Die Hoffnung auf eine sich verstärkende Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich nicht erfüllt. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich vielmehr um 75 oder 0,6 Prozent auf 12.755, die Quote von 7,3 Prozent blieb unverändert. Vor genau einem Jahr waren es 104 Erwerbslose weniger, die Quote lautete damals 7,2 Prozent.
„Anzeichen einer echten und nachhaltigen Belebung lassen weiter auf sich warten. Die erhoffte saisonale Verstärkung ist ausgeblieben. Es hat sich bestätigt, in diesen Zeiten besser keinen Optimismus zu haben, denn nach einem guten Monat folgt Ernüchterung. Das einzig Positive ist die nicht gesunkene Kräftenachfrage“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. Die Arbeitsmarktexpertin blickt sor genvoll in die nähere Zukunft: „Die saisonalen Entlastungseffekte werden zum Teil durch die schwache Konjunktur überlagert und sind damit kaum sichtbar. Und solange die enor men geopolitischen Unsicherheiten anhalten, entwickelt sich der Arbeitsmarkt sehr volatil und außerhalb der bekannten Muster. Daher sind seriöse Prognosen derzeit nahezu unmöglich.“ Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeits agentur und des Jobcenters EN im April in unterschiedliche Richtungen. 4.586 Arbeits lose (Anteil 36,0 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (92 oder 2,0 Prozent mehr als im Vormonat), 8.169 (Anteil 64,0 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (17 oder 0,2 Prozent weniger). Die Tendenzen für die Zielgruppen waren nur teilweise günstig. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es mit 1.050 einen Rückgang um 23 oder 2,1 Prozent. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte aktuell eine Abnahme um 32 oder 0,6 Prozent auf 5.330. Gleichzeitig waren es genau sechs oder 0,1 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung stieg um 22 oder 2,3 Prozent auf 963. Bei den Älteren über 50 Jahren war ein Plus von 65 oder 1,4 Prozent auf 4.557 festzustellen. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit blieb im Ergebnis zum Monatsende mit 4.389 unverändert.
Gemeldete Kräftenachfrage
Beim gemeldeten Kräftebedarf gab es auch im April keine echte Belebung. Die heimischen Unternehmen meldeten 293 Stellen und damit nur sechs oder 2,1 Prozent mehr als im schwachen März und 62 oder 26,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten Personaldienstleister (59 Stellen, Vormonat 50), das verarbeitende Gewerbe (43), freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 42 Stellen für Assistenzkräfte), gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (33), dem Handel (32), der öffentlichen Verwaltung (20) und dem Baugewerbe (24). Der Bereich Erziehung und Unterricht meldete elf Vakanzen, das Gastgewerbe acht. Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen sank gegenüber März um fünf oder 0,3 Prozent auf 1.661, in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 72 oder 4,2 Prozent. Aktuell sind 64,1 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 17,6 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im April gab es im Gesamtbezirk zehn neue Anzeigen von Kurzarbeit für 100 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nach täglich abrechnen. Für November liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 72 Betriebe für 1.145 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Lokale Entwicklungen
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im April in den Städten des Kreises unterschiedlich. In Wetter (- 24 auf 887) und Witten (- 38 auf 4.593) sanken die Zahlen. Die Zuwächse gab es in Breckerfeld (+ 3 auf 232), Herdecke (+ 10 auf 755), Ennepetal (+ 13 auf 1.189), Gevelsberg (+ 18 auf 1.186), Hattingen (+ 23 auf 1.852), Sprockhövel (+ 34 auf 549) und Schwelm (+ 36 auf 1.512).
Gesamteinschätzung
„Ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit im März, danach wieder ein Anstieg im April – mit der dämpfenden Wirkung der Osterferien ist dies nicht zu erklären. Ein Dämpfer ist es trotzdem. Die Arbeitslosigkeit sinkt üblicherweise im April. Aufgrund der krisenhaften Lage in der Weltwirtschaft war das in den vergangenen Jahren landesweit mehrfach nicht der Fall. Schlechte Konjunktur, schlechte Stimmung, keine guten Nachrichten in Sicht. Vielmehr werfen weitere Insolvenzen ihre Schatten voraus“, so Katja Heck weiter. „Für die Unternehmen ist es derzeit nicht leicht, eine verlässliche Zukunftsplanung vorzunehmen. Umso erfreulicher ist es, dass wenigstens die gemeldete Kräftenachfrage nicht weiter zurückgegangen ist.“ Die insgesamt schwache Entwicklung macht auch vor dem Ausbildungsmarkt nicht halt. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Kreis 18,4 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Katja Heck appelliert mit Nachdruck an alle Unternehmen, mehr jungen Leuten noch in diesem Jahr eine Chance zu geben und damit auch dem künftigen Fachkräftemangel zu begegnen.