Von einer echten Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis war auch im Juni nichts zu sehen. Die Zahl der Arbeitslosen reduzierte sich leicht um elf oder 0,1 Prozent auf 12.767, die Quote von 7,3 Prozent blieb weiterhin un verändert. Vor einem Jahr waren es 30 Erwerbslose mehr, die Quote lautete damals ebenso 7,3 Prozent.
„Die Entwicklung des heimischen Arbeitsmarktes bleibt in diesen Zeiten unberechenbar. Erst fehlt die Frühjahresbelebung, dann tritt man schon vor den Sommerferien auf der Stelle. Die gegensätzlichen Entwicklungen in den beiden Rechtskreisen haben sich fast neutralisiert“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Leider zeigt die Kräftenachfrage seit Monaten keine echten Impulse. Der Bestand an offenen Stellen liegt bereits deutlich unter dem Vorjahresstand. Ohne eine konjunkturelle Belebung wird die heimische Wirtschaft ihre Einstellungszurückhaltung nicht überwinden. Dazu passt auch eine schlechte Nachricht von der Beschäftigtenseite des Arbeitsmarktes. Nach den neuesten Daten haben wir im Kreis mit rund 108.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten genau 1.058 weniger als vor einem Jahr“. Für Juli rechnet die Arbeitsmarktexpertin nicht mit einer Besserung der Lage: „Die Aussichten sind schon wegen der bevorstehenden Sommerpause eher verhalten.“ Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im Mai erneut gegenläufig und neutralisierten sich damit im Ergebnis zum Monatsende weitgehend. 4.520 Arbeitslose (Anteil 35,4 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (52 oder 1,2 Prozent mehr als im Vormonat), 8.247 (Anteil 64,6 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (63 oder 0,8 Prozent weniger). Die Tendenz war nur für die Zielgruppe der älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) leicht günstig. Sie hatten eine Abnahme um fünf oder 0,1 Prozent auf 4.555. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren gab es dagegen mit 1.112 einen Anstieg um 37 oder 3,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit erhöhte sich marginal um drei oder 0,1 Prozent auf 4.434. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung stieg um elf oder 1,2 Prozent auf 967. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte aktuell eine Zunahme um 42 oder 0,8 Prozent auf 5.440. Gleichzeitig waren es 140 oder 2,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Wie bereits in den Vormonaten hat sich beim gemeldeten Kräftebedarf im Juni keine Belebung ergeben. Die heimischen Unternehmen meldeten 311 Stellen und damit nur zwei oder 0,6 Prozent mehr als im Mai, zugleich zehn oder 3,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten immer noch freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 65 Stellen für Assistenzkräfte, Vormonat 88) und Personaldienstleister (65 Stellen, Vormonat 84), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (54), dem Handel (40), dem Gesundheits- und Sozialwesen (22), dem Baugewerbe (21) und der öffentlichen Verwaltung (13). Der Bereich Erziehung und Unterricht meldete acht Vakanzen. Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen nahm gegenüber Mai um 24 oder 1,4 Prozent auf 1.688 zu, ging in Relation zum Vorjahresmonat dagegen um 133 oder 7,3 Prozent zurück. Aktuell sind 64,5 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 17,9 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im Juni gab es im Kreis 24 neue Anzeigen von Kurzarbeit für 286 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für Januar liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 57 Betriebe für 569 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Lokale Entwicklungen
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im Juni in den Städten des Kreises weiterhin unter schiedlich. In Sprockhövel (+ 13 auf 544), Ennepetal (+ 16 auf 1.194) und Herdecke (+ 20 auf 741) stiegen die Zahlen. Rückgänge gab es in Gevelsberg (- 3 auf 1.180), Schwelm (- 3 auf 1.494), Wetter (- 5 auf 857), Breckerfeld (- 11 auf 230), Hattingen (- 11 auf 1.820) und Witten (- 27 auf 4.707).
Gesamteinschätzung
„Selbst die saisonalen Effekte sind nicht berechenbar. Eben noch steigende Arbeitslosigkeit im Frühjahr, jetzt auf einmal eher Stagnation mit kaum veränderter Arbeitslosenzahl noch deutlich vor den Sommerferien“, so Katja Heck weiter. „Dass sich die altbekannten Schemata jahreszeitlicher Schwankungen nicht mehr ohne Weiteres zeigen, trägt weiter zur allgemeinen Unsicherheit in der heimischen Wirtschaft bei. Und die anstehende Sommerpause mit ihrer dämpfenden Wirkung auf die Beschäftigung lässt keine Besserung in den nächsten Monaten erwarten“. In Bezug auf die generellen Aussichten führt sie aus, „dass sich das konjunkturelle Gesamtklima wohl erst verbessern kann, wenn die internationalen Krisenherde befriedet werden und auch die bundes- politischen Reformankündigungen Gestalt annehmen.“
Der Ausbildungsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis ist ebenfalls deutlich von der konjunkturellen Krise geprägt. Es ist nicht nur die Tatsache, dass im Vergleich zum Vorjahr 17,2 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet wurden. „Vier Wochen vor Beginn der ersten Berufsausbildungen ist das Verhältnis unbesetzte Berufsausbildungsstellen zu unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern zwar rechnerisch relativ ausgeglichen, doch leider passen hier Angebot und Nachfrage allzu oft nicht zusammen. Im späten Frühjahr und im Sommer ist die Dynamik am Ausbildungsmarkt besonders hoch, auf Seiten der Bewerberinnen und Bewerber gibt es weitere Zugänge und damit auch neue Potenziale. Unser Arbeitgeberservice geht auf die Unternehmen zu, um weitere Ausbildungsstellen für diese jungen Menschen einzuwerben. Dabei bietet der Blick auf die Zahlen derzeit eines der stärksten Argumente für die Ausbildung im eigenen Betrieb,“ so Katja Heck weiter. „Mit unseren Partnern bieten wir neben der individuellen Beratung mit Azubi-Speed-Datings, Ausbildungsbörsen, Vorstellungen einzelner heimischer Betriebe, Freiwilligenbörsen, Bewerbungstrainings, lokalen Ausbildungscamps, einer Fülle von Fördermöglichkeiten und mehr viele Aktionen, um Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zu unterstützen. Es ist zwar höchste Eisenbahn, aber es geht noch viel am Ausbildungsmarkt! Und wer erstmal in die Berufswelt reinschnuppern möchte: Die Praktikumswochen Ennepe-Ruhr bieten konkrete Möglichkeiten, ein Praktikum in den Sommerferien anzubieten bzw. zu absolvieren. Anmeldungen für Unternehmen und Bewerberinnen und Bewerber sind noch bis zum 6. Juli unter https://praktikumswoche.de/ennepe-ruhr möglich!