Die Arbeitsmarktentwicklung im Juni 2026 in der Stadt Hagen

Die saisonale Belebung ist vorbei Arbeitslosigkeit tritt aktuell auf der Stelle

30.06.2026 | Presseinfo Nr. 29

Die saisonale Belebung auf dem Arbeitsmarkt in Hagen ist noch vor der Ferienzeit wieder zu Ende. Die Zahl der Arbeitslosen blieb mit 12.785 im Ergebnis zum Monatsende gegenüber Mai unverändert, dementsprechend auch die Quote von 12,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es 77 Erwerbslose mehr, die Quote lautete damals 12,5 Prozent.

„Die Unberechenbarkeit geht munter weiter, der nächste Dämpfer ist da. So gut der Vormonat noch war, so sehr tritt der Arbeitsmarkt nun auf der Stelle. Die gegensätzlichen Entwicklungen in den beiden Rechtskreisen haben sich neutralisiert“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Leider zeigt die Kräfte nachfrage seit Monaten keine Impulse. Der Bestand an offenen Stellen liegt inzwischen bereits mehr als ein Viertel unter dem Vorjahresstand. Das sind fast 500 Stellen weniger. Ohne eine echte konjunkturelle Belebung wird die heimische Wirtschaft ihre Einstellungszurückhaltung nicht überwinden. Dazu passt auch eine schlechte Nachricht von der Beschäftigtenseite des Arbeitsmarktes. Nach den neuesten Daten haben wir in Hagen mit 68.340 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten genau 465 weniger als vor einem Jahr“. Für Juli rechnet die Arbeitsmarktexpertin nicht mit einer Besserung der Lage: „Die Aussichten sind schon wegen der bevorstehenden Sommerferien eher verhalten.“ Die Entwicklung von Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung verlief im Juni genau gegenläufig und egalisierte sich im Ergebnis. 3.230 Arbeitslose (Anteil 25,3 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (77 oder 2,3 Prozent weniger als im Vormonat), 9.555 (Anteil 74,7 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter Hagen betreut (77 oder 0,8 Prozent mehr). Die Zielgruppen hatten überwiegend ungünstige Tendenzen. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren gab es mit 1.238 Arbeitslosen einen kleinen Anstieg um 17 oder 1,4. Bei den ausländischen Arbeitslosen war es ein Plus um 69 oder 1,1 Prozent auf 6.260. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen erhöhte sich um 96 oder 1,7 Prozent auf 5.723. Zugleich waren dies 159 oder 2,9 Prozent mehr als vor genau einem Jahr. Leicht positive Veränderungen hingegen hatten die Älteren über 50 Jahren mit einer Abnahme um 16 oder 0,4 Prozent auf 4.067, sowie arbeitslose Menschen mit Behinderung mit einem Rückgang um fünf oder 0,6 Prozent auf 812.

 

Gemeldete Kräftenachfrage

Wie bereits in den Vormonaten hat sich beim gemeldeten Kräftebedarf im Juni keine Belebung ergeben. Die heimischen Unternehmen meldeten 247 Stellen und damit nur sieben oder 2,9 Prozent mehr als im Mai, zugleich exakt so viel wie vor einem Jahr. Inzwischen ist hier ein großer anzunehmender Nachholbedarf entstanden. Die anhaltende konjunkturelle Krise und die weiter anhaltenden Verunsicherungen halten die Hagener Unternehmen davon ab, Personal aufzubauen. Den größten Kräftebedarf hatten noch freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 63 Stellen für Assistenzkräfte, zuvor 40), gefolgt von Personaldienstleistern (58 Stellen, nach 62 im Vormonat), dem Handel (26), dem Gesundheits- und Sozialwesen (23), dem verarbeitenden Gewerbe (19), dem Bereich Erziehung und Unterricht (19), der öffentlichen Verwaltung (9) und der Logistik (8). Die Zahl der insgesamt gemeldeten Stellen nahm aktuell nochmal um elf oder 0,8 Prozent auf 1.354 ab, in Relation zum Vorjahresmonat sogar um 482 oder mehr als ein Viertel. Aktuell sind 63,2 Prozent aller Arbeitsstellen für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung vorgesehen, für Helfer hingegen nur 16,2 Prozent.

 

Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme

Im Juni gab es in Hagen nur zwölf neue Anzeigen von Kurzarbeit für 91 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von zuvor angezeigter Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Januar liegen inzwischen Informationen zur effektiven Inanspruchnahme für die Stadt Hagen vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld nur an 17 Betriebe für knapp 700 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.

 

Gesamteinschätzung

„Selbst die saisonalen Effekte sind nicht berechenbar. Eben noch Anzeichen von später Frühjahresbelebung, jetzt auf einmal Stagnation mit unveränderter Arbeitslosenzahl noch deutlich vor den Sommerferien“, so Katja Heck weiter. „Dass sich die altbekannten Schemata jahreszeitlicher Schwankungen nicht mehr ohne Weiteres zeigen, trägt weiter zur allgemeinen Unsicherheit in der heimischen Wirtschaft bei. Und die anstehende Sommer pause mit ihrer dämpfenden Wirkung auf die Beschäftigung lässt keine Besserung in den nächsten Monaten erwarten“. In Bezug auf die generellen Aussichten führt sie aus, „dass sich das konjunkturelle Gesamtklima wohl erst verbessern kann, wenn die internationalen Krisenherde befriedet werden und auch die bundespolitischen Reformankündigungen Gestalt annehmen.“ 

Der Hagener Ausbildungsmarkt ist ebenfalls deutlich von der konjunkturellen Krise geprägt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass im Vergleich zum Vorjahr sieben Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet wurden. Gerade aktuell hat sich das Ungleichgewicht nochmal verstärkt: „Vier Wochen vor Beginn der ersten Berufsausbildungen kommen auf 100 unbesetzte Berufsausbildungsstellen noch 172 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber. Im späten Frühjahr und im Sommer ist die Dynamik am Ausbildungsmarkt besonders hoch, auf Seiten der Bewerberinnen und Bewerber gibt es weitere Zugänge und damit auch neue Potenziale. Unser Arbeitgeberservice geht auf die Unternehmen zu, um weitere Ausbildungsstellen für diese jungen Menschen einzuwerben. Dabei bietet der Blick auf die Zahlen derzeit eines der stärksten Argumente für die Ausbildung im eigenen Betrieb,“ so Katja Heck weiter. „Mit unseren Partnern bieten wir neben der individuellen Beratung mit Azubi-Speed-Datings, Ausbildungsbörsen, Vorstellungen einzelner heimischer Betriebe, Freiwilligenbörsen, Bewerbungstrainings, lokalen Ausbildungscamps, einer Fülle von Fördermöglichkeiten und mehr viele Aktionen, um Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zu unterstützen. Es ist zwar höchste Eisenbahn, aber es geht noch viel am Ausbildungsmarkt! Und wer erstmal in die Berufswelt reinschnuppern möchte: Die Praktikumswochen Hagen bieten konkrete Möglichkeiten, ein Praktikum in den Sommer ferien anzubieten bzw. zu absolvieren. Anmeldungen für Unternehmen und Bewerberin nen und Bewerber sind noch bis zum 6. Juli unter https://praktikumswoche.de/hagen möglich!