Die Arbeitsmarktentwicklung im Mai 2026 im Ennepe-Ruhr-Kreis

Frühjahrsbelebung bleibt weiterhin aus Arbeitslosigkeit steigt nochmals leicht

29.05.2026 | Presseinfo Nr. 26

Auch im Wonnemonat Mai blieb die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis weitgehend aus. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich viel mehr um 23 oder 0,2 Prozent auf 12.778, die Quote von 7,3 Prozent blieb unverändert. Vor einem Jahr waren es 76 Erwerbslose weniger, die Quote lautete damals ebenso 7,3 Prozent.

„Nach einem unerwartet schwachen Monat folgt ein weiterer – und das im Frühjahr. Es geht volatil weiter. Der Mai brachte nochmals leicht steigende Arbeitslosenzahlen für die meisten Personengruppen. Und die Kräftenachfrage hat weiterhin Nachholbedarf“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. Auch für Juni möchte die Arbeitsmarktexpertin keine besonderen Erwartungen wecken: „Was wir aktuell und kurzfristig weiterhin haben werden, sind allenfalls jahreszeitlich bedingte Entlastungen, sofern sie nicht durch die konjunkturelle Krise überlagert und damit kaum sichtbar werden. Solange die bekannten geopolitischen Risiken und ihre Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft anhalten, wird sich an den ungünstigen Rahmenbedingun gen nichts ändern.“

Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im Mai erneut in unterschiedliche Richtungen. 4.468 Arbeitslose (Anteil 35,0 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (118 oder 2,6 Prozent weniger als im Vormonat), 8.310 (Anteil 65,0 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (141 oder 1,7 Prozent mehr). Die Tendenzen waren nur für wenige Zielgruppen günstig. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung sank um sieben oder 0,7 Prozent auf 956. Bei den Älteren über 55 Jahren war es ein Rückgang um 15 oder 0,4 Prozent auf 3.413. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es dagegen mit 1.075 einen Anstieg um 25 oder 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erhöhte sich um 42 oder 1,0 Prozent auf 4.431. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte aktuell eine Zunahme um 68 oder 1,3 Prozent auf 5.398. Gleichzeitig waren es 62 oder 1,2 Prozent mehr als vor einem Jahr.

 

Gemeldete Kräftenachfrage

Beim gemeldeten Kräftebedarf gab es weiterhin keine größere Belebung. Die heimischen Unternehmen meldeten im Mai 309 Stellen und damit nur 16 oder 5,5 Prozent mehr als im schon verhaltenen April und 66 oder 27,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 88 Stellen für Assistenzkräfte, Vormonat 42) und Personaldienstleister (84 Stellen, Vormonat 59), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (38), dem Handel (26), dem Gesundheits- und Sozialwesen (22), dem Baugewerbe (17) und der öffentlichen Verwaltung (13). Der Bereich Erziehung und Unterricht meldete acht Vakanzen. Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen nahm gegenüber April nur um drei oder 0,2 Prozent auf 1.664 zu, ging in Relation zum Vorjahresmonat dagegen um 66 oder 27,2 Prozent zurück. Die Agentur für Arbeit und ihre Partner setzen auf kleine Speeddatings, um Unternehmen und Interessierte aussichtsreich zusammenzubringen. Aktuell sind 63,9 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 18,6 Prozent.

 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme

Im Mai gab es im Kreis 13 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 71 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Dezember liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 69 Betriebe für 1.467 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.

 

Lokale Entwicklungen

Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich auch im Mai in den Städten des Kreises unterschiedlich. In Breckerfeld (+ 9 auf 241) und Witten (+ 141 auf 4.734) stiegen die Zahlen. Die Rückgänge gab es in Gevelsberg (- 3 auf 1.183), Ennepetal (- 11 auf 1.178), Schwelm (- 15 auf 1.497), Sprockhövel (- 18 auf 531), Hattingen (- 21 auf 1.831), Wetter (- 25 auf 862) und Herdecke (- 34 auf 721).

 

Gesamteinschätzung

„Zwei Monate Anstieg der Arbeitslosigkeit im Frühjahr, wie geht das? Und der nächste Dämpfer kommt bestimmt. Die krisenhafte Lage der Weltwirtschaft bedeutet ein ständiges Auf und Ab für den heimischen Arbeitsmarkt. Unsicherheit, wenig Zuversicht und das fehlende Licht am Ende des Tunnels prägen die Wahrnehmung. Das sind natürlich denkbar schlechte Voraussetzungen für eine grundlegende konjunkturelle Erholung“, so Katja Heck weiter. „Selbst saisonale Effekte sind derzeit kaum sichtbar. Auch bei der Arbeitskräftenachfrage sind belebende Impulse sehr eingeschränkt, weil die Situation von einem sehr kurzen Planungshorizont und der daraus resultierenden abwartenden Haltung der Unternehmen in Bezug auf Neueinstellungen gekennzeichnet bleibt.“

Auch am EN-Ausbildungsmarkt, der auf die Zielgerade einbiegt, bleibt die Lage problematisch. Im Vergleich zum Vorjahr wurden im Kreis aktuell 18,1 Prozent weniger Aus bildungsstellen gemeldet. Doch gerade im letzten Monat sind noch einige spätentschlossene Ausbildungssuchende auf den Plan getreten. Auf 100 unbesetzte Berufsausbildungsstellen kommen derzeit 99 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber, was aber nur mathematisch ausgeglichen wirkt. In erster Linie fehlen strukturell viele Ausbildungsstellen von Unternehmen, die früher mehr ausgebildet haben. Katja Heck wiederholt ihren Appell an die Unternehmen, etwas gegen den künftigen Fachkräftemangel zu tun und mehr jungen Leuten noch in diesem Jahr eine Chance zu geben. Auch betriebliche Einstiegsqualifizierungen helfen hier sehr. Das sind sozialversicherungspflichtige Praktika von mindestens vier bis zwölf Monaten Dauer. Wir fördern diese mit hohen Zuschüssen. So lernen Ausbildungsbetriebe mögliche Auszubildende kennen und sichern sich zukünftige Fachkräfte – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Ansprechpartner für interessierte Unternehmen ist unser Arbeitgeber-Service.“