadt Berlin und die Uckermark. Eine Besonderheit zeigt sich bei den Einpendlern: Neben Beschäftigten, die aus dem Bundesgebiet zur Arbeit nach Vorpommern-Greifswald fahren, pendeln knapp 3.000 Polinnen und Polen in unseren Landkreis. Sie arbeiten überwiegend in den grenznahen Regionen und sind insbesondere im Gastgewerbe tätig.
Im Zehnjahresvergleich nahmen die Pendlerzahlen insgesamt zu. Im Jahr 2016 verzeichnete die Arbeitsagentur 15.480 Auspendler, im Jahr 2025 waren es 16.530, also 1.050 Personen bzw. 6,8 Prozent mehr. Noch deutlicherer fiel der Anstieg bei den Einpendlern aus. Die Zahl der Einpendler stieg von 12.650 auf 15.090 und damit um 2.440 Personen bzw. 19,3 Prozent. Neben dem Zuwachs aus Polen nahm auch die Zahl der Einpendler aus anderen Regionen Deutschlands zu.
Der sogenannte Pendlersaldo, also die Differenz zwischen Ein- und Auspendlern, hat sich innerhalb von zehn Jahren deutlich verringert - von 2.830 auf 1.440. „Es ist also attraktiver geworden, in Vorpommern-Greifswald zu arbeiten.“ Auffällig ist zudem der gestiegene Frauenanteil bei den Ein- und Auspendlern. „Sie profitieren vermutlich besonders, da flexible Arbeitszeiten und Homeoffice zunehmend verbreitet sind. Diese Arbeitsmodelle gewinnen insgesamt an Bedeutung, sind jedoch vor allem für Frauen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiterhin besonders bedeutsam“, erläutert Klaus-Peter Köpcke.
Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen
Anklam 10,3 Prozent, Greifswald 7,6 Prozent, Pasewalk 11,9 Prozent, Ueckermünde 11,2 Prozent, Wolgast 8,2 Prozent
Im gesamten Agenturbezirk sank die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 38 Personen bzw. 0,4 Prozent. Innerhalb des Agenturbezirkes entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich. Während sie in der Geschäftsstelle Greifswald um 90 Personen bzw. 2,9 Prozent anstieg, sank sie in den anderen Geschäftsstellen. Hier reichte die Spanne von minus 0,4 Prozent in Pasewalk bis minus 2,8 Prozent in Ueckermünde.
Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich
Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im April 3.566 Arbeitslose und damit 201 mehr als vor einem Jahr. Die Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) waren für 6.886 arbeitslose Personen verantwortlich, 239 weniger als im April 2025.
SGB III + 6,0 Prozent
SGB II - 3,4 Prozent
Stellenmarkt
Im April übermittelten die Unternehmen in Vorpommern-Greifswald dem gemeinsamen Arbeitgeberservice knapp 400 neue Arbeitsstellen. Insgesamt betreuen die Vermittlerinnen und Vermittler des Arbeitgeberservices von Arbeitsagentur und Jobcenter aktuell 2.334 offene Stellen.
Die meisten neuen Angebote stammen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (68), dem Handel (50), der öffentlichen Verwaltung (39) und dem Gastgewerbe mit ebenfalls 39 Stellen.
Hinter den neuen Stellenangeboten verbergen sich die verschiedensten Berufe, darunter auch etwas weniger bekannte, wie Betonsanierer/in, OP-Manager/in, Schiffselektriker/in, Modellbauer/in im Bereich Produktionsmodellbau, Straßenwärter/in, Hafenmeister/in, Touristikassistent/in und viele mehr.
Ausblick
„Prognosen sind derzeit schwierig. Die gedämpften wirtschaftlichen Erwartungen und die demografische Entwicklung drücken auf die Beschäftigung“, so Agenturleiter Klaus-Peter Köpcke abschließend.