Die Arbeitsmarktentwicklung im Oktober 2025 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Herbstbelebung lässt nach – Arbeitslosigkeit sinkt nochmals leicht

30.10.2025 | Presseinfo Nr. 61

Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis hielt im Oktober an, wenn auch mit klar nachlassender Tendenz. Die Zahl der Arbeitslosen sank um 46 oder 0,4 Prozent auf 12.615, die Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent veränderte sich dadurch nicht. Vor einem Jahr waren es 110 Arbeitslose weniger, die Quote lautete 7,1 Prozent. 

„Nach der deutlichen Belebung im September müssen wir bereits wieder eine spürbare Abkühlung feststellen. Der Oktober zeigte mehr Zugange aus Beschäftigung, aber weniger Abgänge in Beschäftigung, sodass die Gesamtarbeitslosigkeit nur noch geringfügig sank. Im Vormonat war der Rückgang der Arbeitslosenzahl zehnmal höher“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Die Kräftenachfrage hat auch wieder nachgelassen und ist damit für einen Oktober im langjährigen Vergleich zu niedrig“. Hecks kurzfristige Prognose: „Im November dürfte von der saisonalen Belebung kaum noch etwas zu sehen sein. Anzeichen einer konjunkturellen Belebung sind weiterhin nicht erkennbar.“ 

In den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN entwickelten sich die Arbeitslosenzahlen im Oktober unterschiedlich. 4.101 Arbeitslose (Anteil 33 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (49 oder 1,2 Prozent weniger als im Vormonat), 8.514 (Anteil 67 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (3 oder 0,04 Prozent mehr). Die Tendenzen für die Zielgruppen waren ebenfalls unterschiedlich. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es eine Zunahme um 32 oder 3,0 Prozent auf 1.104, bei den Älteren über 50 Jahren einen Rückgang um 58 oder 1,3 Prozent auf 4.367. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit nahm um elf oder 0,2 Prozent auf 4.585 ab. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung sank um 57 oder 5,7 Prozent auf 939. 
Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen wies einen aktuellen Anstieg um 47 oder 0,9 Prozent auf 5.283 auf. Gleichzeitig waren es auch 68 oder 1,3 Prozent mehr als vor einem Jahr, womit sich der Vorjahresvergleich verschlechtert hat. 

Gemeldete Kräftenachfrage 
Bei der Kräftenachfrage ließ die Belebung deutlich nach. Unternehmen aus dem Kreis meldeten 322 offene Stellen, 50 oder 13,4 Prozent weniger als im September, gleichzeitig 31 oder 10,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 
Den größten Kräftebedarf hatten Personaldienstleister (63 Stellen, nach 134 im Vormonat), freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 62 Stellen für Assistenzkräfte, nach 112 im Vormonat), das Gesundheits- und Sozialwesen (54, zuvor 7), der Handel (41), das verarbeitende Gewerbe (39), das Baugewerbe (28) und die öffentliche Verwaltung (16). Die gesamte Logistik hatte nur vier Vakanzen. 
Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen sank gegenüber September um 98 oder 5,3 Prozent auf 1.739 und in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 280 oder 13,9 Prozent. 
Aktuell sind 60,5 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte auf dem Niveau der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 22,9 Prozent. 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme 
Im Oktober gab es im Ennepe-Ruhr-Kreis nur 17 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 236 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Dies entspricht nur einem Bruchteil der Daten aus den pandemiegeprägten Jahren. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Mai liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 72 Betriebe für 926 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt. 

Lokale Besonderheiten 
Die Arbeitslosigkeit war im September nicht überall rückläufig. Es gab auch Anstiege, nämlich in Gevelsberg (+ 7 auf 1.186), Sprockhövel (+ 7 auf 548) und in Hattingen (+ 51 auf 1.842). In Ennepetal (1.158) blieb alles im Ergebnis unverändert. Sinkende Zahlen hatten Herdecke (- 3 auf 772), Schwelm (- 3 auf 1.495), Wetter (- 12 auf 901), Breckerfeld (- 14 auf 232) und Witten (- 79 auf 4.481).

Gesamteinschätzung 
„Ich muss derzeit ein wenig auf die Erwartungsbremse treten. Was wir aktuell sehen, ist das günstige saisonale Geschäft, keine Konjunktur. Der heimische Arbeitsmarkt erlebt nach einem eher schwachen bisherigen Jahresverlauf und einem guten September nunmehr einen nicht mehr ganz so guten Oktober“, so Katja Heck weiter. „Die Arbeitslosigkeit bleibt weiterhin insgesamt hoch und wir steuern ohne eine konjunkturelle Trendwende auf ein ernüchterndes Jahresende zu. Die Chancen am Arbeitsmarkt bleiben dabei ungleich verteilt: Für Fachkräfte sind sie auch bei schwacher Konjunktur um ein Vielfaches besser als für Unqualifizierte. Mit Weiterbildungen kann einiges ausgeglichen werden. Hierbei zu beraten und zu fördern ist unsere Kernkompetenz. Und bei wiedereinsetzender Konjunktur ist es wichtig, vorbereitet zu sein. Aber die unterschiedlichen Chancen beruhen nicht nur auf der Qualifikation. Während insbesondere jüngere Menschen von guten Beschäftigungsperspektiven profitieren können, bleiben Ältere bei Stellenbesetzungen trotz guter Eignung oftmals außen vor: Ältere Bewerberinnen und Bewerber haben es trotz politischer Forderungen nach längerer Lebensarbeitszeit schwerer, eine neue Anstellung zu finden. Wir müssen uns jedoch von den Etiketten „zu alt“ oder „überqualifiziert“ lösen, sonst wird sich der Mangel an qualifizierten und motivierten Fachkräften weiter verschärfen und es Betrieben noch schwerer machen. Persönliche Kontakte, Bewerbungen ohne zu viele Formalitäten und insbesondere kurze Probearbeiten lassen einen authentischen Einblick in die tatsächliche Leistungsfähigkeit und Motivation eines Bewerbers oder einer Bewerberin gewinnen.“