Die Arbeitsmarktentwicklung im Juli 2025 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Arbeitsmarkt geht in die „Sommerpause“ Steigende Arbeitslosigkeit jetzt saisontypisch

31.07.2025 | Presseinfo Nr. 44

Im Ennepe-Ruhr-Kreis gab es auch im Juli keine Besserung auf dem Arbeitsmarkt, doch war die steigende Arbeitslosigkeit mit dem Beginn der Hauptferienzeit zu erwarten. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich um 327 oder 2,6 Prozent auf 13.124, die Arbeitslosenquote um 0,2 Punkte auf 7,5 Prozent. Vor genau einem Jahr waren es 508 Arbeitslose weniger, die Quote lautete 7,2 Prozent.

„Die Arbeitslosigkeit steigt weiter, doch jetzt ist es typisch für die Jahreszeit. Der heimische Arbeitsmarkt geht in die ´Sommerpause`. Hier kommen Ausbildungs- und Maßnahmeabsolventen sowie die Auswirkungen von Quartalskündigungen hinzu. Daher steigen die Zahlen derzeit überwiegend in der Arbeitslosenversicherung, weniger in der Grundsicherung“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Die gemeldete Kräftenachfrage geht aktuell auch wieder zurück, während es bei der Kurzarbeit kaum Anzeigen gab“. Ihre Einschätzung für die nächste Zeit: „Wegen der anhaltenden Sommerferien ist kurzfristig nicht mit einer Belebung zu rechnen.“ 

In den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen im Juli tendenziell ähnlich. 4.332 Arbeitslose (Anteil 33 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (233 oder 5,7 Prozent mehr als im Vormonat), 8.792 (Anteil 67 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (94 oder 1,1 Prozent mehr). Die Tendenzen für die Zielgruppen waren ebenfalls einheitlich. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es den größten Anstieg um 127 oder 11,9 Prozent auf 1.193, bei den Älteren über 50 Jahren eine Zunahme um 89 oder 2,0 Prozent auf 4.519. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit nahm um 60 oder 1,3 Prozent auf 4.801 zu, die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung stieg um elf oder 1,1 Prozent auf 1.009. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen wies einen aktuellen Anstieg um 39 oder 0,7 Prozent auf 5.339 auf. Gleichzeitig waren es aber 47 oder 0,9 Prozent weniger als vor einem Jahr, womit sich der Vorjahresvergleich verbessert hat. 

Gemeldete Kräftenachfrage rückläufig 
Nach einer spürbaren Besserung im Vormonat ist die Bereitschaft zur Einstellung von Arbeitskräften im Juli mit Beginn der Sommerferien wieder gesunken. Unternehmen aus dem Kreis meldeten 284 offene Stellen, 37 oder 11,5 Prozent weniger als im Juni, gleichzeitig vier oder 1,4 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. 
Den größten Kräftebedarf hatten freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 71 Stellen für Assistenzkräfte, nach 116 im Vormonat), Personaldienstleister (54), das verarbeitende Gewerbe (49), das Gesundheits- und Sozialwesen (28), der Handel (23), das Baugewerbe (21) und die öffentliche Verwaltung (12). Die Logistik hatte nur sechs Stellen, das Gastgewerbe vier zu besetzen. 
Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen sank leicht um 31 oder 1,7 Prozent auf 1.790 und in Relation zum Vorjahresmonat um 146 oder 7,5 Prozent. 
Aktuell sind 62,7 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte auf dem Niveau der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 20,3 Prozent. 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme 
Im Juli gab es im Ennepe-Ruhr-Kreis nur 15 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 128 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Dies entspricht nur einem Bruchteil der Daten aus den pandemiegeprägten Jahren. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Februar liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 78 Betriebe für 1.668 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt. 

Lokale Besonderheiten 
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im Juli regional relativ einheitlich. Minimal rückläufig war die Zahl der Arbeitslosen nur in Ennepetal (- 1 auf 1.211). Die kleinsten Anstiege hatten Breckerfeld (+ 8 auf 241) und Sprockhövel (+ 8 auf 553). Mehr Bewegung gab es in Wetter (+ 17 auf 912), Herdecke (+ 38 auf 813), Gevelsberg (+ 47 auf 1.219), Schwelm (+ 52 auf 1.579), Hattingen (+ 79 auf 1.791) und Witten (+ 79 auf 4.805).

Gesamteinschätzung 
„Im Juli ist die Arbeitslosigkeit im Ennepe-Ruhr-Kreis saisonüblich gestiegen. Der Anstieg um 2,6 Prozent fiel deutlicher aus als im langjährigen Mittel“, so Katja Heck weiter. „Wie in den vergangenen Monaten hinterlässt auch die konjunkturelle Unsicherheit Spuren am Arbeitsmarkt. Für den August erwarten manche Experten bereits neue Höchststände bei der Arbeitslosigkeit in Land und Bund. Davon sind wir im Kreis noch entfernt. Zunächst einmal prägen den aktuellen Monat typische Phänomene der beginnenden Ferienzeit: Im Juli laufen sowohl viele befristete Verträge als auch viele dreijährige Ausbildungsverträge aus. Besonders bei den jungen Menschen steigt folgerichtig die Arbeitslosigkeit: Plus 11,9 Prozent in einem Monat, die Jugendarbeitslosigkeit klettert auf fast 1.200 Personen. Diejenigen von ihnen, die eine Ausbildung erfolgreich absolviert haben, werden nicht lange arbeitslos sein. Ihnen stehen als ausgebildete Fachkräfte viele Türen offen. Das zeigt einmal mehr den Stellenwert der betrieblichen Ausbildung“. 
Dies möchte die Arbeits- und Ausbildungsmarktexpertin mit einem erneuten Appell an EN-Unternehmen mit Ausbildungsberechtigung verbinden: „Die Sicherung des Fachkräftebedarfes und die berufliche Situation junger Menschen in unserer Region sind direkt miteinander verbunden. Jede und jeder jetzt nicht ausgebildete Jugendliche wird in drei Jahren eine weitere fehlende Fachkraft sein. Hinzu kommt, dass im kommenden Jahr ein ganzer gymnasialer Abiturjahrgang ausfällt – das hat Auswirkungen auf allen Ebenen des Ausbildungsmarktes. Unternehmen, die jetzt die Möglichkeit zur Ausbildung nicht wahrnehmen, gehen ein hohes Risiko für ihre Zukunft ein. Zudem nutzen sie die aktuellen Chancen und Potentiale nicht – jeder junge Mensch ist eine Chance. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Hagen unterstützt von der Bewerberauswahl bis zu Fördermöglichkeiten und bietet individuelle Lösungen an.“