Die Arbeitsmarktentwicklung im Dezember 2025 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresende Chancen für Arbeitslose sinken

07.01.2026 | Presseinfo Nr. 2

Mit der Belebung auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis war es im Dezember vorbei. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 55 oder 0,4 Prozent auf 12.445, die Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent änderte sich dadurch nicht. Vor einem Jahr waren es 142 Arbeitslose mehr, die Quote lautete damals 7,2 Prozent. 

„Nach dem erfreulichen Rückgang im November steigt die Arbeitslosigkeit zum Jahresende. Und die Chancen, derzeit schnell wieder in Arbeit zu kommen, sind schlechter geworden. Die konjunkturelle Schwäche schlägt wieder durch“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Der aktuell gemeldete Kräftebedarf ist wieder rückläufig, das Weihnachtsgeschäft ist vorbei. Auch auf der Beschäftigungsseite gibt es leider keine guten Nachrichten. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Kreis ist nach den neuen Daten innerhalb eines Jahres um fast 600 oder 0,5 Prozent auf knapp 107.800 gesunken“. Hecks Prognose für den Jahresbeginn 2026: „Im Januar wird es wie immer einen saisonal bedingten weiteren sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit geben.“ 

Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im Dezember unterschiedlich. 4.155 Arbeitslose (Anteil 33,4 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (94 oder 2,3 Prozent mehr als im Vormonat), 8.290 (Anteil 66,6 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (39 oder 0,5 Prozent weniger). Die Tendenzen für die Zielgruppen waren ebenfalls uneinheitlich. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung sank um 46 oder 4,8 Prozent auf 903. Die Älteren über 50 Jahren verzeichneten einen geringfügigen Rückgang um fünf oder 0,1 Prozent auf 4.312. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit nahm um 43 oder 1,0 Prozent auf 4.395 ab. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es einen kleinen Anstieg um acht oder 0,8 Prozent auf 1.058. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte ein aktuelles Plus um 40 oder 0,8 Prozent auf 5.282. Gleichzeitig waren es 82 oder 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

Gemeldete Kräftenachfrage 
Die Kräftenachfrage ging zum Jahresende zurück. Unternehmen aus dem Kreis meldeten 253 offene Stellen, 66 oder 20,7 Prozent weniger als im November, gleichzeitig aber elf oder 4,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. 
Den größten Kräftebedarf hatten freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 65 Stellen für Assistenzkräfte, nach 80 im Vormonat), Personaldienstleister (57, Vormonat 30), das verarbeitende Gewerbe (31), die öffentliche Verwaltung (30), der Handel (22), das Gesundheits- und Sozialwesen (19) und das Baugewerbe (11). Die Logistik hatte nur vier Vakanzen. 
Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen sank gegenüber November um 19 oder 1,2 Prozent auf 1.623 und in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 278 oder 14,6 Prozent. 
Aktuell sind 61,2 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 21,4 Prozent. 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme 
Im Dezember gab es im Ennepe-Ruhr-Kreis zwölf neue Anzeigen von Kurzarbeit für 83 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Juli liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 61 Betriebe für 552 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Statt der regulären zwölf Monate können Unternehmen die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf bis zu 24 Monate verlängern, um Mitarbeiter zu halten. Diese Sonderregelung gilt bis zum 31. Dezember 2026.

Lokale Besonderheiten 
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich auch im Dezember regional unterschiedlich. Es gab Anstiege in Sprockhövel (+ 2 auf 526), Hattingen (+ 5 auf 1.783), Breckerfeld (+ 11 auf 241), Wetter (+ 12 auf 893), Witten (+ 36 auf 4.526) und Ennepetal (+ 38 auf 1.161). Diese Städte hatten sinkende Zahlen: Gevelsberg (- 4 auf 1.147), Schwelm (- 6 auf 1.460) und Herdecke (- 39 auf 708). 

Gesamteinschätzung 
„Die Arbeitsmarktentwicklung im Ennepe-Ruhr-Kreis im Dezember entspricht wieder den überregionalen negativen Schlagzeilen. Nachdem das zweite Halbjahr 2025 mit fast kontinuierlichem Sinken der Arbeitslosenzahlen günstig verlief, fällt das Jahresende doch nicht ganz so versöhnlich aus wie noch im November gehofft“, so Katja Heck weiter. „Eine Trendwende am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht. Vor allem die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt weiterhin zu niedrig – hier setzt sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahre ungebrochen fort. Zudem werden die Chancen für Arbeitslose schlechter, die Anforderungen immer höher, der Anteil der gemeldeten Stellen für Hilfskräfte sinkt immer weiter. Die Zukunft gehört den Fachkräften. Mit anderen Worten: Die Gesamtsituation sorgt für einen enormen Anpassungs- und Qualifizierungsdruck – bei Arbeitnehmern wie bei Unternehmen.“