Der Arbeitsmarkt in Vorpommern-Greifswald kam nach der Sommerpause noch einmal in Schwung. Im September ging die Zahl der Arbeitslosen um mehr als 440 Personen (genau 442) zurück und ließ die Arbeitslosigkeit unter die 10.000er-Marke sinken. Aktuell sind 9.883 Frauen und Männer auf der Suche nach einer bezahlten Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote sank von 9,1 Prozent im August auf nunmehr 8,7 Prozent.
„Der Rückgang der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat ist größtenteils saisonal bedingt“, so Agenturleiter Klaus-Peter Köpcke. „Nach den Ferien beginnen viele junge Menschen eine Ausbildung und Unternehmen realisieren geplante Einstellungen nach der Urlaubszeit.“
Eine insgesamt positive Entwicklung wird im Vorjahresvergleich deutlich: Im September 2025 waren 10.306 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 9,1 Prozent. „Aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen registrierte die Arbeitsagentur seit dem Jahr 2022 regelmäßig einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich. Nachdem vier Jahre in Folge die Arbeitslosigkeit von September zu September anstieg, sank sie nun erstmals wieder.
Von dem positiven Trend profitieren fast alle Personengruppen. Besonders erfreulich ist der Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Aktuell sind 1.140 Menschen unter 25 Jahre arbeitslos gemeldet - 68 Personen bzw. 5,5 Prozent weniger als im September 2025. Damals lag die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen noch bei 10,5 Prozent. Aktuell liegt sie bei 9,8 Prozent.
„Der Berufseinstieg war und ist für junge Menschen eine besondere Herausforderung“, berichtet Köpcke. „Aufgrund fehlender Berufserfahrung ist die Stellensuche für sie deutlich anspruchsvoller.“ Die Arbeitsagentur und das Jobcenter legen bei der Arbeit mit jungen Menschen einen besonderen Fokus auf den Berufsabschluss. Laut Agenturleiter Köpcke haben rund 80 Prozent der unter 25-Jährigen keine abgeschlossene Berufsausbildung. „Ohne Berufsabschluss hat man deutlich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und das Risiko, kurzfristig wieder arbeitslos zu werden, ist höher als bei Fachkräften.“ Der Weg in Arbeit führe jedoch nicht nur über eine Ausbildung. Die Arbeitsagentur und das Jobcenter bieten in diesen Fällen auch andere Unterstützungsmöglichkeiten an – zum Beispiel Weiterbildungen und Eingliederungshilfen für Arbeitslose und Unternehmen. „Die berufliche Entwicklung junger Menschen hat für uns eine besondere Bedeutung, da in diesem Alter die Weichen für den weiteren Berufsweg gestellt werden“, so Köpcke.
Bei der Beschäftigtenstatistik liegen aktuell die Daten für März 2026 vor. Demnach waren im Landkreis Vorpommern-Greifswald 81.619 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das sind 900 weniger als im März 2025.
Die Entwicklung verlief nach Branchen unterschiedlich: Zuwächse gab es vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen. Rückgänge wurden insbesondere bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, dem verarbeitenden Gewerbe sowie im Bereich Handel, Instandhaltung/ Reparatur Kfz verzeichnet.
Unterschiedliche Entwicklungen sind zudem bei der Staatsangehörigkeit der Beschäftigten zu verzeichnen: Während die Zahl der deutschen Beschäftigten demografiebedingt um 1.315 sank, stieg die Zahl der ausländischen Beschäftigten innerhalb eines Jahres um 415 an.
Im Berichtsmonat September wurden insgesamt 885 Frauen und Männer in Umschulungen oder Fortbildungen auf eine neue Tätigkeit vorbereitet. 561 Menschen unterstützten die Arbeitsagentur und das Jobcenter im Zusammenhang mit der Aufnahme einer neuen Beschäftigung.
Arbeitslosenquoten in den Geschäftsstellen
Anklam 9,7 Prozent, Greifswald 7,5 Prozent, Pasewalk 11,4 Prozent, Ueckermünde 11,3 Prozent, Wolgast 7,0 Prozent
In allen Geschäftsstellen sank die Zahl der arbeitslosen Personen im Vergleich zum Vorjahr. Der stärkste Rückgang im Vorjahresvergleich wurde mit einem Minus von 5,5 Prozent bzw. 97 Personen für die Geschäftsstelle Pasewalk verzeichnet. Vergleichsweise gering fiel der Rückgang 2,5 Prozent bzw. 84 Personen in der Geschäftsstelle Greifswald aus.
Unterschiede zwischen den Rechtskreisen im Vorjahresvergleich
SGB III + 1,8 Prozent
SGB II - 6,7 Prozent
Die Agentur für Arbeit (Rechtskreis SGB III, Arbeitslosenversicherung) betreute im September 3.232 Arbeitslose und damit 58 mehr als vor einem Jahr. Das Jobcenter (Rechtskreis SGB II, Grundsicherung) war für 6.651 arbeitslose Personen verantwortlich, 481 weniger als im September 2025.
Stellenmarkt
Dem Arbeitgeber-Service wurden im September noch einmal 389 offene Stellen gemeldet. Im Jahresvergleich sind damit seit Jahresbeginn fast 500 Stellen (genau 490) Stellen mehr eingegangen. Aktuell laufen die Besetzungsverfahren für 2.417 Offerten.
Die meisten neunen Stellenmeldungen stammen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen (55), dem Baugewerbe (44), dem Gastgewerbe (41) und der Öffentlichen Verwaltung/ Verteidigung/ Sozialversicherung mit 36 Stellenangeboten.
Für mehr als 80 Prozent der Stellen suchen Unternehmer Fachkräfte bzw. Expert:innen/ Spezialist:innen.
Ausblick
Für den Oktober rechnet Klaus-Peter Köpcke mit einer stabilen Arbeitsmarktlage. „Ab November, wenn es auch wieder weniger Arbeit für die witterungsabhängigen Unternehmen gibt, wird die Arbeitslosigkeit jahreszeitlich bedingt wieder ansteigen“, prognostiziert der Arbeitsmarktexperte.